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Frost hat Erdbeeren zugesetzt

Viel zu lange mussten wir auf die süßen Früchte warten. Jetzt werden sie geerntet – offizieller Start war in dieser Woche. Doch leider hat der kurzzeitige Frost auch den Erdbeeren ordentlich zugesetzt. Spreewaldbauer Karl-Heinz Ricken zum Beispiel rechnet deshalb mit nur der halben Ernte.
Viel zu lange mussten wir auf die süßen Früchte warten. Jetzt werden sie geerntet – offizieller Start war in dieser Woche. Doch leider hat der kurzzeitige Frost auch den Erdbeeren ordentlich zugesetzt. Spreewaldbauer Karl-Heinz Ricken zum Beispiel rechnet deshalb mit nur der halben Ernte. FOTO: P. Becker/peb1
Vetschau. An die Obsternte in diesem Jahr mag kein Kleingärtner und kein Bauer in diesem Jahr wirklich gern denken. Kirschen, Birnen, Äpfel und nicht zuletzt die Erdbeeren haben ordentlich unter dem kurzzeitigen Nachtfrost gelitten. Hannelore Kuschy

Spreewaldbauer Karl-Heinz Ricken aus Vetschau rechnet mit einem Ertragsausfall von rund 1500 Tonnen - das sei, wie er sagt, die halbe Ernte und annähernd vergleichbar mit dem Schaden, den im Juni vorigen Jahres das Großfeuer auf seinem Hof angerichtet hatte. Mit den Folgen kämpfe er noch heute. Jedoch wolle er auf jeden Fall eine neue Halle und wieder einen Hofladen aufbauen.

Rund 500 Erntehelfer pflücken die Erdbeeren, die jetzt an allen Erdbeer-Verkaufsständen zu haben sind. "Auch wenn die Ernte der Frühsorte in diesem Jahr zu 90 Prozent ausfällt, werden die Erdbeeren nicht wesentlich teurer als sonst sein", versichert Karl-Heinz Ricken. Bei der späten Sorte werde es praktisch keine Ausfälle geben.

Die Vollernte, wie er sagt, beginne in der kommenden Woche. Helfer, die bis jetzt die Spargel-Frühanlagen abgeerntet haben, wechseln dann auf die Erdbeerfelder. Mit den derzeitigen Temperaturen habe er keine Probleme. "Die sind mir lieber als 30 Grad Hitze, denn da macht die Erdbeere zu. Die Sonne aber, die brauchen wir für die Süße." Der Spreewaldverein bescheinigt ihm jedes Jahr, die süßesten Erdbeeren im Spreewald zu haben. Das bestätigt Andreas Traube vom Verein. "Abgesehen von der Sorte, ist das jedes Jahr ein gigantischer Aufwand. Wir versorgen die Pflanzen auch gleichmäßig mit Wasser und Nährstoffen", erläutert er.

So süß die Beeren auch sind, so bitter dürfte für viele sein, dass es keine Erdbeermeile mehr auf dem Ricken-Hof geben wird. Jedes Jahr fühle er sich Hassparolen von Menschen ausgesetzt, für die sich wiederum andere schämen. Das sei nicht nur am Rande des Großfeuers im vergangenen Jahr der Fall gewesen, woran sich der Landwirt noch allzu gut erinnere. Auch bei der jährlichen Erdbeermeile habe er sich mit seinem Unternehmen auf unfeine Art angegriffen gefühlt. Irgendwann sei dann das Maß voll. Sozial aber engagiere er sich gerne, werde das auch weiter tun, zum Beispiel in fünfstelliger Höhe bei Blau-Weiß Vetschau. Zudem richte er mit seinen Mitarbeitern den Markt auf dem Radduscher Anger beim Landeserntefest im September aus.

Vor rund 20 Jahren hat Karl-Heinz Ricken Vetschau als seinen Unternehmensstandort ausgewählt und trat mit einer "halben" Arbeitskraft an. Heute beschäftigt er 50 Frauen und Männer fest - in der Saison vervielfacht sich diese Zahl mit vorwiegend rumänischen und polnischen Helfern. Die nicht nur auf den Spargel- und den Erdbeerfeldern arbeiten, sondern auch Gurken ernten. Wie mit den Erdbeeren hat es in diesem Frühjahr auch bei dem typischen Spreewaldgemüse Einbruch gegeben. "Für eine Firma hatten wir Gurken sehr früh gepflanzt und sie mit doppelt Vlies geschützt. Das hat nicht geholfen. Wir mussten alles neu pflanzen. Unter drei bis vier Grad plus reagiert die Gurke nämlich äußerst empfindlich. Unter null geht dann gar nichts mehr", verdeutlicht er.

Ob auf Feldern oder auf dem Hof - alle Beschäftigten würden nach Angaben ihres Chefs nach Tarif bezahlt und unter guten Bedingungen Obst und Gemüse aus dem Spreewald produzieren, das auch weit über Brandenburgs Grenzen hinaus zum Verbraucher gelangt. Im vorigen Jahr investierte der Spreewaldbauer in eine Spargelhalle, ausgestattet mit hochmodernen Maschinen.