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Geschaffen aus heimischen Klinkern

Joachim Siegert ist Stammesältester von Buchwäldchen, im Dorf geboren und Ortschronist. Viele werden ihn auch als Vorsteher des Bahnhofes Calau kennen, den er mehr als 20 Jahren leitete.
Joachim Siegert ist Stammesältester von Buchwäldchen, im Dorf geboren und Ortschronist. Viele werden ihn auch als Vorsteher des Bahnhofes Calau kennen, den er mehr als 20 Jahren leitete. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Buchwäldchen. Der Oberspreewald-Lausitz-Kreis hat 1200 Quadratkilometer Fläche. Er ist Heimat für 114 000 Einwohner, die in neun Städten, 32 Gemeinden und deren Ortsteilen leben. Doch wer sind die Nachbarn? Die RUNDSCHAU geht auf Kreis-Reise. Station heute: Buchwäldchen (Amt Altdöbern). Uwe Hegewald / uhd1

Sie gehören irgendwie zusammen - das Dorf Buchwäldchen (Gemeinde Luckaitztal) und die Ziegelei. Zahlreiche Gebäude im Ort sind mit den Ziegeln des noch heute produzierenden Klinkerwerkes (Wienerberger) errichtet worden. Fotos vom Bau des Feuerwehrgerätehauses (1937) und sogar Skizzen und Baupläne von der Friedhofskapelle befinden sich im Fundus von Joachim Siegert. Der Grund: Seine Vorfahren - Bauunternehmer August Siegert und dessen Sohn Wilhelm Siegert - hatten die Kapelle entworfen und mit einheimischen Bauleuten sowie mit Ziegeln aus der Region erbaut. "1896 war das. Wenige Jahre nach dem Anlegen des Friedhofes aufgrund eines Todesfalles der damaligen Gutsbesitzerfamilie von Wolf", berichtet Joachim Siegert. Zuvor mussten die Einwohner von Buchwäldchen ihre Angehörigen im zehn Kilometer entfernten Calau bestatten und die Strecke in der Regel zu Fuß oder auf einem Pferdewagen zurückliegen, so der "stammesälteste" männliche Bürger von Buchwäldchen.

Im Inneren des Klinkerbaus zieht ein Altarbild (Triptychon) die Blicke auf sich. Das realistische Altargemälde des Berliner Künstlers Karl Spilling zeigt Christus bei einer Bergpredigt. Kurios: Bei den Menschen, die Jesus zuhören, soll es sich stellenweise um Personen handeln, die zur Entstehungszeit des Altarbildes in Buchwäldchen gelebt haben. Mit großer Wahrscheinlichkeit Persönlichkeiten, die sich für dörfliche Belange starkgemacht haben. Wie Joachim Siegert erzählt, leben auch heute "Architekten" im Dorf, die aus der Menge hervortreten. Den früheren stellvertretenden Landesbranddirektor Wolfgang Mußlick nennt er, den aktiven wie anerkannten Umweltexperten, Wasser- und Naturschützer Hans-Joachim Emmrich oder den amtierenden Ortsvorsteher Klaus-Dieter Jank.

Der kann die Liste derer, die stellvertretend für die "Kümmerer" im Dorf stehen, beliebig fortsetzen: Wilfried Lohmann, der immer zur Stelle ist, wenn technische Hilfe benötigt wird, Detlef Hiekel, Züchter und Halter von seltenem Wassergeflügel und mit einem Kooperationsvertrag mit dem Tierpark Cottbus, oder Frank Sonntag, Vorsitzender der Kleingartensparte "Am Park". Dass ein Dorf über eine Schrebergarten-Anlage verfügt, hat einen Hintergrund, der wiederum mit dem benachbarten Ziegelwerk in Zusammenhang steht. "Um Wohnraum für die Mitarbeiter im Klinkerwerk zu schaffen, sind Ende der 1960er-Jahre drei Wohnblöcke errichtet worden. Eine Gartenanlage entstand nur wenige Schritte von den Wohnblöcken entfernt", berichtet Joachim Siegert, der sich in Buchwäldchen als Ortschronist verdient macht. Im Dorf geboren und aufgewachsen widerstand er dem Ruf der Klinkerindustrie und heuerte bei der Deutschen Reichsbahn an. "Vater war bereits Eisenbahner und der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Stamm", erklärt er.

21 Jahre war Joachim Siegert Leiter des Bahnhofes Calau mit seinerzeit bis zu 134 Mitarbeitern. Mit einem Augenzwinkern bemerkt er, dass zu Hause mit Ehefrau Bärbel und zwei Töchtern die Frauen das Zepter in den Händen hielten. Dank seiner Infrastruktur, dem parkähnlichen Gelände, einer Bahnhaltestelle, Gartenanlage, Lehmanns Gasthaus, freiwilliger Feuerwehr, Buswendeplatz sowie einer rollenden Versorgungsflotte vom Bäcker bis zum Eismann hat Buchwäldchen alles, was ein Lausitzer Dorf benötigt. Hinzu kommt die idyllische Lage - umringt von den Naturschutzgebieten (NSG) Teichlandschaft Buchwäldchen-Muckwar und dem NSG Calauer Schweiz und eingebettet im Naturpark Niederlausitzer Landrücken. "Buchwäldchen war mal die schönste und beste Gemeinde im gesamten Kreis Calau überhaupt", betont Joachim Siegert. Dass ein Wohnblock im zurückliegenden Jahr abgerissen wurde und die Gartensparte nach neuen Pächtern Ausschau hält, machen Buchwäldchener auch an den Entwicklungen im benachbarten Klinkerwerk fest.

Geblieben sind Erinnerungen von beträchtlichen Personengruppen, die zur Schicht ins Ziegelwerk zogen und von rauschenden Dorffesten mit attraktiven Bühnenprogrammen - seinerzeit kofinanziert durch das Werk, als es noch ein Volkseigener Betrieb (VEB) war. Doch die Blicke sind nach vorn gerichtet.

Mit einem markanten Aussichtsturm bekommt die Calauer Schweiz ein neues Wahrzeichen. Ein langlebiger Massivbau mit Klinkersteinen soll errichtet werden, so sehen es Planungen vor. Buchwäldchener, Luckaitztaler aber auch Calauer hoffen, dass sich das produzierende Werk seiner Tradition bewusst wird, für die benötigten Klinker ein unschlagbares Angebot unterbreitet und sich somit selbst ein eigenes Denkmal setzt.

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Zum Thema:
Der Ort Buchwäldchen im Amt Altdöbern zählt aktuell 161 Einwohner. Nach Bezug der Wohnblöcke schnellte die Einwohnerzahl im Jahr 1971 mit 322 Personen nach oben. Im Jahr 1990 waren es dann nur noch 283 Frauen Männer und Kinder, die im Dorf lebten. Zampern, Maibaumaufstellen, Osterfeuer und Seniorenweihnachtsfeiern zählen zum festen Programm im Dorf, das zudem auch über eine aktive Frauensportgruppe verfügt.