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| 13:35 Uhr

Friedhofsgestaltung
Friedhof zu groß und ungeordnet

Gräber werden winterfest gemacht und auf den Totensonntag vorbereitet.
Gräber werden winterfest gemacht und auf den Totensonntag vorbereitet. FOTO: Kuschy / LR
Vetschau. Erfurter Landschaftsarchitekt rät Vetschau zu Veränderungen auf den 36 000 Quadratmetern.

Im Trauermonat November kommt der freie Landschaftsarchitekt Steffen Möbius aus Erfurt nach Vetschau und hält der Stadt das Spiegelbild der Gesellschaft, den eigenen Friedhof, vor Augen. Im Gegensatz zu früheren Zeiten habe sich Vetschau bei der Gestaltung seines Friedhofs als Ort der Trauer und auch der Hoffnung in den zurückliegenden Jahren nicht hervorgetan.

Mit 36 000 Quadratmetern sei der Friedhof viel zu groß. Nach Auffassung des Erfurters würde ein Zehntel davon ausreichen. In etwa 30 Jahren schon könnte es sein, dass die Hälfte der Fläche nicht mehr benötigt werde. Ein Grund für die Zerrissenheit auf der Fläche sei, dass der Großteil der Reihengräber zu Wahlgräbern werde, deren Bestandsdauer verlängert werden könne. Das mache es schwierig, die Gestaltung des Friedhofes zu planen. Harmonie auf dem Friedhof aber sei nach Überzeugung des Experten unabdingbar. Das beginne bereits damit, dass Grabstellen nicht zu eng nebeneinander angeordnet sein sollten. Raumgrenzen würden den Trauernden erlauben, ganz für sich zu sein. Um Hoffnung zu schöpfen und mit anderen Trauernden auf dem Friedhof ins Gespräch zu kommen, seien einfache Dinge zu bedenken: Der Vetschauer Friedhof sei nicht nur zu groß, es gäbe mit über 30 Wasserstellen auch viel zu viele davon. Sinnvoll wäre nach Ansicht des Landschaftsarchitekten, vier Wasserstellen so zu gestalten, dass sich Friedhofsbesucher dort treffen, auf Bänken ausruhen und sich austauschen können.

Vetschau rechnet pro Jahr mit durchschnittlich 80 Todesfällen. 40 Prozent aller Verstorbenen werden auf Gemeinschaftsanlagen beigesetzt. Die Tendenz, so stellt Steffen Möbius fest, sei steigend. Gründe dafür gibt es einige. Menschen wollen ihren Angehörigen die spätere Pflege des Grabes ersparen oder aber die Kinder wohnen weit entfernt vom Heimatort. Letzteres kann auch der Grund dafür sein, dass in Vetschau Amtsbestattungen in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Bestattungen also, die durch die Stadt vorgenommen werden. Um mehr Ordnung zu bekommen, rät der Architekt, vorgefertigte Grabfelder oder Mustergräber als Beispiele zu schaffen. Sie könnten dann vielfältig und individuell durch die Angehörigen gestaltet werden.

Den Vetschauer Friedhof prägen mehr als 500 Bäume, deren Zustand allerdings nicht der beste ist. „In den letzten 20 Jahren sind sie nicht mehr fachgerecht behandelt worden“, stellte Steffen Möbius bei seinen Untersuchungen in den zurück liegenden Wochen fest und prophezeit der Stadt, dass ihr genau das in den nächsten Jahren finanziell auf die Füße fallen wird. Viele Baumkronen zum Beispiel seien eingekürzt worden und müssten weiter behandelt werden. Aufgefallen sind dem Erfurter ebenfalls die vielen Zierzaunstellen. Die jedoch ebenfalls nicht mehr gut erhalten sind. So regt er Gestaltungsvorschriften an. Das kleine Verwaltungsgebäude wird nur noch wenig genutzt und sollte abgerissen werden. Statt dessen könne er sich an dieser Stelle einen offenen Pavillon vorstellen, wo sich Friedhofsbesucher treffen können. Kritisch sieht Steffen Möbius auch den kleinen Eingang von der Straße des Friedens aus. Der werde nicht selten von Radfahrern als Abkürzung benutzt. Das störe die Ruhe. Sein Vorschlag ist, diesen Eingang zu sperren oder ihn zu verlegen.

Besucher des Friedhofs Vetschau werden gebeten, private Utensilien nicht ab Grab zu lagern  das gefällt nicht allen.
Besucher des Friedhofs Vetschau werden gebeten, private Utensilien nicht ab Grab zu lagern das gefällt nicht allen. FOTO: Kuschy / LR