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| 02:40 Uhr

Glamourös oder verrucht – Vivien aus Cottbus

Vivien singt zum Handwerkermarkt. Foto: Peter Becker/peb1
Vivien singt zum Handwerkermarkt. Foto: Peter Becker/peb1 FOTO: Peter Becker/peb1
Spreewald. "Jodeln? Jodeln überlasse ich lieber denen die es können. Meinem Südtiroler Großvater verdanke ich lediglich den Namen, nicht das Jodeltalent!" Vivien kann dafür singen, und das "hervorragend", wie sie vom Konservatorium schriftlich bestätigt bekommen hat. Peter Becker

Vivien kam in Cottbus zur Welt und ist als ein lebenslustiges und ideenreiches Mädchen aufgewachsen. Erst mit 15 fiel auf, dass da noch mehr war, als einfach nur trällern. Mama Beata hörte eines Tages eher zufällig ihrer Tochter zu, die im Kinderzimmer frank und frei die neuesten Hits schmetterte. Kurzerhand meldete sie 1998 Vivien in der Musikschule an.

Widerstand der Tochter gab es nicht. Jugendlich unbedarft glaubte sie ebenfalls an ihr Talent. Zu Recht, wie sich bald herausstellen sollte. Im Konservatorium Cottbus hatte Vivien jahrelang bei Marianne Baer Gesangsunterricht. Gleich nach ihren ersten öffentlichen Auftritten, wie auf dem Cottbuser Weihnachtsmarkt und in der Alten Weberei, bekam sie so viel Zuspruch und Anerkennung, dass sie fortan wusste, auf dem richtigen Weg zu sein.

Schon ein Jahr später, mit 16 Jahren, bekam sie ihre erste Auszeichnung. Vivien wurde für ihre Interpretation der damaligen Hits, wie "Herzensschöner" von Rosenstolz oder "Big big World" von Emilia, als beste Nachwuchskünstlerin ausgezeichnet. So geehrt, lud sie kurz entschlossen und ohne weiter nachzudenken das Original, Rosenstolz, ein. "Hallo Anna & Peter. Ich finde eure Musik toll… und ich möchte euch gern zu einem meiner Konzerte einladen", schrieb sie ganz unbekümmert ihren Idolen.

Dass Rosenstolz tatsächlich kommt, damit hatte sie nicht wirklich gerechnet. "Es war die größte Überraschung und mein absolutes Highlight bis dahin", blickt sie heute auf ihren Karrierestart zurück. In der Alten Weberei hörten sich Anna & Peter die "Kleene" an - und luden sie spontan nach Berlin ein. "Ich habe dann mit Peter Plate in seiner schon legendären Küche gesessen und über Musik und die Welt geplaudert. Ich war ja noch so jung und aufgeregt, fühlte mich aber in der Runde ganz schnell wohl und ging mit einem Stapel CD's und Autogrammen nach Hause", erinnert sie sich. Es folgten noch ein paar Studioaufnahmen im Rosenstolz-Studio, wo Vivien ein paar Songs einsingen konnte. Dann wurde es wieder ruhiger, Kontakte eher selten, meist nur zufällig. Bis 2008 ein Anruf des Rosenstolz-Managements kam, zehn Jahre später.

Vivien hatte inzwischen das Abitur abgelegt und eine Ausbildung zur Verlagskauffrau bei der Lausitzer Rundschau beendet. Nebenbei unterstützte sie ihre Eltern in deren Geschäft in der Cottbuser Sprem. Sie gestaltete die Werbung, verpasste dem Geschäft ein frisches Image und brachte viele neue Ideen ein. Daraus wurde inzwischen eine Festanstellung mit wachsenden Aufgaben im Managementbereich. "Dieser Job macht mir viel Spaß und lässt mir den Spielraum für mein zweites Standbein, wofür ich sehr dankbar bin". Denn ohne Musik, ohne Bühne, kann sie sich ihr Leben einfach nicht vorstellen. "Die Bühne ist für mich Leidenschaft und pure Lebenslust".

Einen entscheidenden Schub erhielt Vivien mit ihrer Band, als der besagte Anruf aus Berlin kam. "Wir wurden gefragt, ob wir nicht mit unserer Show beim offiziellen Fanklub-Treffen von Rosenstolz auftreten könnten. Das war eine große Ehre für uns. Natürlich sagten wir zu. Mit den ersten Takten hatten wir das Publikum auf unserer Seite - ein unglaubliches Erlebnis und eine tolle Erfahrung!"

Seit Jahren zieht Vivien solo, als Duo oder mit der ganzen Band durch das Land. "Wir verstehen uns auch privat sehr gut und haben zusammen immer eine Menge Spaß. Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht zusammen lachen können oder etwas Neues aushecken." Ihre Rosenstolz-Show nennen sie "Das kleine Miststück". Ihr quirliges Talent beweist sie auch bei aktuellen Disco-Hits von Frida Gold über Katy Perry bis hin zu Lady Gaga.

Ihr Soloprogramm "Goldstücke", mit Musik aus den Zwanzigern bis Fünfzigern und Titeln von Zarah Leander, Marlene Dietrich und Hildegard Knef, trifft auf ein anderes Publikum. Vivien zeigt dann, dass sie auch das drauf hat: Glamourös oder verrucht kommt sie ganz nah an die Originale heran.

Bei aller Musik und allem Erfolg ist sie eine ganz Bodenständige geblieben. Tagsüber übernimmt Vivien die leitende Funktion im Modegeschäft, nachts ist sie dann das "Kleine Miststück" und rockt über die Bühnen des Landes.

In den wenigen ruhigen Momenten trifft sie sich gern mit ihren Freunden zum Grillen oder genießt das Nachtleben beim Tanzen. Ein anderer Ausgleich, der ihr wichtig ist, ist "Amba". Mit ihr genießt sie ihre freie Zeit bei Waldspaziergängen oder Fahrten an die Seen der Lausitz. Ihre Hannoveranische Schweißhündin kann sich jetzt austoben, Frauchen wird es dann später tun. Am Abend, auf der Bühne.

Zum Thema:
Zum Konzert ist Vivien am heutigen Samstagabend auf dem Festplatz in Burg zu sehen. Das Konzert beginnt um 19.30 Uhr.Wer mehr über Vivien Gstrein erfahren möchte, kann im Internet nachlesen: www.vivien-music.de