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| 15:15 Uhr

Soziale Lernwoche
Lübbenauer Siebtklässler löchern Helmut Wenzel

FOTO: LR / Liesa Hellmann
Lübbenau. Wie wird man eigentlich Bürgermeister? Welche Probleme beschäftigen Lübbenau? Beim „Bürgermeistertalk“ hatten die Oberschüler viele Fragen an das Stadtoberhaupt. Dabei wurde auch kontrovers diskutiert. Von Liesa Hellmann

. Seit einigen Wochen lernen die Schülerinnen und Schüler der neuen siebten Klassen nun bereits miteinander. Bei einer Kennenlernwoche unter der Leitung des Calauer Jugendsozialarbeiters Klaus Winzer hatte die Klasse 7.2 der Oberschule „Ehm Welk“ in Lübbenau nun die Gelegenheit, einander und die Stadt besser kennenzulernen. Viel Spaß hatten Cecile, 12, Paul, 12, und Julia, 13, bei einer Stadtrallye durch Lübbenau. Beim Besichtigen verschiedener Punkte in der Stadt sind den Jugendlichen viele Fragen zu Bautätigkeiten, Freizeitangeboten oder auch sozialen Problemstellungen eingefallen. Im Rahmen eines „Bürgermeistertalks“ im AWO Freizeitladen hatte die Klasse am Donnerstag die Möglichkeit, ihre Fragen dem Lübbenauer Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos) zu stellen.

Als es allgemein um die Aufgaben eines Bürgermeisters und um seinen Werdegang ging, versuchte Wenzel seine Antworten mit der Lebensrealität der Schüler zu verknüpfen. Bei anderen Fragen blieb er jedoch vage: Auf eine Frage, ob es nicht eine Finanzspritze für den Jugendclub geben könnte, antwortet Wenzel wenig konkret. Eine Verbesserung der Möglichkeiten zur Jugendfreizeit habe man „auf dem Plan“, dazu gehöre eine Renovierung der Skateranlage und Investitionen im Kita-Bereich. Darauf angesprochen erläutert Wenzel, dass es beim „Bürgermeistertalk“ in erster Linie darum gehen soll, ein differenziertes Bild von den Tätigkeiten eines Bürgermeisters zu zeichnen und auch aufzuzeigen, worauf er und die Kommune keinen Einfluss hätten.

Cecile, Paul und Julia hat besonders die Ausführlichkeit der Antworten gefallen. Einige Themen haben die Jugendlichen besonders interessiert. Viele Nachfragen gab es etwa zu den Bauvorhaben der Stadt. Bekommt Lübbenau ein neues Einkaufszentrum? Ist eine Tiefgarage geplant? Anhand von Fotos erklärte Wenzel, dass am Roten Platz oder für die Umsetzung eines schrankenlosen Lübbenaus hauptsächlich an der Infrastruktur gebaut wird. Die Dauer von Planung und Umsetzung überraschte die Schüler hörbar.

Die Siebtklässlerinnen beschäftigte außerdem die Drogensituation in Lübbenau. Helmut Wenzel machte deutlich, dass die Problematik von Drogen an Schulen der Kommune bekannt sei. Die Hauptverantwortung bei der Drogenprävention liege Wenzel zufolge jedoch in den Elternhäusern. Er appellierte zudem an die Selbstverantwortung der Schülerinnen und Schüler und benannte die Schulen als dritte Säule der Prävention. Die Frage nach der Legalisierung einzelner Drogen wies er als „Schwachwerden der Politik“ zurück.

Gegensätzliche Auffassungen vertraten der Bürgermeister und einige Schüler bei der Frage, ob es Obdachlose in Lübbenau gebe. Wenzel verwies auf das Obdachlosenheim mit Nachtasyl. Einigen Schülern waren dennoch Wohnungslose in Lübbenau aufgefallen. Sie fragten sich, wie diesen Menschen geholfen werden könne. Erneut betonte Wenzel, dass Betroffene selbst den ersten Schritt machen müssten.

Cecile, Paul und Julia waren sich am Ende der Veranstaltung einig, dass der „Bürgermeistertalk“ ein Höhepunkt einer spannenden Kennenlernwoche war. Auch Helmut Wenzel lobte das Format. Das Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern ermögliche ihm einen Perspektivwechsel, aus dem er viele Anregungen für seine Arbeit mitnehmen könne. Die politische Partizipation von Jugendlichen sei vom Landesgesetzgeber ausdrücklich gewünscht, sagte Wenzel. Deshalb berate der Ausschuss für Bildung, Kultur, Jugend und Sport der Lübbenauer Stadtverordnetenversammlung derzeit über Möglichkeiten, die Beteiligung von jungen Menschen am politischen Geschehen zu erhöhen. Er rief die Schülerinnen und Schüler dazu auf, selbst Ideen für Gesprächsformate einzubringen. Schließlich seien im demokratischen Prozesse, so Wenzel, „nicht nur die Stadt, sondern auch die Bürger in der Verantwortung.“