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Goldenes Abitur am alten Schulstandort

Ein Foto auf der Calauer Rathaustreppe ist bei vielen Abituriententreffen ein Muss. Vor 50 Jahren hatten die damaligen Abiturienten auf dem Marktplatz ihre Abschlüsse medienwirksam überreicht bekommen. Bürgermeister Werner Suchner (2.v.r.) bereitete den Jubilaren einen kurzen Empfang.
Ein Foto auf der Calauer Rathaustreppe ist bei vielen Abituriententreffen ein Muss. Vor 50 Jahren hatten die damaligen Abiturienten auf dem Marktplatz ihre Abschlüsse medienwirksam überreicht bekommen. Bürgermeister Werner Suchner (2.v.r.) bereitete den Jubilaren einen kurzen Empfang. FOTO: Undine Grabitz
Cabel/Calau. Gerhard Baselt aus Zschorlau (Sachsen) erinnert sich noch sehr genau an die Calauer Tage im Juni 1967: "Unser Abitur-Abschluss wurde mit einer Festwoche 20 Jahre Erweiterte Oberschule (EOS) und der Namensgebung Georg Schuhmann begangen." Viel Prominenz sei vertreten gewesen. uhd1

Die Verabschiedung, die im Lindengarten stattfinden sollte, wurde kurzerhand auf dem Marktplatz verlegt. "Der Schulchor gab ein Konzert, und durch den Deutschen Fernsehfunk (DFF) erfolgte eine Aufzeichnung", erzählt der "Goldene Abiturient". Dass er und seine Mitschüler von Fernsehkommentator Stein zu ihren Studiengängen und Berufsplänen befragt wurden, hatte einen besonderen Hintergrund: "Von 1963 bis 1967 gab es kein reines Abitur. Parallel zur Schule galt es, einen Beruf erlernen", weiß Martin Minde zu berichten. "Es war ganz gut, auch mal in die Praxis hinein zu schnuppern. Geschadet hat das keinem von uns", so der Vetschauer.

Ab Klasse 9 ging es einen Tag in der Woche in die Produktion, während der Ferien standen Praktika auf dem Plan. In der Kraftwerksberufsschule Lübbenau/Vetschau wurden Ausbildungen wie "Maschinist für Turbo-Aggregate" oder "Hochspannungsmonteur" angeboten. "Viele haben der Elektro-Branche die Treue gehalten oder sind in verwandte Berufe oder Studiengänge gewechselt", blickt Martin Minde zurück. Stellvertretend nennt er Martin Uhlmann, der später beim DFF anheuerte, beim legendären "Kessel Buntes" für die technische Leitung verantwortlich war und hinterher fürs ZDF arbeitete. Martin Minde arbeitete als Chefkonstrukteur bei Transtec (Vetschau) und betreute später den ICE in München. Mehrere der 67er-Abiturienten versuchten ihr Glück in der Ferne; leben heute in Berlin, Dresden, Jena, Brandenburg oder Beelitz, was das Organisieren von Klassentreffen nicht immer einfach gestaltet. Fürs "Goldene Abitur" gab es 2016 ein Vortreffen, um einen Fahrplan fürs Jubiläum zu schmieden. "Zusammenkünfte gibt es alle drei Jahre. Wir haben uns schon im Stephanshof Lübben, am Schwielochsee oder in Byhle guhre getroffen. Im 50. Jahr sollte es ganz nah zu den Wurzeln gehen", erklärt Minde.

In der Cabeler Pension Jank bezogen Weitgereiste ihr Quartier, um von dort und auf Erinnerungstour zugehen. Ein Höhepunkt war der Empfang bei Bürgermeister Werner Suchner, der mit einer Gegenüberstellung der Stadtbilder von 1967 und 2017 aufwartete. "Der Innenstadtbereich hat sich komplett verändert. Neues ist entstanden, Bewährtes verloren gegangen, wie die einstige Kultstätte und heutige Ruine Lindengarten", so Suchner.

Als krönende Erlebnisse werden die Goldenen Abiturienten jedoch die Begegnungen mit vertrauten Personen in Erinnerung behalten. Schularchivar Peter Sitz, der spätere Schulleiter Bernd Kunze oder der hochbetagte Ex-Lehrer Dr. Jochen Nessler kamen. Museumsbesuche, Stadtführungen und ein traditioneller Mittagsimbiss rundeten den Calauer Besuch ab. "Traditioneller Imbiss"? Die Bockwurst bei Bruno war unentbehrlich, um den (Ober-)Schulalltag seinerzeit einigermaßen hinzubekommen, sagen die damaligen Abiturienten rückblickend. Da es die Kultkneipe nicht mehr gibt, sind die Jubilare auf eine Bockwurst ins benachbarte Café am Markt ausgewichen.