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Friedhöfe
Friedhöfe beschäftigen die Politik

Offen lassen oder schließen? Diesen kleinen Eingang von der Straße des Friedens aus zum Vetschauer Friedhof nutzen viele Einwohner auch als Abkürzung in Richtung Pieckstraße und umgekehrt.
Offen lassen oder schließen? Diesen kleinen Eingang von der Straße des Friedens aus zum Vetschauer Friedhof nutzen viele Einwohner auch als Abkürzung in Richtung Pieckstraße und umgekehrt. FOTO: Kuschy / LR
Calau/Vetschau. Calau entlastet seine Ortsteile. Vetschau arbeitet an einem Gestaltungskonzept.

Es mag ein Zufall sein, dass sich Abgeordnete und Stadtverwaltungen in Calau und Vetschau gerade im Trauer-Monat November mit ihren Friedhöfen befassen. Der Monat aber macht sensibel für dieses Thema.

In der kommenden Woche wollen die Calauer Abgeordneten ihre Friedhofssatzung und die Friedhofsgebührensatzung beschließen. Und sie haben es sich mit der Vorbereitung nicht leicht gemacht, haben sich viel Zeit genommen mit der Debatte. Herausgekommen ist nach jetzigem Stand, dass sie die Ortsteile entlasten wollen. Denn die neuen Kalkulationen für die Erdbestattung sahen alles andere als freundlich aus, wenngleich anzustreben ist, kostendeckend zu arbeiten. Lagen die Kosten für eine Wahlgrabstätte bisher bei 199,53 Euro, sollten sie  auf 444,57 Euro steigen und sich damit mehr als verdoppeln. Ein Grund für die Kalkulation ist nach Angaben von Bürgermeister Werner Suchner, dass der städtische Bauhof heute mehr als noch vor Jahren auf den Friedhöfen der Ortsteile zu tun hat, während früher vieles in Eigeninitiative erledigt worden sei. Zudem gäbe es weniger belegte Grabstätten, auf die entstehende Kosten umzulegen seien.

Ergebnis der Diskussionen im Bau- und Finanzausschuss wie im Hauptausschuss ist, dass die Kosten auf Calauer Niveau gebracht werden. Das bedeutet: Für eine Wahlgrabstätte sollen künftig nicht die kalkulierten 444,57 Euro, sondern 338,77 Euro erhoben werden. Eine Reihengrabstätte für Verstorbene bis zum fünften Lebensjahr kostet nicht 184,27, sondern 139,77 Euro, ab dem fünften Lebensjahr nicht 365,03, sondern 338,77 Euro. Für die Benutzung der Calauer Feierhalle müssen 20 Prozent mehr, also 250 Euro und für den kleinen Schauraum 96 Euro bezahlt werden. Weit unter den kalkulierten Kosten bleibt mit 50 Euro die Gebühr für die Benutzung einer Feierhalle in den Ortsteilen. Zu erwarten ist, dass die Abgeordneten kommenden Mittwoch der Entscheidung des Hauptausschusses folgen.

Mit einem Konzept zur Gestaltung ihres Friedhofs befassen sich die Vetschauer. Die Gedanken des Erfurter Landschaftsarchitekten Steffen Möbius zur Gestaltung des Friedhofs haben Einwohner bewegt. Vor allem seine kritischen Anmerkungen zum kleinen Eingang an der Straße des Friedens werfen die Frage auf, ob er nicht geschlossen werden sollte. Eine Vetschauerin zum Beispiel beklagt, dass viele Radfahrer diesen von insgesamt fünf Eingängen benutzen, um zum Bahnhof zu gelangen. Für andere  sei es bequem, diesen Eingang zu nehmen, um schneller zum Penny-Markt zu kommen. Vor allem Jugendliche seien es, die sie auf dem Weg über den Friedhof anpöbeln, wenn sie am Grab ihres Mannes stehe, so die Frau. Vasen würden zudem umgekippt, Blumen herausgerissen und verstreut. „Ich habe schon wieder Angst, wenn ich an den Totensonntag denke“, klagt sie. Von Totenruhe könne keine Rede mehr sein.

In der Stadtverwaltung ist das durchaus bekannt. Was aber kann getan werden? Der Erfurter Landschaftsarchitekt regte an, den Eingang von der Straße des Friedens aus zu schließen oder ihn zu verlegen. Das hätte nach Auffassung von Bürgermeister Bengt Kanzler zur Folge, dass wieder andere protestieren. Denn sie müssten einen Umweg gehen, wollten sie zum Friedhof. Das würde vor allem Bewohner aus den benachbarten Blöcken und dem neuen Betreuten Wohnen treffen. Baufachbereichsleiter Sven Blümel erinnert sich daran, dass es vor etwa drei Jahren einen Antrag im Stadtparlament gab, das Türchen an einem Durchgang im Friedhof wieder zu öffnen. Das war zuvor auf Empfehlung des Bauhofes geschlossen worden – prompt standen all jene auf der Matte, die dadurch einen Umweg von rund 50 Metern gehen mussten. Das Türchen wurde nach Abstimmung wieder geöffnet.

Wie der Friedhof als Kulturort künftig gestaltet werden soll, wird die Stadtverwalter mindestens bis ins erste Quartal 2018 beschäftigen, bevor sie einen Satzungsentwurf zur Diskussion stellen werden: Wird das Türchen geschlossen oder werden Drehtüren eingesetzt, wird ein Sicherheitsdienst engagiert, der öfter nach dem Rechten schaut oder können die historischen Zierzaunstellen erhalten werden, indem sie zu Urnengemeinschaftsanlagen umgestaltet werden? Einige Fragen von vielen, die in einem Konzept zur Gestaltung des riesigen Friedhofs eine Antwort finden sollen.