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Gesungen, gelacht und getaucht

Der Gemischte Chor Melodia Vetschau gratulierte mit Liedern – passend dazu das Bühnenoutfit: Bademode aus den Anfangszeiten des Bades.
Der Gemischte Chor Melodia Vetschau gratulierte mit Liedern – passend dazu das Bühnenoutfit: Bademode aus den Anfangszeiten des Bades. FOTO: P. Becker/peb1
Vetschau. Passender konnte das Badjubiläums-Wetter kaum sein: Luft 28 Grad, Wasser 21 Grad Celsius und dazu makellos blauer Himmel. Schwimmmeisterin Birgit Schmied freute sich über die Besucher – und über ihr 30-jähriges Dienstjubiläum. Peter Becker / peb1

Fast jeder gebürtige Vetschauer hat in diesem Bad das Schwimmen gelernt und fast alle bei Birgit Schmied, zumindest die Jüngeren. Seit 30 Jahren ist sie Schwimmmeisterin und damit die Dienstälteste des Bades, füllt ein Drittel der Badgeschichte aus. In ihrer langen Dienstzeit hat sie auch zahlreiche Dokumente und Utensilien gesammelt, die nun in der Museumsstube des Bades gezeigt werden. Darunter ein Einlassschild aus den Anfangsjahren: "Eintritt 20 Pfennig - bei Nichteinhaltung Badeverbot für die Saison", heißt es da beispielsweise. Auch das Programm zur Eröffnung am 22. Mai 1927 liegt vor. Ein Programmpunkt nach der Bad eröffnung war für die Ehrengäste eine "Fahrt in den Spreewald mittelst Kraftwagen". Gebaut wurde das Bad mithilfe von Fördermitteln und mit der Verpflichtung, Erwerbslose zu beschäftigen.Mit seinen 1250 Quadratmetern und den 50-Meter-Bahnen gilt es als die größte "Badewanne" der Niederlausitz, allerdings wohl eher wegen des auf den Beckenboden gesprühten riesigen Stöpsels.

Zum "90." hatten sich die Stadtoberen ein unterhaltsames Programm einfallen lassen - und das bei freiem Eintritt. Der Freitagnachmittag galt eher den Senioren, manche kamen sogar mit dem Rollstuhl in "ihr" Bad.

Das Samstagsprogramm wurde größtenteils von den Vereinen gestaltet. Tauchsportler aus der Sportvereinigung Blau-Weiß 90 Vetschau führten einen Schnuppertauchkurs vor. Über ein Dutzend Kinder wollten von Olaf Mietke und Peter Hielscher in die Unterwasserwelt eingeführt werden. Die erste Mutige war die zwölfjährige Regina Gutar: "Es war schon komisch, unter Wasser Luft zu holen, aber dann hat es irre Spaß gemacht", erzählte sie vor Aufregung leicht bibbernd. Alexander Meier aus Koßwig stand am Beckenrand, seine Tochter Stella (6) war noch etwas unentschlossen: Soll ich tauchen oder nicht? Mama Anne-Kathrin Klitschmann riet ihr zu, ebenso ihr Papa. "In diesem Bad habe ich als Schüler Schwimmen gelernt", erzählte Alexander Meier. Tochter Stella hat schon vor zwei Jahren im Rahmen eines Kita-Projekts hier die Schwimmprüfung abgelegt. Er hält dem Bad seit Jahren die Treue, auch wenn er mal ab und zu nach Calau fährt, weil dort mehr "Spaßmöglichkeiten" sind.

Auf der Bühne, technisch betreut von Lutz Petrick, läuft inzwischen das Programm weiter. Der Gemischte Chor Melodia trat mit einem Liederrepertoire auf, das in weiten Teilen dem Baden und dem Spaß daran gewidmet war. Erika Netzeband begrüßte die Gäste: "Fast alle von uns kennen das Bad aus Kindertagen, wir haben hier schöne Stunden verlebt und gratulieren nun mit unseren Liedern." Dem Chor folgten die Jazzy-Teens, die in praller Sonne ihre Tänze und Choreografien rockten.

Im Umfeld der Liegewiese gab es kühle Getränke. Die Klasse 9a der Oberschule hielt leckere alkoholfreie Fruchtbowlen bereit. "Wir sammeln für unsere Abschlussfahrt im nächsten Jahr", war aus ihrer Mitte zu hören.

Birgit Schmied hatte den Überblick über das Geschehen und freute sich so ganz nebenbei über ihre Geschenke, die sie überreicht bekommen hatte. Für sie beginnt wieder der Bademeisteralltag: Täglich von 13 bis 20 Uhr, am Wochenende schon ab 10 Uhr, bei schönem Wetter auch länger.