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| 18:43 Uhr

„Wir helfen“
Gefangen, verkauft und einem guten Zweck gedient

Jenny Koch von der Hotelanlage Starick übergibt die Hausspende in Höhe von 300 Euro zugunsten des Lausitzer Spendenvereins „Wir helfen“.
Jenny Koch von der Hotelanlage Starick übergibt die Hausspende in Höhe von 300 Euro zugunsten des Lausitzer Spendenvereins „Wir helfen“. FOTO: Peter Becker
Lehde. Fischfang des Tages wird in Lehde für den Verein „Wir helfen“ versteigert – 1000 Euro kommen zusammen. Von Peter Becker

Dem Monatsnamen nach schon, aber den Temperaturen nach eher nicht, ist dieser Oktober zum Fischfang geeignet. Traditionell waren es immer die Monate mit dem „r“ im Namen, weil es dann üblicherweise kühler war und sich der Fisch länger hielt. In Zeiten der Kühlschränke und -truhen ist das heute eher weniger von Bedeutung. Mit ihren Fischkästen hatten die Spreewälder auch schon früher die Möglichkeit, Fische länger und lebend aufzubewahren. Dieser Oktobe„r“ entpuppt sich als fast überdurchschnittlicher Sommermonat – aber mit dennoch sehr beachtlichen Fangergebnissen.

Vom 1. Oktober bis 11. November bieten jährlich zahlreiche Gasthäuser und touristische Anbieter in Lübbenau, Lübben und Burg verschiedene Gelegenheiten, dem Spreewälder Fisch auf besondere Weise zu begegnen. Es werden Kahnfahrten mit einem echten Spreewälder Fischer organisiert und kulturelle und kulinarische Abende mit typischen Fischgerichten durchgeführt. In der Lehder „Quappenschänke“ fand als eine der Maßnahmen im Rahmen der Fischzeit der Verkauf des Fanges statt. Der Erlös kommt der Aktion der RUNDSCHAU „Wir helfen“ zugute, die in Not geratene Menschen in der Region unterstützt.

Der Leiper Fischer Herbert Konzack bereitet die Fische unter den Augen der Zuschauer zum Verkauf vor.
Der Leiper Fischer Herbert Konzack bereitet die Fische unter den Augen der Zuschauer zum Verkauf vor. FOTO: Peter Becker

Begleitet von der Musik der „Fröhlichen Hechte“ kam Fang an Fang aus den Kähnen an Land. Er wurde gewogen und gemessen, und danach zügig fachgerecht zwischengehältert, um den Tieren nicht unnötige Qualen zuzufügen. Der Verband der Spreewaldfischer aus Lübbenau und Umgebung e.V. beteiligte sich an der Aktion. Insgesamt 22 Fischer in neun Kähnen waren seit dem frühen Morgen unterwegs, hatten Netze gestellt und gegen das anschwimmende Laub gekämpft.

Fischer Gerhard Klausch aus Zerkwitz: „Ich werde wohl noch Tage zu tun haben, das Laub aus den Netzen zu entfernen. Aber ich bin durchaus gut entschädigt worden, mein Hecht ist 74 Zentimeter lang und stellt heute den Tagesrekord dar!“ Er ist sichtlich stolz darauf und verweist auf seine über 50-jährige Erfahrung als Spreewaldfischer. Ein weiterer Rekordfisch des Sonntags war ein etwa ein Meter langer Wels. Der Berliner Willi Splitt legte 50 Euro dafür in die Box und machte sich zügig auf den Rückweg in die Hauptstadt. „Heute Abend laden wir Freunde ein, und es gibt den frischesten Fisch aus dem Spreewald, den es je geben kann“, sagte er freudestrahlend auf dem Weg in Richtung Auto.

Große Hechte und Barsche und weitere Edelfische, darunter die seltenen Zander und Rapfen, kamen auf den Schlachttisch und letztlich in die Tüten der Käufer. Dicht gedrängt verfolgten sie das Geschehen, bis „ihr“ Fisch auf dem Tisch zappelte. Insgesamt 98 Kilogramm Edelfisch und zahlreiche Weißfische, die zu einem echten Spreewaldfischgericht gehören, fanden so ihren Absatz. Die Lübbenauerin Roswitha Schier war die erste Käuferin, den Preis rundete sie auf 20 Euro auf. Der Senftenberger Harry Petzold folgte ihrem Beispiel. „Meine Fische kommen alle in die Räucherkammer – es gibt nichts Besseres als frisch geräucherten Spreewaldfisch“, sagt er und freute sich über eine große Tüte voller Edelfische. Alle Einnahmen kamen in die „Wir helfen“-Spendenbox, die die Geschäftsführerin der Lübbenauer Touristinformation, Caroline Fürll, beaufsichtigte. Jeannette Starick von der gleichnamigen Hotelanlage legte zu Beginn des Verkaufs 300 Euro in die Box, die Fischer legten zu den 712 Euro aus dem Verkauf noch 288 Euro hinzu, sodass insgesamt stolze 1000 Euro für den Verein „Wir helfen“ überwiesen werden können.

Der Verband der Spreewaldfischer aus Lübbenau und Umgebung e.V. ist 121 Mitglieder stark, wie vom Vorsitzenden Andre Schneider zu erfahren war. Zu den wichtigsten Aufgaben der Fischer zählt die Hege und Pflege des Fischbestandes auf 450 Hektar Spreewaldgewässer.

Als Besonderheit sei erwähnt, dass der Fischfang in der touristischen Hochsaison eher ruht und den Herbst- und Wintermonaten vorbehalten bleibt. Sie betreiben vorrangig die „Kochtopffischerei“ für den Eigenbedarf, Überhänge dürfen auch den Spreewaldgaststätten angeboten werden. Die von den Touristikern ins Leben gerufene Spreewälder Fischzeit gilt als Auftaktveranstaltung für die jährliche Fangsaison.

Weitere Fotos von der Veranstaltung finden Sie hier.