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| 16:58 Uhr

Zeitgeschichte
Gilde will Mahnmal wieder errichten

Historisches Foto des Mahnmals.
Historisches Foto des Mahnmals. FOTO: Schützengilde zu Lübbenau 1655/1 / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Lübbenau. Ausstellung 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs soll in Lübbenau Diskussion anstoßen.

Auf dem Außengelände des Lübbenauer Bauhofs lagern die vier Bruchstücke seit Jahren weitgehend unbeachtet. Dabei waren sie einmal Teil eines Kriegerdenkmals, das sich auf dem Kirchplatz der Altstadt fünf Meter stolz in die Höhe reckte. Einen verwundeten Soldaten mit Kopfverband darstellend, der eine Fahne hochhält, Seitengewehr trägt und Patronentaschen. Siegfried Stadelmayer, Mitglied der Lübbenauer Schützengilde, hat in seinem Archiv historische Fotos des Denkmals – sowie auch neuere Fotos von den Bruchstücken. Und er hat viel Material gesammelt zur bewegten Geschichte der Skulptur.

1934 erst, zwanzig Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs, in dem 159 Mitglieder der Lübbenauer Schützengilde in jungen Jahren an der Front grausam zu Tode gekommen sind, wurde es errichtet. Obwohl, wie Stadelmayer recherchiert hat, von den Lübbenauern genug Geld für ein Denkmal gespendet wurde. Der Wert verfiel jedoch schnell durch die damalige Inflation.

Das wuchtige Mahnmal überstand den Zweiten Weltkrieg. 1946 meißelte ein Steinmetz Gewehr sowie Patronentaschen ab und arbeitete in die Fahne den Schriftzug „Nie wieder Krieg“ ein. Viel schlimmer kam es für das Denkmal 1962. Als auf dem Marktplatz eine Häuserzeile abgetragen wurde, riss man das Denkmal gleich mit um, berichtet der Lübbenauer. Vier große Bruchstücke fanden sich Jahre später beim Bau des Busparkplatzes in der Dammstraße. Auf dem Sockel des Kriegerdenkmals fand vorübergehend die Postdistanzsäule ihren Platz.

In der Lübbenauer Schützengilde will man das Mahnmal wieder errichten lassen. Das wurde nicht nur beschlossen. Die Schützen bildeten eine Arbeitsgruppe unter Leitung Siegfried Stadelmayers, die sich diese Bezeichnung wohl auch verdient hat. Denn es wurde in Archiven geforscht, namhafte Historiker wie Jörg Friedrich befragt über Sinn und Notwendigkeit eines Denkmals für Gefallene des Ersten Weltkriegs in heutiger Zeit. Die Lübbenauer informierten sich zudem in Umlandgemeinden, in denen es solche Erinnerungsstätten gibt. Sogar Kostenvoranschläge hat sich die Gilde eingeholt von Steinmetzunternehmen in Deutschland und Polen.

Wobei man in der Gilde, sagt Stadelmayer, die alte Inschrift gut findet, die mit dem Satz beginnt: „Gibt euren Toten Heimrecht, ihr Lebendigen, dass wir unter euch wohnen und weilen dürfen in dunklen und hellen Stunden.“ Außerdem ausdrücklich gewollt sei, das Bauwerk – ob wieder zusammengesetzt aus alten Bruchstücken oder neu hergestellt – am alten Platz neben der Kirche zu errichten. Reden ließe man mit sich, was die Gestaltung betrifft. Das Denkmal müsste nicht wieder so groß werden, es bräuchte nicht unbedingt einen Sockel wie damals, sagt Stadelmayer. Nur auf das christliche Kreuz als Grundform bestehe die Gilde. Der Soldat könnte eher dezent eingearbeitet werden.

Im Rathaus, so der AG-Leiter, begegnete der Bürgermeister dem Anliegen mit Zurückhaltung. Man solle nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen, zunächst mit Bürgerbeteiligung über das Vorhaben diskutieren. Den Vorschlag Helmut Wenzels (parteilos), daher eine Ausstellung im Rathaus zu zeigen 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs, fand bei den Schützen Zustimmung. Mit dem Projektbüro Lübbenaubrücke habe man einen Partner, der Erfahrung mit Ausstellungen hat. Exponate, das wurde in Geprächen mit Michael Hensel von der Lübbenaubrücke schon besprochen, könnten unter anderem die vier Bruchstücke sein. Die Gilde stellt aber auch Feldpostbriefe der im Ersten Weltkrieg gestorbenen Schützen zur Verfügung und weiteres Material.

Michael Hensel seinerseits ist in Kontakt mit dem Bundesarchiv, um an Fotos aus der damaligen Zeit zu kommen. Über den Aufbau der Ausstellung, die im November eröffnet werden soll, haben sich beide Partner auch schon verständigt, sagt er. Rückblickend betrachtet werden soll der Zeitraum zwischen den 1960er-Jahren als das Denkmal abgerissen wurde und dem Attentat in Sarajevo auf den Thronfolger Österreich-Ungarns im Juni 1914, was der Ursprung der Katastrophe war.