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Halbzeit bei den Altdöberner Parksanierern

Zum 19. Geburtstag wurde Lea Biermann (vorn, rechts) von ihrem Team zur Asiatischen Zaubernuss geführt. Der Strauch gilt als faszinierender Winterblüher und erster Frühlingsbote in Parks und Gartenanlagen.
Zum 19. Geburtstag wurde Lea Biermann (vorn, rechts) von ihrem Team zur Asiatischen Zaubernuss geführt. Der Strauch gilt als faszinierender Winterblüher und erster Frühlingsbote in Parks und Gartenanlagen. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Altdöbern/Potsdam. Die Parksanierer der Altdöberner Jugendbauhütte (JBH) können allmählich durchatmen. Sie haben das Laub und den Winter "bekämpf". Bald erleben sie schöne Momente im Park. Uwe Hegewald / uhd1

Die zehn Jugendlichen aus Deutschland, der Türkei, Armenien, Frankreich, Weißrussland und Italien sind seit Anfang September 2016 sind sie für ein freiwilliges Jahr in der Gartendenkmalpflege angetreten, um zur Halbzeit ein Zwischenfazit zu ziehen. "Der Winter in Deutschland ist eindeutig zu kalt und zu lang", beklagt Kadir Sen (26) aus der Türkei.

Aliaksei Siratsiuk sieht das anders: "Weihnachten war ich zuhause in Weißrussland, wo 25 Grad Minus herrschten. Das ist kalt", erzählt der 28-Jährige. Im weißrussischen Brest habe er bereits fünf Jahre als Jurist gearbeitet, um jetzt beim Freiwilligendienst seine Deutschkenntnisse zu festigen. Nach seinem Wirken in Altdöbern wird er wieder nach Brest zurückkehren und weiter als Jurist arbeiten.

Frisch von der Universität ist David Coupireau (25) gekommen, der im französischen Rouen (Normandie) Ökologie studiert hat. Der Grund seines Mitwirkens in der JBH: "Ein anderes Land kennenlernen und neue Eindrücke gewinnen." Wie Stefan Hohmann (Laasow) informiert, konzentrieren sich die Arbeiten in diesem Jahr auf die östliche Uferseite des Salzteiches. "Im Kern geht es um die weitere Wiederherstellung des kleinen Teichweges. Durch historische Recherchen haben wir herausgefunden, dass es diesen Weg bereits in den 1920er Jahre gegeben hat", so der Landschaftsarchitekt.

Als Quelle dienen Aufzeichnungen des damaligen Gärtners unter Eugen Garbaty. Der Berliner Zigaretten-Fabrikant hatte das Anwesen am 15. Juli 1917 erworben, wurde jedoch aufgrund seiner jüdischen Abstammung durch die Nationalsozialisten gezwungen, Schloss und Park 1938 wieder zu verkaufen. Der kleine Teichweg soll schließlich in eine gestaltete Fläche in Ufernähe münden, zu der sich später eine Rundbank nach historischem Vorbild hinzugesellt. Als Herausforderung erweist sich ein doppeltes Engagement: So müssen von den Jugendlichen parallel zu den eigentlichen Aufgaben auch die Flächen gepflegt werden, die von den vorangegangenen sieben Staffeln der Jugendbauhütte gestaltet worden waren.

Silvia Zancarli (22) nimmt es mit Humor. "Die hat immer gute Laune und ist ständig am Singen", berichten ihre Teammitglieder. Für die Norditalienerin, die bereits einen Bachelor-Abschluss in Chinesisch in der Tasche hat, mündete die Leidenschaft fürs Singen in ein Engagement beim Altdöberner Frauenchor.

Zu den Proben und Auftritten bei den Nachtigallen von "Viva la musica" wird sie von Jugendbauhüttlerin Lea Biermann begleitet. Die 19-jährige Rheinländerin bringt bereits Erfahrungen aus ihrem früheren Schulchor mit, die Jakob Krug noch sammeln muss. Jedoch nicht beim Singen sondern beim Lenken von Pkws. "Ich besuche hier eine Fahrschule und werde von meinen Leuten dafür gerne auf dem Arm genommen", erzählt der Berliner. "Wenn praktische Fahrstunden anstehen, können sie sich den Scherz nicht verkneifen, dass die Altdöberner zuvor gewarnt werden müssten." Längst stellen die Parksanierer der Jugendbauhütte für die Gemeinde auch einen Wirtschaftsfaktor dar. Regionale Tipps und Gepflogenheiten bekommen sie zusätzlich von Kay Gröbe aus Kostebrau (Stadt Lauchhammer) vermittelt. Der 38-Jährige ist Landschaftsgärtner und gleichzeitig Fachanleiter des Teams, für die das Freiwillige Jahr Ende August ausklingt. Den finalen Höhepunkt bilden die Altdöberner Parksommerträume, am 12. und 13. August.