(uhd) 30 Eltern zog es in den Musikraum des Carl-Anwandter-Hauses, um einem Vortrag von Dr. Thomas Winkler zu lauschen. Der Facharzt der Psychiatrischen Institutsambulanz in Finsterwalde folgte einer Einladung der Grund- und Oberschule, die Elternsprecherin Melanie Gierach eingefädelt hatte. Schwerpunkt des Vortrages mit Diskussionsrunde bildete das Thema Mobbing. „Zu DDR-Zeiten wussten wir gar nicht, dass es diesen Begriff überhaupt gibt“, räumte Thomas Winkler ein. Heute sei keine Schule davor gefeit, so der im Elbe-Elster-Klinikum tätige Facharzt für forensische Psychologie. Die findet im Rahmen von Gerichtsverfahren Anwendung, wo der Psychologe an Jugendgerichten Gutachten erstellt, aus denen Rückschlüsse für Schuldfähigkeiten gezogen werden können. „Das Thema Mobbing spielt dort oft eine wesentliche Rolle“, so Winkler.

Oft beginne es mit kleinen Gemeinheiten, dem Provozieren von Opfern, um diese lächerlich zu machen, bis hin zu Beschimpfungen oder Gewalt. „Opfer sind meist Kinder mit Unsicherheiten, geringem Selbstbewusstsein oder anderen Schwächen, wie fehlender Schlagfertigkeit. Trainieren sie diese mit ihren Kindern“, appellierte der Psychologe an Beispielen.Dem verbalen Vorwurf: „Du bist doch behindert“ könne etwa mit einem „Ja, und das seit meiner Geburt“ gekontert werden. Thomas Winkler räumt ein, dass es immer Schüler geben wird, die sich nicht mögen. Umso wichtiger sei es, frühzeitig Signale zu erkennen, um Konflikten entgegenzuwirken. Sonst drohten Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Bauch- und Kopfschmerzen, verlorengegangenes Selbstvertrauen und sogar Suizidversuche.

„Probleme können sich bis ins Erwachsenenalter hineinziehen“, mahnte er. Auch gelte es herauszufinden, ob Kinder und Jugendliche eine Täter-, eine Opfer- oder eine Täter-Opferrolle einnehmen. Letztere tritt ein, wenn Betroffenen Gemeinheiten widerfahren, diese aber auch selbst austeilen. Eltern, Schule und Kinder müssten gemeinsam nach Lösungen suchen. Es sei ein Trugschluss, darauf zu hoffen, dass Ruhe einkehrt, wenn Täter oder Opfer die Klasse wechseln, so Thomas Winkler.

Mobbing könne ein ganzes Klassengefüge sprengen, mahnte er. Eine Schlüsselrolle komme jener Personengruppe zu, die unbeteiligt zuschaut. „Wegschauen verstehen Täter als Billigung ihres Verhaltens“, so Thomas Winkler. Erschwerend komme hinzu, wenn diese in Familien mit aggressivem Grundmilieu aufwachsen. Kaum einen der 30 Zuhörer wunderte es, dass insbesondere Eltern mit auffälligen Kindern der Veranstaltung fernblieben.

Auf die Frage, in welchem Alter man sich mit dem Nachwuchs an das Thema Mobbing herantasten soll, entgegnete der Psychologe: „Als Eltern sind Sie immer gefragt. Von der Kita-Zeit, bis in die Pubertät.“ Tunlichst sollte vermieden werden, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. „Ersparen sie sich den Satz: „Warum hast du dich nicht gewehrt“, so Winkler, der die Veranstaltung mit Empfehlungen abschloss. Als besonders unterstützend gelte die Arbeit mit dem Smob-Fragebogen. Er könne im Internet kostenfrei heruntergeladen werden.