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Fußballkicker ohne Nachwuchs

Neue Spieler gesucht: Über soziale Netzwerke im Internet werden Fans, wie die von Schwarz-Gelb Boblitz, über ihren Lieblingsverein auf dem Laufenden gehalten aber auch Suchaufrufe gestartet.
Neue Spieler gesucht: Über soziale Netzwerke im Internet werden Fans, wie die von Schwarz-Gelb Boblitz, über ihren Lieblingsverein auf dem Laufenden gehalten aber auch Suchaufrufe gestartet. FOTO: dfh
Boblitz. "Boblitz sucht neue Spieler!" prangt auf dem großen Transparent am Sportplatz des Lübbenauer Ortsteils – gut sichtbar für alle, die auf der Straße in Richtung Calau fahren. Beim SV Schwarz-Gelb Boblitz gibt es ein Spielpersonal-Problem, das zeigt das Plakat ganz offen. Daniel Friedrich / dfh

"In unserer Männermannschaft haben wir teilweise wirklich Probleme beim Spielbetrieb, weil wir einfach zu wenig Leute zusammenbekommen", sagt Kai Hoffmann vom Boblitzer Sportverein. Viele der Spieler würden auswärts im Schichtdienst arbeiten oder zur Ausbildung weiter weg ziehen. An zwei reguläre Trainingseinheiten mit der Mannschaft in der Woche sei da nicht zu denken. "Wir sind ja schon froh, wenn zum Spiel am Wochenende genug Fußballer vor Ort sind", sagt er.

So wie dem Boblitzer Sportverein geht es derzeit vielen kleinen Fußballvereinen in der Region. Eigene Nachwuchsarbeit ist mangels genügend Spielern kaum möglich. Wollen junge Kicker vom Dorf regelmäßig Fußball spielen, müssen sie nach Lübbenau oder Vetschau verwiesen werden, wo es eine solide Jugendarbeit gibt. Später, wenn die Spieler vor dem Übergang in die Männermannschaft stehen, werden sie oftmals wieder von den kleineren Vereinen abgeworben - womit die sich freilich mancherorts unbeliebt machen. "Wir freuen uns natürlich, wenn 18- oder 19-Jährige zu uns wechseln. Nur so sichern wir mittelfristig unser Überleben", sagt Gerd Wagner, der die Männermannschaft des SV Wudritz Ragow trainiert. "Die älteren Spieler hängen nach und nach ihren Fußballschuh an den Nagel und deshalb brauchen wir jedes Jahr ein bis zwei neue Spieler." Sein Team bekommt in der neuen Saison etwa Zuwachs aus Boblitz und von der TSG Lübbenau - auf eigenen Wunsch hin, wie er betont. "So sind wir für die Kreisliga erstmal gut aufgestellt." Damit sich auch die älteren Spieler der Mannschaft, die mitunter schon eine eigene Familie gegründet haben, möglichst lange wohlfühlen, gibt es Saison-Abschlussfahrten oder eine jährliche Weihnachtsfeier, zu der auch die Spielerfrauen eingeladen sind.

Der Spielermangel in Boblitz führte für den SV Schwarz-Gelb bereits zu Konsequenzen: Die daraus resultierenden deprimierenden Leistungen auf dem Fußballrasen veranlassten den Verein, in der neuen Saison 2017/2018 in der ersten Kreisklasse statt wie zuvor in der Kreisliga Ost anzutreten. "Wenn der Trend so weitergeht, müssen auch wir uns überlegen, uns zu Spielgemeinschaften mit mehreren Dörfern zusammenzuschließen", meint Kai Hoffmann aus Boblitz.

Ein gut funktionierendes Nachwuchs-Modell dagegen betreibt der SV Calau. Auch dort kommt - bis auf die B-Junioren - seit gut fünf Jahren keine Jugendmannschaft mehr zusammen. "Wir kooperieren mit dem TSV Missen. Durch das Zweitspielrecht haben unsere jungen Fußballer die Möglichkeit, in der Missener Mannschaft Spielerfahrung zu sammeln", sagt Abteilungsleiter Dieter Wegner. Wenn die Spieler ein gewisses Alter erreicht haben, könnten sie wieder für die beiden Calauer Männermannschaften spielen. "Dadurch bündeln wir unsere Anstrengungen, und jedes Kind kann ohne Probleme in einem Verein das Fußballspielen erlernen."

Zum Thema:
Ein Blick in die Statistik bestätigt den Rückgang der Jugendmannschaften in Brandenburg. Gab es in der Saison 2016/2017 noch 322 A- und B-Juniorenmannschaften, so sind es in der Saison 2017/2018 309 Teams. Ein ähnlicher Rückgang ist auch bei den C- bis G-Junioren zu verzeichnen, so der Landesfußballverband. Insgesamt sind in Brandenburg 674 Fußballvereine angemeldet. Ihre insgesamt 3741 Mannschaften zählen 100 153 Mitglieder. (dfh)