ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:45 Uhr

Strukturwandel in der Lausitz
Gräbendorfer See aus Bergaufsicht entlassen

FOTO: Rüdiger Hofmann
Vetschau/Laasow. Ministerpräsident Woidke zu Besuch in der Lausitzer Bergbauregion. Vetschauer Stadtspitze lobt touristische Entwicklung. Von Rüdiger Hofmann

Der Gräbendorfer See im Vetschauer Ortsteil Laasow (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) ist am Mittwoch als erster größerer Brandenburger See aus der Bergaufsicht entlassen worden. Aus diesem Grund übergab der Präsident des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR), Hans-Georg Thiem, an Vertreter der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) eine entsprechende Urkunde. „Formal ist der Abschlussbetriebsplan des Tagebaus Gräbendorf nun realisiert. Die LMBV ist für den See bergrechtlich nicht mehr verantwortlich“, sagt Hans-Georg Thiem. Die uneingeschränkte Planungshoheit übernehmen ab sofort die Anliegergemeinden Vetschau, Drebkau und Altdöbern.

Zugleich nutzte der Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) den Anlass für einen Besuch in der Lausitz, um sich von der Bergbausanierung und Struktur-
entwicklung ein Bild zu machen. „Das ist ein weiterer Schritt für eine noch attraktivere Lausitz, die sowohl für die hier lebenden Menschen als auch für Gäste immer lebenswerter wird“, sagte Woidke.

Neben der Landesspitze nahmen der Präsident der BTU Cottbus-Senftenberg und künftige Wirtschaftsminister im brandenburgischen Kabinett, Jörg Steinbach, der Geschäftsführer der Tourismus Marketing Brandenburg GmbH, Dieter Hütte, und der Lausitzbeauftragte Klaus Freytag teil. Der Vetschauer Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos) würdigte in seiner Ansprache die touristische Entwicklung am Gräbendorfer See.

„Ein Riesenschritt in die richtige Richtung, der uns viele Möglichkeiten bietet. Der See ist ein Beispiel für eine gelungene Bergbaufolgelandschaft. Hier kann inzwischen gebadet, getaucht und geangelt werden“, so die Stadtspitze. Die Wasserqualität sei hervorragend, „der See eine Perle“. Touristen aus Dresden, Cottbus und Berlin sowie aus dem OSL-Landkreis und angrenzenden Kreisen kämen regelmäßig zur Erholung. „Außerdem befinden sich hier neben Gastronomie auch eine Tauchschule und erste schwimmende Häuser, die im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land entstanden sind“, sagt Kanzler. Weitere touristische Projekte werden derzeit entwickelt. „Mittelfristig soll ein großer Steg mit 16 schwimmenden Häusern entstehen“, sagt Kanzler. An Land plant ein Investor die Etablierung von Ferienobjekten. „Der 1. Bebauungsplan von 2014 wurde inzwischen zweimal geschliffen, nun kann baurechtlich richtig losgemacht werden“, versichert Bengt Kanzler.

„Die schwimmenden Häuser vermitteln einen neuen Trend aktueller touristischer Bedürfnisse“, sagt der Geschäftsführer der Tourismus Marketing Brandenburg GmbH, Dieter Hütte. Ein besseres Lebensgefühl gepaart mit einer spezifischen Technologie innerhalb der Häuser würden den Standort so attraktiv machen für Urlauber.

Auf dem Gelände waren von 1984 bis 1992 rund 36 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert worden. Die „bergrechtliche Wiedernutzbarmachung“ begann durch die LMBV im Jahr 1994 mit der Gestaltung des zukünftigen Uferbereiches und endete im Jahr 2017 mit der Sicherung der letzten Filterbrunnenstandorte. Von 1996 bis 2007 wurde das Areal geflutet. Ein- und Auslaufbauwerke mussten gebaut und Uferbereiche stufenweise profiliert werden. Heute ist ein 457 Hektar großer See entstanden.

Die LMBV hat seit ihrer Gründung 1991 im Auftrag von Bund und Land in Brandenburg bis heute rund 4,5 Milliarden Euro in die Neugestaltung der Bergbaufolgelandschaften in der Lausitz investiert. Das Land hat davon 1,3 Milliarden Euro getragen. Das 6. Abkommen zwischen Bund und betroffenen Ländern wurde im Juni 2017 in Berlin unterzeichnet. Es sichert die Finanzierung bis zum Jahr 2022.