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Große im Paradies für Schnullerträger

Gestern waren es die Großen, die sich die Außenstelle der Kita "Kunterbunt" angesehen haben. Ab heute ziehen die Kleinsten dort ein.
Gestern waren es die Großen, die sich die Außenstelle der Kita "Kunterbunt" angesehen haben. Ab heute ziehen die Kleinsten dort ein. FOTO: H. Kuschy
Calau. Calau hat so viele Kinder, dass eine Außenstelle der Kita errichtet werden musste. Die Stadt machte sofort fast 58 000 Euro für einen Umbau locker. Hannelore Kuschy

Ein Signal aus der Calauer Kita "Kunterbunt" im vergangenen Herbst hat Stadtverwaltung wie Abgeordnete aufhorchen lassen: Die Plätze für die Ein- bis Dreijährigen in dieser Kita würden in absehbarer Zeit nicht mehr ausreichen. Schon für das erste Halbjahr 2017 musste schnell Platz für zunächst 15 Kinder geschaffen werden. Bei der Ideensuche stellte sich das Haus der Begegnungen als die beste Lösung heraus. Ohnehin war es als Kindergarten errichtet worden, und noch bis Anfang der 1990er-Jahre tummelten sich dort die Mädchen und Jungen.

Ab heute also beziehen die Jüngsten der Kita "Kunterbunt" nach und nach die neue Außenstelle, die Platz für 20 Kinder bietet. Neben dem Stradower Bauunternehmen haben ausschließlich Calauer Firmen innerhalb von sechs Wochen aus den vormals eher bedeutungslosen Räumen im Erdgeschoss ein kleines Paradies für den Calauer Nachwuchs geschaffen. Die beiden Erzieherinnen Andrea Hering und Katja Warchold betreuen die Steppkes. Schon Ende März werden es zehn Kinder sein.

Gestern schauten sich dort die Großen um - diejenigen, die alle Voraussetzungen dafür geschaffen haben, dass diese Außenstelle für fast 58 000 Euro möglich wurde - und das noch recht schnell. "Damit kann Calau dem Anspruch auf einen Krippenplatz voll erfüllen", sagt Bürgermeister Werner Suchner (parteilos). 16 Kinder würden in der Kita Saßleben betreut, 28 seien es derzeit in der "Zinnitzer Rasselbande", 40 in der Kita Werchow und schließlich 215 in der "Kunterbunt". 222 Kinder gingen in den Hort. Dank der positiven Entwicklung der Kinderzahlen in den Kitas, also auch bei den Vier- bis Sechsjährigen und im Hort, seien seit November vier Erzieherinnen und zwei Erzieher eingestellt worden.

Während deutschlandweit über zu wenige Geburten geklagt wird, freut sich Calau über einen Anstieg der Kinderzahlen. Dabei hat auch die Wohn- und Baugesellschaft (WBC) geholfen. Wie Geschäftsführerin Marion Goyn auf Nachfrage sagt, gibt es seit sieben Jahren die Aktion "Willkommen Familie". "Bei Abschluss eines Neumietvertrages erhalten die Familien das erste Kinderzimmer nettomietfrei", erklärt sie. Innerhalb von zwei Jahren, also 2015 und 2016, nutzten 29 Familien dieses Angebot. Sie kommen nicht nur aus Calau selbst, sondern zogen aus Hannover, Bestensee, Bad Frankenhausen, Dahme, Senftenberg, Saarbrücken, Berlin und Hoyerswerda nach Calau. Was diese Aktion außerdem so erfolgreich macht, ist, dass sich die WBC mit Calauer Firmen eng vernetzt. "So können die Wohnungsangebote mit den offenen Stellenangeboten der Firmen gut kombiniert werden", erläutert Marion Goyn. Am 12. August werde zudem ein Kinderflohmarkt veranstaltet. Am 18. April startet die erste WBC-Schnullerbaumaktion für alle Kinder, die ihren Schnuller nicht mehr brauchen. Die Calauer Feuerwehr unterstützt diese Aktion, die künftig zweimal im Jahr stattfinden soll.

Das Haus der Begegnungen ist mit der Kita-Außenstelle zu einem Generationenhaus geworden. Denn im Obergeschoss treffen sich fast täglich Calauer in der Seniorenbegegnungsstätte. Wie Renate Paschke erzählt, umsorgt ihr Team monatlich bis zu 300 Senioren, die sich über die Kleinen außerordentlich freuen.