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Groß Lübbenauer "Institution"

Christa und Siegfried Janzen in ihrer Wohnung in Groß Lübbenau. Das Foto zeigt sie auf dem Bürgerfest im Schloss Bellevue.
Christa und Siegfried Janzen in ihrer Wohnung in Groß Lübbenau. Das Foto zeigt sie auf dem Bürgerfest im Schloss Bellevue. FOTO: Daniel Preikschat
Groß Lübbenau/Berlin. Seit 1959 prägt der einstige Dorflehrer Siegfried Janzen in Groß Lübbenau das kulturelle Leben. Das besonders zu würdigen, war für den Ortsbeirat überfällig. Bundespräsident Joachim Gauck hat das offenbar auch so gesehen. Daniel Preikschat

Siegfried Janzen dachte erst: "Das muss ein Irrtum sein. Oder eine Verwechselung." Aber nein, der Bundespräsident meinte ausdrücklich ihn und keinen anderen. Aus ganz Brandenburg war sonst nur noch die Rettungsschwimmerin Christin Schiffner aus Werder/Havel zum Bürgerfest auf Schloss Bellevue geladen. Janzens Frau Christa hatte immerhin eine leise Ahnung, dass so etwas kommen würde. Denn Kevin Lehmann vom Ortsbeirat hatte sich kurz zuvor bei ihr erkundigt, was ihr Mann ehrenamtlich im Lauf der vergangenen Jahrzehnte so alles gemacht hat. Was der ehemalige Schüler ihres Mannes mit der langen Liste vorhatte, wusste sie da selbst aber auch noch nicht.

Am 9. September dann kam der große Tag für das Ehepaar Janzen aus Groß Lübbenau. Christa zog eine ihrer Spreewälder Trachten an. Denn Trachten, so hieß es in der Einladung, seien bei dem Bürgerfest zu Ehren verdienter Ehrenamtlicher im Schloss Bellevue, "gern gesehen". Auch der Gatte zog sich fein an - und beide machten sich auf den Weg. Mit dem Auto nach Lübbenau, von dort weiter mit dem Zug nach Berlin, dort in die Straßenbahn. "Das letzte Stück sind wir zu Fuß gegangen", so Siegfried Janzen.

Sehr lebendig erzählt der 85-Jährige, was weiter geschah. In mehreren Schlangen nebeneinander standen fein gekleidete Menschen am Eingang an. Im Schloss wollte seine Frau - bescheiden, wie sie sei - auf Nebenwegen in den Schlossgarten gelangen. Dahin, wo die Musik spielte. Doch der Gatte sagte: "Der rote Teppich ist für uns." Zuvor war man schließlich auch schon fotografiert worden.

Auf der Grünanlage hielt sich eine riesige Festgesellschaft auf, die den ganzen Nachmittag bis spät in den Abend hinein erlesen verköstigt wurde. Musik wurde gespielt. Gauck sagte etwas, das Janzen aber akustisch kaum verstand. Er sah auch nicht viel vom Präsidenten, ab und zu Haare und Stirn in der Menge.

Die Janzens fühlten sich dennoch gut bewirtet und unterhalten, kamen ins Gespräch mit anderen Ehrenamtlichen. Manchmal wunderte sich der Groß Lübbenauer aber schon. Ein Feuerwehrmann beklagte sich bei einem Schützenbruder, dass es keine Medaillen gibt. Dabei hingen an seiner Uniform schon Orden.

Für Siegfried Janzen müssen es nicht Urkunden oder Medaillen sein. Wichtig sei, dass ehrenamtliche Arbeit öffentlich gewürdigt und anerkannt wird. In welcher Form auch immer. Hauptsache so, dass es viele mitbekommen. "Denn das fördert die Bereitschaft auch anderer, sich ehrenamtlich zu engagieren." Die Fotos, die gemacht wurden, hätte man den Eingeladenen allerdings schon kostenlos zukommen lassen können. Das merkt Janzen denn doch kritisch an. Sieben Euro pro Aufnahme haben er und seine Frau bezahlt für die Erinnerung an diesen besonderen Tag.

Siegfried Janzen hat ein Alter erreicht, in dem er sich nicht mehr wie einst engagieren kann. Vor allem als Schreiber war er zuletzt noch für den Ort aktiv, hat die Chorchronik und die Geschichte des Groß Lübbenauer Feuerwehrwesens aufgeschrieben. Hinzu kamen Festschriften und Mundartbücher.

Schreiben wolle er auch künftig. Gerade fertig geworden ist eine Danksagung, die er in dem Aushängekasten im Dorf anbringen will. Der Dank geht an den Ortsbeirat, weil er Siegfried Janzen als Groß Lübbenauer "Institution" für den Empfang bei Joachim Gauck vorgeschlagen hat.

Zum Thema:
Siegfried Janzen leitete zwischen 1959 und 2006 Schalmeien- und Jugendtanzkapelle in Groß Lübbenau, den Volkschor in Groß Lübbenau und Boblitz. Zwischen 1964 und 1998 war er zudem Ortschronist, Gemeindevertreter, Amtsausschussvorsitzender, ehrenamtlicher Bürgermeister im Ort sowie Initiator und Leiter des privaten Dorfmuseums. Weiter schob er im Ort die Jugendfeuerwehrarbeit an und trat als Nachtwächter auf.