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Funkelnde Edelkarossen beim Ogrosener Heimatfest

Beim 10. Ogrosener Heimatfest hat die Gemeinde mit ihren Besuchern drei Tage lang gefeiert. Zu den vielen Attraktionen gehörte das Oldtimer-Treffen, das zahlreiche Besucher nach Ogrosen lockte. Von Stephan Uhlig

"Zum Zehnten wollten wir mal etwas Besonderes machen. Da kam die Idee mit den Oldtimern, und es hat geklappt", sagte Organisationschef Frank Thiede vom Heimat- und Feuerwehr-Förderverein Ogrosen 1346. Mehr als 50 funkelnde Edelkarossen und Motorräder von anno dazumal reihten sich am Festzelt auf und zogen Publikum aus nah und fern an. "Das ist fantastisch, was die hier gemacht haben. Nur so kommen die richtigen Oldtimer-Fans zusammen", sagte der Calauer Rainer Rainer Schmattloch, der 1961 als "junger Schnieps" seinen ersten Oldtimer hatte. Diesmal kam er mit einem 39er BMW. Aus Rietdorf (bei Dahme) war Ulrich Heumann angereist. Der gebürtige Hesse las vom Treffen in der Zeitung: "Ich habe von meiner Frau zwei Stunden frei bekommen - wegen den Autos", scherzte er.
Nach und nach rollten die Limousinen auf die Wiese. Neben dem Opel von 1931 von Siegfried Egerland (bei Dahme) stand der bekannte "Kugel-Porsche" von Erhard Hausmann aus Dahme, und in seiner Nachbarschaft reihten sich "Enten", Trabi-Kübel oder Skoda-Kabrios ein. Besonders Interesse fand Jürgen Huber aus Spremberg, der mit einem äußerst seltenen Audi Wanderer W26 - Behördenfahrzeug Baujahr 1940 - die Aufmerksamkeit des Fachpublikums auf sich zog. "Das war mein Jugendtraum. Eigentlich wollte ich ein Motorrad, dann bekam ich einen Tipp. Das war Anfang der 70er Jahre. In Hoyerswerda an einer Tankstelle stand er - eigentlich Schrott. Nun kann sich jeder vorstellen, was ich die nächsten 30 Jahre gemacht habe", erzählte der Besitzer, der in Fachkreisen auch Harry Piel genannt wird. Von diesem Fahrzeug gibt es in Deutschland nur noch zwei Exemplare. Bei der Restaurierung halfen befreundete Oldtimerfans aus Dresden.
Ein Raunen ging durch die Besucherreihen, als eine Horch-Pullmann-Limousine von 1935 vorfuhr. Sein Fahrer und Besitzer Oswald Hentschel aus Bad Muskau war unter den Experten kein Unbekannter. Der Oldtimer-Liebhaber hat im Bad Muskauer Park ein Museum eingerichtet. Etwa 30 historische Fahrzeuge, eine alte restaurierte Tankstelle und viele Utensilien gibt es dort zu sehen. "Diesen Horch habe ich nun schon mehr als 30 Jahre. Ersatzteile bekommt man nicht mehr. Alles muss extra gefertigt werden", erklärte Oswald Hentschel. Die Horch-Werke Zwickau waren bis Kriegsende das führende Automobilunternehmen in Deutschland, bauten Staatskarossen, und der deutsche Adel fuhr Horch. Auch beim damaligen Kaufpreis "horcht" man heute noch auf: Stolze 16 500 Reichsmark hat er als Neuwagen einmal gekostet. Bei der gemeinsamen Ausfahrt hatte der Horch dann einen würdigen Fahrgast. Die Ogrosenerin Ilse Wagner, die kürzlich ihren 85. Geburtstag beging, bekam die Ausfahrt im Oldtimer geschenkt und war hinterher total happy: "Wir hatten früher kein Auto, und erst wollte ich gar nicht mitfahren. Aber das war schön. Das Auto ist innen ganz ruhig und die Sitze sind so weich - wie bei mir zu Hause auf dem Sofa."
Die Ausfahrt, die sich durch Regen etwas verzögerte, führte die Straßen-Veteranen mit Polizei-Eskorte zunächst nach Calau. Aber nicht auf dem Markt wurde ein Halt eingelegt, sondern die Karawane stoppte in der Lübbenauer Straße am Museum "Mobile Welt des Ostens". Weiter ging es dann nach Bolschwitz, das einst zum Ogrosener Gut gehörte, und über Gahlen und Missen führte der Weg wieder zurück.
Ins Rollen gebracht hatte die ganze Geschichte Günter Rohle vom Oldtimer-Stammtisch Bad Muskau. "Meine Frau Irene stammt hier aus Ogrosen und der Gastwirt hat dann mal angefragt. Da konnten wir nicht nein sagen. Und Sie sehen ja, wie viele Besucher extra deswegen hierher gekommen sind", beschrieb der Motorrad-Freak die Entstehungsgeschichte. Eine Jury bewertete die historischen Gefährte und prämierte die ältesten und schönsten Oldtimer.