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| 13:23 Uhr

Baudenkmal
GWG honoriert Entwürfe für „Turbine“

Der Plan Maximilian Heimanns sieht Sechseck-Häuser hinter der teilweise rückgebauten Turbine vor .
Der Plan Maximilian Heimanns sieht Sechseck-Häuser hinter der teilweise rückgebauten Turbine vor . FOTO: GWG Lübbenau eG
Lübbenau. Architektur-Studenten liefern der Wohnungsbaugenossenschaft und ihren Architekten Projekt-Ideen für die Nachnutzung des ehemaligen Gasthauses in der Lübbenauer Neustadt. Von Daniel Preikschat

So inspirierend kann ein schon seit Jahren leerstehendes Gasthaus sein. Die Gemeinschaftliche Wohnungsbaugenossenschaft der Spreewaldstadt Lübbenau eG (GWG) hat kürzlich drei Architektur-Studenten an der BTU Cottbus-Senftenberg für ihre Entwürfe für die „Turbine“ in der Lübbenauer Neustadt mit einem Preisgeld in Höhe von insgesamt 1000 Euro ausgezeichnet. Zwar seien die Projektideen wirtschaftlich und bautechnisch noch nicht ausgereift, so GWG-Vorstandsassistent Paul Schlorf. Dennoch sei es zeigenswert und spannend, wie die Studenten planerisch mit dem Objekt umgegangen sind.

500 Euro und damit den Löwenanteil des Preisgelds bekam Patricia Cott. Sie hat in ihrem Entwurf das Gasthaus baulich freigestellt und auf der Rückseite zwei Neubauten mit Wohnnutzung – jeweils etwa so groß wie die „Turbine“ selbst – so angeordnet, dass ein Innenhof entsteht. Im Saal der Turbine, schlägt die Studentin vor, können Großveranstaltungen abgehalten werden. Dazu gibt es ausreichend Sanitäranlagen, Garderobenbereich und Küche. Der Innenhof samt einem Foyer im Zentrum kann Treffpunkt für Bewohner und Gäste sein.

Die Bausubstanz der ehemaligen Turbine „stark reduziert“ hingegen hat Maximilian Heimann. Nur den Rohbau der Haupthalle hat der junge Architekt stehen lassen, um den historischen Bezug herzustellen zur einstigen Nutzung. Über das Grundstück wurde eine hexagonale Netzstruktur gelegt. In diesem Raster können sechseckige kleine Wohnhäuser im Baukastenprinzip frei aufgestellt werden. Durch ein modulares System sind die Wohnungen erweiterbar, sodass auch größere zusammenhängende Komplexe entstehen können. Die Halle indes ist gedacht als ein Ort der Begegnung, wo etwa Kochkurse, Hochzeiten, Gala-Dinner, Messen, Flohmärkte, Filmabende oder Lesungen veranstaltet werden können. Diese Projektidee honorierte die Wohnungsbaugenossenschaft mit 300 Euro.

200 Euro bekam Yulia Voshchina für ihren Entwurf. Sie setzt auf zwei kleine Innenhöfe, den kleinere Neubauten mit deckenhohen und durchgehenden Fensterbereichen bilden. Errichtet werden können sie in ein- oder zweigeschossiger Bauweise. Der Studentin schwebt ein Mix aus Wohn-, Gemeinschafts- und Multifunktionsräumen vor. Der alte Saal soll in die multifunktionale Struktur integriert werden.

Alle Arbeiten, heißt es von der GWG weiter, also auch noch zwei weitere nicht prämierte, werden an die beauftragten Architekten weitergereicht. Es erfolge keine Umsetzung eins zu eins. Kosten und Nutzen seien in Einklang zu bringen. Allerdings bringe der „Blick von außen“ wichtige Anregungen und Ideen. Wann die fertige Planung vorliegen, bis wann sie realisiert werden soll und wie teuer das wird, ließe sich heute noch nicht sagen.

Die „Turbine“ wurde am 7. Oktober 1959 eingeweiht. Noch bis 2001 fanden in der Gaststätte Konzerte und andere Veranstaltungen wie zum Beispiel das PDS-Sommerfest statt, über die in der RUNDSCHAU berichtet wurde. Danach stand das Gebäude mindestens zehn Jahre lang leer. Die CDU-Fraktion hatte daher in der Stadtverordnetenversammlung 2014 den Abriss des Gebäudes beantragt.

Beim 30. Lübbenauer Stadtforum der Lübbenaubrücke im November 2016 stellte Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos) das Vorhaben der GWG vor etwa 80 Zuhörern nur kurz vor. Er hatte noch im Dezember 2015 geraten, nicht vorschnell den Abriss der „Turbine“ zu beschließen. Damals einigten sich die Stadtverordneten in einer Fachausschuss-Sitzung, noch drei Jahre mit dem Beschluss für einen Rückbau zu warten. Diese Zeit hat die GWG nun offenbar genutzt, die in der Neustadt schon für die lange leer stehende „Luna“-Kaufhalle in der Neustadt eine Nachnutzung – als GWG-Geschäftssitz und Begegnungszentrum – gefunden hatte.

Beim GWG-Vorstand ist man überzeugt von der wirtschaftlichen Tragfähigkeit einer Nachnutzung. Zum einen soll dem sehr agilen Team der GWG-Senioren in der „Turbine“ ein Begegnungszentrum angeboten werden. Zum anderen sollen in der ehemaligen Gaststätte Wohnungen für zwei bis vier Mieter eingerichtet werden. Dafür gebe es eine große Nachfrage, so der GWG-Vorstand weiter. Bedarf gebe es ferner für kleinere Appartements mit 15 bis 45 Quadratmetern Größe, die ebenfalls in der Turbine angeboten werden könnten.