Mindestens die Hälfte aller deutschen Biosphärenreservate plagen sich mit der Sorge, wie sie ihre Feuchtwiesen erhalten können, sagt Eugen Nowack von der Biosphärenreservatsverwaltung in Lübbenau. Mit einem einzigartigen Projekt der Göritzer Agrar GmbH könnte eine nachhaltige Lösung in Sichtweite sein. "Heu von den Feuchtwiesen, das Tierwirte zu Futterzwecken nicht nutzen können, mähen wir einmal im Jahr, wenn es holzig ist - Mitte/Ende September. Dann nutzen wir noch die Oktobersonne, bevor es in Rundballen von 1,50 Meter zur Feuerungsanlage geht", erklärt Geschäftsführer Thomas Goebel. Diese Anlage entstehe auf dem Gelände in Göritz und erreiche eine Leistung von 200 Kilowatt. Gebraucht würden voraussichtlich 600 Rollen im Jahr zu je 180 Kilogramm. Sie würden bei 350 bis 500 Grad vergast. Einen Hersteller für diesen Spezialkessel hat der Göritzer in Waren an der Müritz gefunden.

Die entstehende Wärme reiche aus, um Hofladen, Büroräume, Bauernküche, Werkstätten und Lagerhallen zu beheizen. Gemäht werde das Heu auf Flächen, die insgesamt 60 bis 70 Hektar, also mehr als 100 Fußballfelder, ausmachen, beispielsweise nahe der Dubkowmühle oder hinter der Radduscher Buschmühle.

Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) zeigte sich am Montag begeistert von dieser Idee, die das Göritzer Unternehmen gemeinsam mit der BTU Cottbus-Senftenberg nach vielen Jahren als Alternative zu Biogas und Kompostierung reifen ließ. Aus Potsdam brachte der Minister einen Fördermittelbescheid aus dem Leader-Programm zur ländlichen Entwicklung in Höhe von 77 800 Euro mit. Rund 100 000 Euro habe das Landwirtschaftsunternehmen selbst noch beizusteuern. Das Projekt sei es ihm wert, sagt Thomas Goebel, der sich in seinen Bemühungen um den Erhalt der Spreewaldlandschaft eins weiß mit der Bürgerstiftung Kulturlandschaft Spreewald, die Holger Bartsch, Stiftungsvorsitzender, zufolge auch das Göritzer Projekt gefördert habe. Sie selbst entwickelte die Wiesenaktie als ein Mittel im Kampf um den Erhalt der Feuchtwiesen. Für rund 10 000 Euro sind im Jahr 2015 Aktien verkauft worden. Investiert werde das Geld in die Wiesenpflege. Hoffnungsvoll ist auch Eugen Nowack. Denn durch die späte Mahd im September habe beispielsweise der Wachtelkönig wieder eine Chance, dessen Verbreitung in Mitteleuropa eher lückenhaft sei. Auch seltene Wiesenblumen könnten sich dadurch wieder ausbreiten. "Den Touristen müssen wir dann natürlich erklären, warum die eine oder andere Spreewald-Wiese im Sommer noch nicht gemäht ist", bemerkt Thomas Goebel.