„Wir haben innerhalb von zwei Tagen 40 Unterschriften gegen ein gesetzliches Rauchverbot in Gaststätten gesammelt. Auch fünf Nichtraucher haben da unterschrieben“ , sagt Kathrin Richter, Betreiberin der Spielothek und Biergaststätte „Spinne“ in Lübbenau am Roten Platz. Bei ihr habe sich noch nie ein Gast über das Rauchen beim Glas Bier beschwert. Sie habe sich der Unterschriftenaktion angeschlossen, die einige Lübbenauer Gaststättenbetreiber initiiert haben, weil sie fürchtet, dass künftig die Gäste ausbleiben, wenn nicht mehr geraucht werden darf. „Es ist doch ein Unterschied, ob es sich um ein Restaurant, eine Kneipe oder eine Bar handelt“ , unterstützt sie auch ihr Mann Ronny Richter. „Ich bin selbst Raucher, beim Essen in der Gaststätte rauche ich nicht“ , sagt er. Das sei doch selbstverständlich.
„Es geht um die kleinen Kneipen, die auch nicht die Räumlichkeiten haben, einen eigenen Bereich für die Raucher abzutrennen“ , sagt Michael Vogel, der Chef des „Klimperkastens“ im Einkaufscenter „Kolosseum“ in der Lübbenauer Neustadt. „Die Kneipen werden durch das Nichtrauchergesetz kaputt gemacht“ , ergänzt er. Die Leute trinken bei ihm im „Klimperkasten“ nach dem Feierabend ein Bier, spielen Billard oder Darts. „Wenn sie dann dazu keine Zigarette mehr rauchen dürfen, geht die Gemütlichkeit verloren und sie bleiben weg“ , vermutet Michael Vogel. Er habe gehört, dass es in Baden-Württemberg 40 Prozent Einbußen durch das Rauchverbot in Gaststätten gegeben habe. Das sei für ihn eine Frage der Existenz. Vor dreieinhalb Jahren hatte er aus der Arbeitslosigkeit heraus die Gaststätte übernommen. „Mit 45 Jahren bekomme ich keine Arbeit mehr“ , sagt der gelernte Schlosser. An der Unterschriftenaktion beteiligt er sich, weil er hofft, dass die Umsetzungbestimmungen des Gesetzes noch durch den Landtag beeinflusst werden können. „Bis zum 28. November sammeln wir Unterschriften, am 1.Dezember werden die Listen dann per Einschreiben an den Präsidenten des Landtags geschickt“ , sagt Michael Vogel. Die Politiker müssten erfahren, dass das Gesetz nicht so wie es im Entwurf vorliegt, verabschiedet werden könne. Die wirtschaftliche Struktur im Osten Deutschlands müsse bei solchen Gesetzen beachtet werden.
„Wenn das Gesetz kommt, dann müssen wir einfach Gitter vor Fenster und Türen machen. Im Gefängnis soll es ja eine Ausnahme zum Rauchverbot geben“ , sagt Ronny Richter mit Ironie.

Zum Thema Nichtrauchergesetz
  Das Kabinett der Landesregierung verabschiedete Mitte Juli den Entwurf für ein brandenburgisches Nichtrauchendenschutzgesetz, das zum 1. Januar 2008 in Kraft treten soll. Mitte Dezember wird es im Landtag zur Beschlussfassung vorliegen.