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| 01:08 Uhr

Gute Lehrlinge sind gar nicht so leicht zu finden

Mohnzöpfe flechten gehört auch zum Handwerk des Bäckers. Bäckermeister Hans-Werner Wahn (r.) und Geselle Giso Höhne geht die Arbeit flott von der Hand.
Mohnzöpfe flechten gehört auch zum Handwerk des Bäckers. Bäckermeister Hans-Werner Wahn (r.) und Geselle Giso Höhne geht die Arbeit flott von der Hand. FOTO: Foto: Roland Hottas
Vetschau.. Ausbildungsplätze sind knapp in der Region. Berater des Arbeitsamtes und der Handwerkskammerpräsident sind in Vor-Ort-Gesprächen unterwegs, um noch in Firmen betriebliche Lehrstellen für das am 1. August beginnende Ausbildungsjahr zu aktivieren. Die Bäckerei Wahn in Vetschau gehört zu den Handwerksbetrieben, die sich bereiterklärt haben, Azubis mit Beginn des neuen Lehrjahres auszubilden: eine Fachverkäuferin für Backwaren und einen Bäcker. Von Ingrid Hoberg

„Wir haben mehrere Bewerbungen vorliegen und uns beim Bäckerlehrling schon entschieden“ , sagt Bäckermeister Hans-Werner Wahn. Seit 1980 wird in seiner Backstube das Handwerk an den Nachwuchs weitergegeben. Fast 20 Lehrlinge waren es in dieser Zeit, die als Bäckergesellen die Ausbildung abschließen konnten. Junge Männer ebenso wie junge Frauen.
Eine Verkäuferin wurde bisher in der Bäckerei Wahn ausgebildet, im nächsten Lehrjahr könnte wieder eine Schulabgängerin hier die Lehre beginnen, haben sich Dagmar und Hans-Werner Wahn entschieden. Diese Ausbildungsstelle ist noch nicht vergeben. Die Entscheidung falle schwer, denn oft seien die Voraussetzungen nicht gegeben. „Die Kenntnisse in den naturwissenschaftlichen Fächern werden immer schlechter“ , stellt der Bäckermeister, wie viele andere Meister auch, fest. Beim Zusammenstellen der Rezepturen müssen die einzelnen Anteile genau berechnet werden. Manchmal hapert es schon bei den Grundrechenarten.
Seine Frau kennt als Mitglied der Prüfungskommission für Verkäuferinnen bei der Lausitzer und Spreewälder Bäcker- und Konditor-Innung die Schwächen der Prüflinge, die manchmal ganz schön ins Schwitzen kommen, wenn ohne Kasse die Summe für den Einkauf eines Kunden ausgerechnet werden soll. Nach Abschluss der dreijährigen Ausbildung werden im theoretischen Teil Kenntnisse in Technologie, Fachmathematik sowie Wirtschafts- und Sozialkunde geprüft. Zur Abschlussprüfung wird getestet, welche Produktkenntnisse die angehende Verkäuferin hat, wie sie das Kundengespräch führen kann. Meist wird ein Schaufenster zu einem Thema gestaltet. „Das ist das Gesellenstück wie beim Bäcker“ , sagt Dagmar Wahn. Die Bäcker versuchen sich meist in dekorativen Arbeiten, flechten Körbe, bauen Wagen oder andere Objekte.
Neben den guten naturwissenschaftlichen Kenntnissen seien es auch praktische Fertigkeiten und die Liebe zum Beruf, die erkennbar sein müssten, so Hans-Werner Wahn. Von seinen ehemaligen Lehrlingen sind einige noch im Beruf, andere hat es aus familiären Gründen manchmal in eine andere Richtung geführt. Auch die beiden Kinder sind in seine Fußstapfen getreten, lernten Bäcker und arbeiten in der Backstube mit. 38 Mitarbeiter beschäftigt der Vetschauer Bäckermeister im Stammsitz in der Bahnhofstraße, in den Backshops am Markt und in Lübbenau sowie im Backshop mit Café am Wasserturm. In Raddusch gibt es eine Filiale und der Verkaufswagen ist über Land unterwegs. Drei Konditoren sorgen für die feinen Backwaren.
Die Bäckerei Wahn beteiligt sich regelmäßig an den Brotprüfungen und auch an den Stollenprüfungen in der Weihnachtszeit.
Im August gibt es etwas zu Feiern: Vor 30 Jahren bekam Hans-Werner Wahn den Meisterbrief. „Zum 30-Jährigen wollen wir uns mit der Meisterklasse treffen.“ Handwerkskammerpräsident Peter Dreißig gehörte auch zu dieser Klasse.