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| 02:32 Uhr

Grabensystem Lübbenaus zu schwach

Ständiger Begleiter: Am Freitag haben Mitarbeiter des Wasser- und Bodenverbandes den Begleitgraben an der L 49 bis in Höhe Bahnübergang entkrautet. Damit soll ein besserer Abfluss in Richtung Kamske gewährleistet werden. Nutznießer ist ein Storch auf Futtersuche.
Ständiger Begleiter: Am Freitag haben Mitarbeiter des Wasser- und Bodenverbandes den Begleitgraben an der L 49 bis in Höhe Bahnübergang entkrautet. Damit soll ein besserer Abfluss in Richtung Kamske gewährleistet werden. Nutznießer ist ein Storch auf Futtersuche. FOTO: Jan Gloßmann
Lübbenau. Schlechte Nachricht für all jene, die auf zügige Lösungen der Wasserprobleme in Lübbenau gehofft haben: Das Grabensystem in und um die Stadt hält den extremen Regenfällen wie zuletzt Ende Mai nicht stand. Jan Gloßmann

Wilfried Mende aus Ragow hat ein Problem, Sabine Herrmann aus Zerkwitz ein ähnliches. Beide sind bei den Starkniederschlägen der vergangenen Jahre und zuletzt von Ende Mai "abgesoffen" und fürchten permanent um Haus und Hof. Verantwortlich machen beide die zuständigen Behörden im Allgemeinen und den Wasser- und Bodenverband "Oberland" Calau im Speziellen. Der habe bei Ragow Gräben nicht ausreichend beräumt. Landwirt Mende sagt: "Wasser tritt in die Wiesen, die kann ich weder abernten noch beweiden lassen." Die Zerkwitzerin hadert mit zu engen Durchlässen im Graben an der Landesstraße 49 im Ortsteil - und den Verzögerungen beim Ausbau. Regelmäßig müsse die Feuerwehr ausrücken, um das Wasser abzupumpen. Nach den heftigen Regenfällen wie in der vergangenen Woche komme es zum Rückstau, auch, weil über dem Graben die versiegelten Flächen am Kaufland und dem Spree-Forum entwässert werden. Das Wasser kann nicht in die Zerkwitzer Kahnfahrt abfließen.

Die Folge schildert Sabine Herrmann empört: "Die Brücken halten dem Wasserdruck nicht stand." Mehrere Überfahrten an der Straße zeigen Risse, die Zufahrt zu ihrem Grundstück ist an einer Stelle eingebrochen. Aus ihrer Sicht kollidieren hier die Pflichten des Privateigentümers mit der öffentlichen Abfluss-Funktion des Grabens - was die Frage einschließt, wer für welche Schäden aufkommt.

Der Geschäftsführer des Verbandes mit Sitz in Raddusch, Rainer Schloddarick, hat für beide Fälle sehr konkrete Antworten - und eine allgemeine, die niemanden freuen dürfte. Selbst wenn das Grabensystem in und um Lübbenau jeden Zentimeter tiptop wäre, es reiche "bei solchen heftigen Niederschlägen schlicht nicht aus". Wenn da auf einmal 75 und mehr Liter pro Quadratmeter fallen, "dann ist das System überfordert bei diesen Mengen, dafür ist es nicht ausgelegt". Jeder Grundstückseigner sei gut beraten, Vorsorge zu treffen.

Eine langfristige und allgemein befriedigende Lösung angesichts der Wetterextreme scheint sehr unwahrscheinlich. Schloddarick sagt: "Das Ganze müsste neu überdacht werden, und dann muss man sehen, welchen Aufwand das bedeutet." Der Verband unterliege gesetzlichen Vorschriften und müsse genau schauen, wer wofür zuständig ist. Somit dürfen vom Geld der Beitragszahler an den Verband - etwa eine Million Euro in diesem Jahr - keine Arbeiten für Private bezahlt werden. Privat seien aber beispielsweise die Brücken an der L 49. Diese Sichtweise stützt auch die Stadtverwaltung Lübbenau. Sabine Herrmann aus Zerkwitz hat nunmehr Juristen bemüht - um die Regulierung von Schäden aus den Vorjahren einzuklagen.

Landwirt Mende in Ragow wird wohl ebenfalls weiter seine Sorgen haben. Schloddarick: "Die Flächen liegen wie in einer Badewanne, die bekommen wir nicht trocken." Ein Pumpeinsatz wäre eher kontraproduktiv - sie würden das Wasser entgegen der Fließrichtung wieder "zurückziehen", so der Geschäftsführer. Nur in einem heißen Sommer habe Mende Vorteile. Die Sohle der Gräben sei ausreichend frei, das Abflussgefälle in Richtung Lübben allerdings gering. "Das ist eigentlich Sumpf. Wir sind da auch schon eingesackt mit der Technik. Es gibt im Spreewald solche Flächen, wo sich der Bewirtschafter Gedanken machen muss, ob er bei diesen Konditionen weitermacht oder ob solche Flächen in den Biotopschutz gehen sollen."

Zum Thema:
Der Wasser- und Bodenverband "Oberland" Calau hat mit der Krautung von Gräben begonnen. Dazu gibt es einen im Internet einsehbaren Ablaufplan; Eigentümer größerer Flächen werden zudem eine Woche vor Beginn gesondert informiert. Geschäftsführer Rainer Schloddarick zeigte sich offen für direkte Gespräche und flexible Lösungen. Eine zeitigere Krautung führe aber zu einem größeren Bedarf im Herbst für eine zweite Runde.