ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:39 Uhr

Verkehrsprojekt in der Neustadt
Großbaustelle wird zur Herausforderung

Blick hinunter von der Terrasse des Spreewaldhauses auf das aktuelle Baugeschehen am Roten Platz.
Blick hinunter von der Terrasse des Spreewaldhauses auf das aktuelle Baugeschehen am Roten Platz. FOTO: Stadt Lübbenau / Mandy Kunze
Lübbenau. Am Roten Platz in der Lübbenauer Neustadt sehnen Anwohner und vor allem Händler die Fertigstellung des neuen Kreisverkehrs herbei. Von Daniel Preikschat

Gefühlt fährt Detlef Grätz mit seinem Rollstuhl jeden Tag auf einem anderen Weg an der Großbaustelle am Roten Platz in der Lübbenauer Neustadt vorbei. Manchmal fährt er auch mitten durch sie hindurch, schaut durch Bauzäune, hinter denen Lkw und Bagger rangieren, Straßenbauer Leitungen ins aufgebuddelte Erdreich einsetzen. Grätz hat Zeit, wie er selbst sagt, und schaut sich alles interessiert an. Die Bauarbeiter seien nett und beantworten seine Fragen. Allerdings geht es auf Splitt und Schotter mitunter recht holprig voran. „Ich hoffe“, sagt Grätz, „dass mir nicht irgendwann die Reifen platzen.“

Die Baustelle am Roten Platz in Lübbenau hat derzeit die Form eines großen Kreuzes. Der gesperrte Abschnitt der Straße des Friedens reicht vom Lindenweg bis zur Straße der Einheit, gut hundert Meter Strecke. Etwas kürzer, vielleicht siebzig bis achtzig Meter lang, ist der zweite gesperrte Abschnitt, der von der Straße der Jugend bis zur Robert-Koch-Straße in Höhe der Rewe-Einfahrt reicht. Seit einigen Wochen hat die Bauleitung dort, wo sich die beiden Baustrecken kreuzen, Durchlässe geschaffen. Der Weg vom Spreewaldhochhaus zum Rewe-Markt wird damit deutlich abgekürzt für die zumeist bereits älteren und zum Teil gehbehinderten Anwohner.

Parkplatz und Ladezone hinter dem Rewe-Markt dienen als beidseitig befahbare Umleitungsstrecke.
Parkplatz und Ladezone hinter dem Rewe-Markt dienen als beidseitig befahbare Umleitungsstrecke. FOTO: LR / Daniel Preikschat

Autofahrer haben es derzeit ebenfalls nicht leicht, die Baustelle am Roten Platz zu passieren. Umleitungen über Nebenstraßen müssen genutzt werden, deren Ausschilderung besonders Auswärtige vor Herausforderungen stellt. Um den Verkehr um die Baustelle herumzuführen, musste die Rewe-Gruppe Parkplätze und Ladezone hinter dem Einkaufsmarkt abknapsen. Seit Mitte Juni, als die Kreuzung für den Kreisverkehrbau aufgerissen wurde, rollt der Umleitungs- und Kundenverkehr über diese umfunktionierte Fläche. Die Erschwernis, den Markt zu erreichen, führt dazu, dass sich der Parkplatz nicht mehr annähernd so gut füllt wie vor Beginn der Baumaßnahme. Markt-Inhaber Jan Radke bestätigt „schmerzliche Umsatzeinbußen“. Es kämen deutlich weniger Auto-Kunden, die sonst etwa die Hälfte der Kaufkraft ausmachten. Mit dem Auto sei man schnell mal beim nächsten Einkaufsmarkt. Treu bleiben dem Rewe auch in diesen harten Baustellenzeiten die Anwohner, die zu Fuß oder mit dem Rad kommen. Zu leiden haben auch die anderen Händler in dem Einkaufszentrum. Der Inhaber des Döner-Imbiss muss ebenfalls heftige Einnahme-Verluste hinnehmen, wie er bestätigt.

Gegenüber, in der Geschäften der Ladenzeilen an der Straße des Friedens, scheint es den Händlern indes etwas besser zu ergehen. Zwar hat der Blumenladen auf der Ecke schon seit dem 22. Mai geschlossen – aufgrund der Baustelle, wie auf Zetteln an der Schaufensterscheibe zu lesen steht. Im benachbarten Schmuck- und Uhrengeschäft hingegen sagt der Inhaber: „Die Baustelle wirkt sich auf den Geschäftsbetrieb bei uns kaum aus.“ Wer kommen will, der komme auch weiterhin. Allerdings seien Lärm und Staub natürlich eine Belastung. Außerdem bliebe abzuwarten, was passiert, wenn der Gehweg bis ran an das Geschäft aufgerissen wird, ergänzt eine Verkäuferin. Ganz ähnlich äußert sich Evelin Nolde vom Hairstudio. „Unsere Stammgäste aus der Neustadt kommen auch weiterhin zu uns.“ Die Baumaßnahme müsse nun mal sein. Mit den damit verbundenen Einschränkungen klar zu kommen, sei man in Lübbenau schon gewohnt. Beim Ausbau der Bahnhofstraße sei die Filiale dort viel schlimmer betroffen gewesen.

Michael Jakobs, Geschäftsführer der WIS Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald, der die Ladenzeile an der Straße des Friedens gehört, geht schon davon aus, dass in einigen Geschäften der Umsatz weniger hoch sein könnte. Kritische Hinweise oder Klagen sind bei ihm aber noch nicht angekommen. Nach Fertigstellung profitierten auch die Händler vom aufgewerteten Standort, sagt Jakobs. Das Verständnis für die Baumaßnahme sei seiner Einschätzung nach groß.

Vor allem im Rewe-Markt also und in den Geschäften auf dem Roten Platz wird man mit Erleichterung die Mitteilung von Rathaus-Sprecherin Mandy Kunze zur Kenntnis nehmen: „Wenn alles so weiterläuft wie geplant, steht der avisierten Fertigstellung bis zum Jahreswechsel nichts entgegen.“ Wobei der Zugang zu den Einzelhandelsgeschäften während der gesamten Bauphase aufrechterhalten bliebe.

Bislang, so Mandy Kunze, beschränkte sich das Baugeschehen auf den Straßenrückbau und den Neubau des Regenwasserkanals. Begonnen wurde damit im Frühjahr in der Straße des Friedens. Zunächst nur im Abschnitt zwischen Lindenweg und Kreuzung. Erst im Juni wurde die Kreuzung gesperrt und aufgerissen, um einen Kreisverkehrsplatz mit 30 Meter Durchmesser zu bauen sowie Abschnitte der Robert-Koch-Straße und der Straße des Friedens neu zu gestalten. In den nächsten Wochen nun werden durch den Wasser- und Abwasserzweckverband Calau (WAC) die Trinkwasserhauptleitungen erneuert. Darüber hinaus werden in den Straßen- und Gehwegabschnitten Schottertragschichten und Bordanlagen eingebaut. Der Kreisverkehr nehme damit  Kontur an.