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Gurkenschwemme im Gurkenland

Marco Gerska von der Stadt Lübbenau nimmt schubkarrenweise Gurken entgegen, um sie anschließend auf die Kindereinrichtungen zu verteilen.
Marco Gerska von der Stadt Lübbenau nimmt schubkarrenweise Gurken entgegen, um sie anschließend auf die Kindereinrichtungen zu verteilen. FOTO: Becker/peb1
Vetschau/Lübbenau. Göritzer Agrar GmbH gibt Gurken an Kindereinrichtungen ab. Spreewaldbauer Ricken hat im Vorjahr Spargel an die Tafeln geliefert. Peter Becker / peb1

Derzeit macht der Spreewald seinem Ruf als Land der Gurken alle Ehre. Das feuchtwarme Wetter lässt Einleger, Senf- und Salatgurken im Kleingarten, im Gewächshaus und auf den Äckern nur so schießen.

Die Frucht wächst schneller nach, als der Absatz mithalten kann. Um die Ware nicht verkommen zu lassen oder bestenfalls zu kompostieren, gibt dieser Tage die Göritzer Agrar GmbH kostenlos Gurken an Kindereinrichtungen und an die örtlichen Tafeln ab. In der Gärtnerei Fleißdorf rollen die Fahrzeuge aus den Städten Lübbenau, Calau und Vetschau an, die Fahrer übernehmen, was ins Auto passt. Anschließend geht es direkt zu den Verbrauchern vor Ort, um möglichst frisch auf den Tisch zu landen. Roland Piossek von der Stadt Vetschau hat eine Ladung Gurken gleich ins Sommerbad gebracht. Dort sind die Rappelkisten-Kinder im Schwimmlager. Erzieherin Sylvia Aust freut sich über die spontane Lieferung: "Wir werden sie gleich aufschneiden und als Zwischenmahlzeit geben. Da die Kinder nicht so gern und reichlich trinken, wie es erforderlich wäre, ist das Gemüse genau das Richtige für sie. Schade, dass es keinen Melonenüberhang gibt, darüber würden sie sich noch lieber hermachen!"

Auch die Lübbenauer Kindereinrichtungen profitieren von der Gurkenschwemme der Fleißdorfer. In der Kindereinrichtung Spiel und Spaß kommen die Gurken sehr gut an. "Wir haben selbst Tomaten angebaut und morgen gibt es die verschiedensten und natürlich gesunden Salate aus Tomaten, den Gurken und andere Salate", erzählt Erzieherin Kathleen Richter. "Wir bedanken uns ganz herzlich bei dem Spender", möchte sie gern noch ergänzt wissen.

Der Vetschauer Landwirt Karl-Heinz Ricken lobt die Aktion der Göritzer, sieht aber selbst noch keine Absatzschwierigkeiten. "Was nicht ist, kann aber noch werden. Wir haben im vergangenen Jahr in Größenordnungen Spargel an die Tafel abgegeben, als der Absatz ins Stocken kam. So etwas wird es immer mal geben, da sehen wir uns durchaus auch in der Verantwortung", so Ricken. Verantwortungslos und unehrenhaft finden es Ricken wie der Göritzer Goebel, wenn hochwertige Lebensmittel einfach vernichtet werden, wenn auf der anderen Seite den Bedürftigen der Gesellschaft geholfen werden kann.

Was dem Einen seine Freude, ist dem Anderen sein Leid. Thomas Goebel, Geschäftsführer der Göritzer Agrar GmbH sieht die Aktion durchaus mit gemischten Gefühlen: "Wir geben natürlich gern ab, besonders an Kindereinrichtungen, sehen aber gleichzeitig auf der anderen Seite die kommenden Ernteausfälle bei Getreide und anderen Körnerfrüchten. Bis zum 29. Juni litt die Region unter der Trockenheit. Dann kamen etwa 100 Liter Regen je Quadratmeter, und seit dieser Zeit kommt keine Ruhe in die Kulturen. Das Erntefenster wird immer kürzer, die Backqualität nimmt mit jedem weiteren Tag auf dem Halm ab", berichtet Thomas Goebel.

Noch schlimmer sei es bei der Heuernte. Hier konnten nur die Hälfte der Wiesen im inneren Spreewald gemäht werden. Thomas Goebel: "Die hohen Gräser beschatten sich und verhindern eine zügige Abtrocknung der überschwemmten Wiesen. Hinzu kommt die schlechte Pflege der Entwässerungsgräben, die stark verschlammt sind und bei jedem Regen sofort überlaufen."

Goebel mahnt das Land an, endlich mehr Mittel zur Grabenpflege zur Verfügung zu stellen. Mit Freude sieht er dagegen der Maisernte entgegen: "Der denkt noch gar nicht daran, abzutrocknen. Er schiebt immer wieder neue Kolben nach. Aber auch hier gilt: Die Ernte zählt der Bauer, wenn sie in der Scheune ist. Es braucht nur wieder zu viel zu regnen, dann kommen wir mit der Technik nicht auf die Äcker", bremst er seine Freude gleich wieder ab.