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| 17:13 Uhr

Traditionen im Spreewald
Geruchlos, aber scharf: Meerrettich

Dirk Richter (l.) stellt sein Wurzelgemüse vor, das gegenwärtig bei klein Klessow geerntet wird.
Dirk Richter (l.) stellt sein Wurzelgemüse vor, das gegenwärtig bei klein Klessow geerntet wird. FOTO: Uwe Hegewald
Klein Klessow. Der Spreewaldverein hat zum Erntestart an den Feldrand bei Klein Klessow eingeladen. Der Anbau und die Ernte des Wurzelgemüses sind arbeitsintensiv und haben im Spreewald Tradition.

Der Anbau von Meerrettich hat im Spreewald Tradition. „Das war schon in den 1980er Jahren so. Nach der Wende habe ich als 20-Jähriger den Anbau wieder intensiviert“, berichtet Dirk Richter auf der Meerrettich-Pressekonferenz am Donnerstag. Imitiert wurde das Stelldichein am Feldrand von Landwirten, Verarbeitern, Fach- und Presseleuten von dem in Lübben ansässigen Spreewaldverein.

Wie Geschäftsführerin Melanie Kossatz mitteilt, habe der Verein als Träger der Schutzgemeinschaft „Spreewälder Meerrettich mit geschützter geografischer Angabe (g.g.A.) besonderes Interesse, das Wurzelgemüse ins Gespräch zu bringen. Meerrettich ist geruchslos, wird er jedoch geschnitten oder gerieben, verströmt die Wurzel einen stechenden und zu Tränen reizenden Geruch. Das mag nicht jeder, sollte aber kein Grund sein, die Pflanze gänzlich aus der heimischen Küche zu verbannen.

Michael Petschick vom Biosphärenreservates Spreewald verweist auf die Fülle wertvoller Inhaltsstoffe, wie etwa das Vitamin C. „Nicht umsonst wird Meerrettich auch als Zitrone des Nordens bezeichnet“, so der Referent Gebietsentwicklung und nachhaltige Landnutzung. Wir begrüßen es, wenn Landwirte der genügsamen Kulturpflanze ihre Aufmerksamkeit schenken, betont er. Entsprechende Bereitschaft und Eifer seien Voraussetzung, um dauerhaft bei der (Meerrettich-)Stange zu bleiben. „Anbau und Ernte sind arbeitsintensiv. Zum Glück haben wir noch ältere Semester, die sich die Zeit nehmen“, sagt Dirk Richter.

Inzwischen ist die Zahl der Meerrettich-Bauern in der Spreewaldregion auf unter zehn Produzenten gesunken. Mit rund zwölf Hektar Anbaufläche gilt der Spreewaldgemüsebauer Mich (Klein Radden) als „Meerrettich-Mogul“ in der Region. Dirk Richter bewirtschaftet am Ortsrand von Klein Klessow zwei Flächen. „Derzeit wird auf einem 1,2 Hektar großen Schlag geerntet. Bereits abgeschlossen ist die Ernte auf unserem 0,4 Hektar großem Feld auf dem Original Spreewald-Meerrettich heranwächst“, erzählt er.

Stolz klingt in seinen Ausführungen mit. Weisen doch einzelne Stangen ein Gewicht von bis zu einem Kilogramm auf. Eine rüstige Seniorengruppe putzt die Stangen und bündelt junge Triebe zu einem Schock (60 Stück), die im kommenden Jahr in den Boden kommen.

Auf Richters Acker sind die Gegebenheiten besonders gut. Marko Belaschk weiß: „Die Bodenqualität ist letztendlich für den Geschmack verantwortlich.“ Für den Geschäftsführer der RABE Spreewälder Konserven GmbH & Co. KG ist das ein wichtiges Kriterium. Im Boblitzer Betrieb werden die Stangen weiterverarbeitet, deren Produkte sich einer langsam wachsenden Beliebtheit erweisen. „Hauptabsatzgebiet ist Ostdeutschland, nach und nach bekommen wir aber auch in den alten Bundesländern immer häufiger einen Fuß in die Türen“, skizziert Marko Belaschk die Marktsituation.

Rund 16 Hektar umfasst die Anbaufläche im Wirtschaftsraum Spreewald mit einem Ertrag von rund 15 Tonnen pro Hektar. Spreewaldrabe ist Hauptabnehmer, kauft aber auch aus dem Meerrettich-Anbauland Nummer I, Ungarn, Stangen des zu den Kreuzblütengewächsen zählenden Gemüses/Gewürzes hinzu.

Für den im Spreewald angebauten Meerrettich spricht der Frischevorteil. Frostunempfindlich können die Stangen bis im Frühjahr im Erdreich bleiben. „Der Boden ist die beste Lagerung für die Stangen, da kann keine Kühlzelle mithalten“, erklärt Marko Belaschk. Dirk Richter streitet das nicht ab, dennoch ist der Klessower Landwirt bemüht, seine Erträge in einem „Guss“ vom Feld zu bekommen.

In diesem Jahr rechnen die Spreewälder mit einem Ertrag 240 Tonnen Wurzelstangen gerechnet.
In diesem Jahr rechnen die Spreewälder mit einem Ertrag 240 Tonnen Wurzelstangen gerechnet. FOTO: Andreas Traube