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| 15:00 Uhr

Calauer Stadtverordnete votieren für Abschuss
Gefundenes Fressen für Wolfsgegner

Wolf Fernrohr
Wolf Fernrohr FOTO: dpa
Calau. Stadtverordnete beschließen Calauer Erklärung. Tier soll künftig geschossen werden können. Von Rüdiger Hofmann

Paukenschlag in Calau: Die Stadtverordneten haben sich am Mittwochabend mehrheitlich für einen künftigen Abschuss von Wölfen ausgesprochen. In der Beschlussvorlage heißt es – etwas harmloser formuliert: „Erklärung der Stadt zur wolfsfreien Zone“. Die Vorlage eingebracht hatte die CDU-Fraktion zunächst im Bau- und Finanzausschuss vor zwei Wochen als „Willensbekundung gegenüber dem Land“. Vergangene Woche ging sie durch den Hauptausschuss, nun erfolgte das Votum in der Stadtverordnetenversammlung.

Für den Antrag stimmten neun Abgeordnete von CDU und Ländlicher Wählergemeinschaft (LW), dagegen waren fünf (aus Die Linke und SPD). Zwei Stadtverordnete enthielten sich der Stimme, darunter Bürgermeister Werner Suchner (parteilos). Norwin Märkisch (CDU) hatte zuvor eine namentliche Einzelabstimmung beantragt.

In der Erklärung fordert die Stadt Calau die Brandenburger Landesregierung auf, ihr Gebiet im Wolfsmanagementplan als eine „nicht zur Besiedlung durch den Wolf geeignete Zone“ auszuweisen. „Öffentliche Interessen wie der Schutz der Bevölkerung, die unbeschwerte Nutzung der offenen Landschaft für Tourismus und Naherholung und die ausgeprägte natur- und artgerechte Weidetierhaltung in Calau und den Ortsteilen stehen dem entgegen“, heißt es weiter.

Im Antrag stellt die CDU-Fraktion vor allem drei Punkte in den Vordergrund: Brandenburg soll sich zunächst gegenüber dem Bund dafür einsetzen, den strengen Schutz des Wolfes auf europäischer Ebene zu lockern. „Der Wolf ist nicht mehr vom Aussterben bedroht“, so die Calauer CDU. Außerdem müsste der Wolf mit Jagdzeiten und Abschussquoten ins Jagdrecht aufgenommen werden, so die CDU. Und drittens sollten auf Landesebene alle heute bereits zulässigen Mittel ausgeschöpft werden, um die Zahl der Wölfe zu reduzieren. „An Viehweiden müssten Tierhalter und Jäger das Recht bekommen, angreifende Wölfe zur Gefahrenabwehr zu töten“, heißt es im Beschluss.

Der Wolf hat seine früheren Lebensräume wieder in Besitz genommen. Durch ihn werden neue Schutzkriterien für Weidetiere – wie höhere Zäune mit mehr Litzen und höherer Spannung – erforderlich. „Das könnte für die Stadt Calau den Aufbau vieler Festzäune bedeuten und die Landschaft drastisch verändern“, so die Begründung der CDU-Fraktion. Daher sollte auf die flächendeckende Ansiedlung der Wölfe im Calauer Stadtgebiet und seinen Ortsteilen verzichtet werden.

Die Beschlussvorlage wurde am Abend heiß diskutiert. „Ich verstehe die Sorgen der Landwirte, aber durch die Vorlage wird klar Angst geschürt“, sagt Mario Dannenberg (Die Linke). Entgegen der Beschlussvorlage sei der Wolf laut seiner Auffassung vom Aussterben bedroht. „Wolfsschutz ist auch Naturschutz.“ Dannenberg zweifelt an der Wirksamkeit der Erklärung. „Die Landesregierung unternimmt doch gar keine Anstrengungen, den Wolf hier anzusiedeln“, so der Abgeordnete. „Und dass Leute für einen Abschuss legitimiert werden sollen, ist nicht gesetzeskonform“, so Dannenberg. „Dann könnten wir auch beschließen, dass es morgen keine Wespen mehr geben soll“, sagt Dannenberg, der zugleich auch Vorsitzender des Calauer Imkervereins ist.

Durch aktuelle Reproduktionsnachweise im laufenden Wolfsjahr (2018/2019) hat sich die Zahl der bekannten Rudel inzwischen auf 29 im Land Brandenburg erhöht, wie das Landesamt für Umwelt bestätigt. Peter Schollbach (LW), selbst Landwirt, will nicht, dass der Wolf ausgerottet wird, „aber können wir uns diese Zahl an Wölfen noch leisten?“ Schollbach macht noch auf einen anderen Aspekt aufmerksam. „Wenn es einen Riss gab, muss dem Landwirt nachgewiesen werden, dass der Riss nicht vom Wolf stammt. Die Beweislast muss also umgedreht werden.“ Mit der Erklärung würde man in Calau ein Zeichen setzen, dass man mit der jetzigen Politik nicht einverstanden sei.

André Bareinz (SPD) empfindet es als „brachiale Lösung, den Wolf ins Jagdrecht aufnehmen zu wollen“, wie es in der Beschlussvorlage gefordert wird. Matthias Kurth (CDU) mahnt bei aller emotionalen Debatte zur Sachlichkeit. „Wenn wir auf einige Nachbarländer schauen, so ist der Wolf dort teilweise bereits ins Jagdrecht aufgenommen.“ Und Roswitha Reiche (LW) bringt noch einmal den nicht zu unterschätzenden Faktor Angst ins Spiel. „Der Wolf hat kaum noch Nahrung. Es herrscht mehr Angst, als wir alle wissen. Und wenn nicht irgendjemand aufsteht, werden wir nie etwas bewegen“, so Reiche.