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Freilandmuseum Lehde – jünger als es aussieht

Steffen Nikisch aus Berlin hört im Freilandmuseum den Bienen zu.
Steffen Nikisch aus Berlin hört im Freilandmuseum den Bienen zu. FOTO: peb1
Lehde. Das Museum feiert mit vielen Gästen sein 60. Lebensjahrzehnt. Die Besucher tauchten in vergangene Zeiten ein, Kindern gefielen längst vergessene Spiele. Peter Becker / peb1

() Es ist schon erstaunlich, dass das Freilandmuseum Lehde erst 60 Jahre alt sein soll. Die uralten Gebäude mit den ebenso alten Ausstellungsstücken im Inneren lassen etwas ganz anderes vermuten.

Vor 60 Jahren wurde der Grundstein für das Freilandmuseum geschaffen. Genauer, er war schon vorhanden: Ein Lehder Wohn- und Stallhaus wurde frei und vom damaligen Spreewaldmuseum als Außenstelle erworben, um dort die sorbisch/wendische Kultur zu präsentieren. Die Planungen liefen damals darauf hinaus, das gesamte Dorf Lehde mit den darin wohnenden Menschen zu einem Freilandmuseum umzuwandeln - mit der Maßgabe, keine Veränderungen (also auch keine Modernisierungen) vorzunehmen. Das scheiterte dann doch am Widerstand, denn kaum ein Lehdscher wollte auf die Fernsehantenne auf dem Dach verzichten.

Doch so nach und nach hat sich ein ganzes Museumsdorf auf dem heutigen Gelände herausgebildet. Dank Zukäufe von Bauwerken aus Burg, Suschow, Kittlitz und anderen Orten kann der Besucher jetzt die Geschichte des ganzen Spreewaldes erfahren und weitgehend auch erleben. Besonders viel Mühe geben sich die Museumsmitarbeiter bei der Vermittlung von alten Handwerkstechniken wie Flachs hecheln und spinnen, sie zeigen den Alltag der Vorfahren vom Kühe melken bis zum Essen kochen. Kinder können alte Spielgeräte ebenso ausprobieren wie sich mal im Melken (an der Modellkuh mit Vorratstank) zu versuchen.

Till und Bo aus Itzehoe versuchen gerade bei Museumsmitarbeiterin Martina Riedel immer wieder, auf Stelzen zu laufen. "Die Kuh zu melken, war da einfacher", erzählt Till. Die Brüder hatten sich zuvor schon am Hausbau versucht und nach einer Vorlage mal so auf die Schnelle ein Spreewaldhaus gebaut, wenn auch nur in Miniatur.

Die Besucher zeigen sich erfreut, dass der Anteil an Mitmachangeboten in Lehde sehr hoch ist. Anke Behnke aus Freiberg (BW) sagt: "Unsere Kinder können hier hautnah erleben, wie Kindheit auf dem Lande früher war. Neben Spiel und Spaß war die Mithilfe im Haushalt eine Pflicht." Einige Familien probieren das Rubbeln der Wäsche auf einem alten Waschbrett, andere versuchen sich im Binden von Seilen. Museumspädagoge Dirk Ehrhardt hat an diesem Tag viele Hundert Meter Seile gewunden - meist in Teamarbeit der Kinder mit deren Eltern, was ein zusätzliches Familienerlebnis beschert.

Mit großem Interesse, aber auch einer gewissen Vorsicht, nähern sich Kinder einer Bienenbeute, aufgestellt vom Schollener Imker Andreas Petschick. Mit einem Stethoskop lässt der "Bienendoktor" ins Innere hören. "Die machen ganz schön Lärm", ist fast immer von den Kindern als Reaktion zu erfahren.

Im hinteren Bereich des Geländes geht es bei Kaffee, Kuchen und Livemusik etwas beschaulicher zu. Die Band Paula Licht & Los Testamentos unterhält die Besucher.

Museumsdirektor Stefan Heinz lässt es sich an dem Tag nicht nehmen, selbst an der Eingangskasse zu sitzen. So bekommt er die Reaktion der Besucher hautnah mit. Ihm ist der Stolz anzumerken, dass die Arbeit seiner Vorgänger nun Früchte trägt und Anerkennung erfährt. "Wir haben 100 000 Besucher im Jahr, die Zahl spricht schon allein für das gelungene Konzept. Mit dem Erwerb des Geländes am Opott 2009 verfügen wir nun tatsächlich fast über eine Anlage in Dorfgröße. Es ist beinahe das, was damals gewollt war, was nun anders und sicher auch besser umgesetzt wurde", erzählt Stefan Heinz. "Neue Pläne gibt es vorerst nicht. Alles zu erhalten, ist schon schwer genug", ergänzt er. Unterstützung bekommt er seit ein paar Monaten von der AWO-Spreewaldwerkstatt. Menschen mit Behinderung pflegen die Gärten, kümmern sich um die Hühner und stellen Gebrauchsgegenstände her, wie etwa Besen aus Birkenreisig.

Ein Tipp noch: Am Samstag, dem 26. August, heißt es im Freilandmuseum wieder: "Lehde geht schlafen".