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| 17:17 Uhr

Umstrittenes Vorhaben
Gefahr für den Wotschofskaweg?

 Radtouren und Wanderrouten - wie hier der Wotschofskaweg - sollen attraktiver und vielfältiger werden und zum Entdecken und Entspannen über mehrere Tage einladen.
Radtouren und Wanderrouten - wie hier der Wotschofskaweg - sollen attraktiver und vielfältiger werden und zum Entdecken und Entspannen über mehrere Tage einladen. FOTO: gloamann jan
Lübbenau. Gegen die geplanten Brückenschieber-Stahlkonstruktionen für den idyllischen Wanderpfad in Lübbenau regt sich massiv Widerstand. Von Daniel Preikschat

Auf dem „Rad-statt-Auto“-Flyer der Stadt Lübbenau sieht der so genannte Brückenschieber noch recht filigran aus. Wie ein Schlepplift für Skifahrer. Dank der attraktiven und einzigartigen Konstruktion sollen, wie es weiter heißt, selbst schwere Räder neben Stufenbrücken komfortabel über die Fließe hinübergeschoben werden können. Den Flyer, der auch über die zwei anderen „Rad-statt-Auto-Projekte“ Radschober und Räderauswahl informiert, gibt es schon länger. Es wurde an der Entwicklung des Brückenschiebers gearbeitet, aber nur eher beiläufig in Ausschussitzungen oder bei Stadtforen über den Stand der Projekte, die vom Bund gefördert werden, informiert. Die breite Öffentlichkeit nahm kaum Anteil.

Mittlerweile ist das anders. Denn es wurde bekannt, dass die Fahrradtransportgeräte an den Stufenbrücken des Wotschofskawegs montiert werden sollen. Bereits im Frühjahr dieses Jahres soll das erste Bauwerk errichtet werden. Außerdem scheint die Konstruktion massiver und größer zu geraten als von vielen Spreewaldstädtern anfangs vermutet. Was die Lübbenauer Malerin Simone-Brüggemann-Riemer veranlasst hat, der RUNDSCHAU einen Leserbrief zum Thema zuzusenden, der viele Reaktionen ausgelöst hat. Auf Facebook schlossen sich eine Reihe von Usern ihrer Meinung an: Die Stahlgerüst-Konstruktionen passen nicht zu dem idyllischen Wanderpfad entlang der Fließe durch den Spreewald. Er eigne sich nicht als viel befahrene Radstrecke. Zumal der Weg durch die Schieberanlagen gerade auch älteren Nutzern schwerer E-Bikes erschlossen werden soll.

Diese Woche sprach sich Simone Brüggemann-Riemer auch im Hauptausschuss gegen den geplanten Brückenschieber-Ausbau aus. Und nicht nur sie. Noch fünf weitere Lübbenauer brachten deutlich ihr Unverständnis zum Ausdruck. Die Boblitzerin Gabriele Kühnel vom Nabu Calau fragte, warum ausgerechnet ein Wanderweg zu einer viel befahrenen Radwegstrecke werden soll. Kahnfährmann Marko Schröter interessierte, ob an die Gefahren gedacht worden sei, die von den Schiebern auch für den Boots- und Kahnverkehr ausgehen. Ein weiterer Redner sprach von „Kranmodellen“, die „unmöglich“ aussehen würden. „Ihr verschandelt den Spreewald“, sagte eine Besucherin gar und bekam Applaus. Weiter wurde bemängelt, dass die Bürger nicht ausreichend beteiligt worden sind.

Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos) verteidigte die Standortwahl. Die Wotschofskaweg-Stufenbrücke nahe der ehemaligen Badeanstalt habe sich angeboten, gerade weil „die Summe der Konflikte“ dort so groß sei. So ließen sich in der Testphase leichter Verbesserungen herbeiführen. Weiter sagte Wenzel, dass man nicht jedes Projekt schon in der Entwicklungsphase von den Bürgern diskutieren lassen könne. Die Bedenken seien angekommen, man sei sich aber auch selbst der vielfältigen Probleme bewusst. Das betonte auch Stadtverordnetenvorsteher Uwe Pielenz (SPD) und bat um Vertrauen. Es werde erst in der Stadtverordnetensitzung am 27. Februar entschieden über den Baustart an der Wotschofskaweg-Brücke. Zu der Beschlussvorlage gehöre auch eine Präsentation mit Fotos von der Schieberkonstruktion, die der Bürger im Internet einsehen kann.

Bereits zuvor jedoch laden Künstlerin Simone Brüggemann-Riemer und Naturschützerin Gabriele Kühnel alle Lübbenauer am kommenden Samstag, 9. Februar, um 10 Uhr zu einer Wanderung auf dem Wotschofskaweg ein. Sie möchten zeigen, dass der Weg erhaltenswert ist – und zwar so wie er ist, ohne bauliche Veränderung.