Von Uwe Hegewald

Mit einem verrückten Wettbewerb hat sich Ressen (Gemeinde Neu-Seeland) selbst einen Publikumsansturm beschert. Nach 30 Jahren Pause wollten sich viele Schaulustige den Spaß beim Brühtrogrennen nicht entgehen lassen. Vorausgesetzt man zählt selbst nicht zu den Teilnehmern des amüsanten Wettbewerbs, bei dem die Partnerin mit einer Schubkarre durch Menschengassen geschoben werden muss und die Rückreise über den trüben Dorfteich führt.

Die bereitgestellten Brühtröge erweisen sich für das maritime Unterfangen als ebenso ungeeignet, wie das Herausfischen eines Weinkorkens aus einer Schüssel Mehl. Selbstverständlich nur mithilfe des Mundes, was mit nassem Gesicht besondere Freude bereitet – zumindest beim Publikum.

„Bei einem Feierabendbier haben wir uns an die alten Wettbewerbe erinnert und ernsthaft darüber nachgedacht, diese neu zu beleben“, erklärt Eberhard Plewe die Entstehungsgeschichte. Die Frage nach dem eventuellen Fehlen geeigneter Brühtröge wurde im Keim erstickt. „Notfalls bauen wir einfach ein paar neue“, entgegnete der Ressener.

Ursprünglich für das Brühen von Schweinen bei der Hausschlachtung angewendet, eignen sich die hölzernen Tröge so gar nicht zum Überqueren von Gewässern. Das wussten schon Generationen zuvor, die es jedoch nicht verstanden, ihre Kinder und Enkel davor zu warnen.

„Ich finde es prima, dass die Ressener den Wettbewerb nach so langer Pause wiederbelebt haben“, würdigt Reiner Hanisch. Wie viele, ist der Gästeführer aus Neupetershain aus einem der Nachbardörfer zum Ressener Dorffest mit freiem Eintritt angereist. Ob in den kommenden Jahren ein kleiner Obolus genommen wird, soll die Auswertung des diesjährigen Dorffestes aufzeigen, zu dem der veranstaltende Verein „Aktives Ressen“ weder Kosten noch Mühe gescheut hat.

Selbst der erhabene Neptun und Meerjungfrau Lea konnten für einen Kurzauftritt gewonnen werden. Horst Messing schlüpfte in die Neptun-Rolle, um „das Zerkratzen der glatten Wasseroberfläche des Dorfteiches zu gestatten“. Wenige Augenblicke später zählten der Vereinsvorsitzende und seine Gattin Daniela zu den ersten von zehn startenden Teams, die sich der Herausforderung im Brühtrogrennen stellten und feststellten: „Worauf haben wir uns da nur eingelassen.“