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Foto-Reise nach Finnland

Noch lange nach der Begrüßung durch Pfarrerin Martina Schmidt, der musikalischen Umrahmung und den Ausführungen des Finnland-Experten Jörgen Dettbarn, hielt es die Besucher zum Plaudern und zum Meinungsaustausch in der Gutskapelle zu Reuden.
Noch lange nach der Begrüßung durch Pfarrerin Martina Schmidt, der musikalischen Umrahmung und den Ausführungen des Finnland-Experten Jörgen Dettbarn, hielt es die Besucher zum Plaudern und zum Meinungsaustausch in der Gutskapelle zu Reuden. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Reuden. Hannu Hautala hat nahezu alle Tiere Skandinaviens vor die Linse bekommen: Wölfe, Füchse, Schneehasen, Rentiere, Elche und unzählige Vögel. "Mich fasziniert das Foto mit der Haubenmeise. Uwe Hegewald / uhd1

Einen solchen Vogel habe ich zuletzt als 12-Jährige gesehen - ohne natürlich, dass sie ihn mit der Kamera hätte festhalten können", zeigt sich die passionierte Hobbyfotografin Undine Grabitz (Kemmen) beeindruckt.

Das Foto zählt zu der Ausstellung "Erlebnis Natur”, zu der Hannu Hautala (76) die Bilder beigesteuert hat. Er gilt als Pionier der finnischen Naturfotografie und als erster professioneller Naturfotograf Finnlands. Dass der Künstler selbst nicht bei der Ausstellungseröffnung am Freitagabend anwesend war, konnten die über 50 Besucher verschmerzen. Dank eines souveränen Jörgen Dettbarn, der die Gäste mit Wissenswertem aus dem skandinavischen Land "fütterte".

"Von 2004 bis 2005 war ich in Finnland im diplomatischen Dienst an der Deutschen Botschaft tätig und habe das Land während meines Aufenthaltes so gut es ging bereist", nennt der die Gründe seines besonderen Verhältnisses zum Land, das am 6. Dezember 2017 seine 100-jährige Unabhängigkeit feiert. Finnland nutzte seinerzeit die russische Revolution, um sich vom übermächtigen Nachbarland zu lösen. Von Jörgen Dettbarn erfuhren die Gäste, dass das "Land der 1000 Seen" tatsächlich über 180 000 Seen verfügt, dass sich Teile Finnlands jährlich um acht Zentimeter heben und dass sich die Finnen mit den geografischen, meteorologischen und sonstigen Gegebenheiten arrangiert haben. "Mit den tiefen Temperaturen und langen Wintern kommen die Finnen sehr gut zurecht. Sie besitzen Ausdauer und eine gesunde Portion Hartnäckigkeit", attestiert er dem 5,5-Millionen-Volk. Ausdauer und Hartnäckigkeit zeichnen auch Hannu Hautala aus, dessen Lebenswerk inzwischen ein Archiv von rund 1,5 Millionen Bildern und über 40 Büchern umfasst. Wie viele Stunden oder Tage der Naturfotograf für ein Motiv auf Fotopirsch gegangen ist, können selbst professionelle Fotografen nur erahnen.

Und auch das ringt jedem Betrachter Respekt ab: Hannu Hautala fotografiert seit über fünf Jahrzehnten, der Großteil seines Lebenswerkes ist also mit analoger Technik - Kamera, Film, Entwickeln, ohne computerunterstützte Bildbearbeitung - entstanden.

"Am schönsten gefällt mir das Foto mit den Rentieren, die an einem Ufer entlanglaufen und bei dem das Wasser durch die tief stehende Sonne rot gefärbt ist", sagt Renate Uckrow. Nach dem Konzert des Vantaa Suzuki-Orchesters, vor genau einem Jahr, ist es der Grande Dame der Gutskapelle Reuden ein weiteres Mal gelungen, finnisches Profil nach Reuden zu holen. Die Ausstellung haben wir uns vom Finnland-Institut in Berlin besorgt, so die Calauerin, von der Familienangehörige in Finnland leben.

Doch wie kam Renate Uckrow mit Jörgen Dettbarn an den ehemaligen Botschaftsmitarbeiter? "Eine komische Geschichte ist das gewesen", erzählt sie. "2005 mussten wir beim Rückflug aus Finnland aufgrund eines Defektes am Flieger in Helsinki zwischenlanden. Von der Passagierin neben mir bekam ich das Handy geliehen, um meine Angehörigen über die Verspätung zu informieren." Bei der netten Dame handelte es sich um Dr. Irmgard Dettbarn. Es war der Beginn einer tiefen Freundschaft, die bis heute gepflegt wird und die erklärt, wie die Ausstellung nach Reuden kam.

Zum Thema:
Die Ausstellung "Erlebnis Natur” des Fotografen Hannu Hautala, kann noch bis zum 10. September täglich von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden. Dann jedoch ohne musikalische Darbietungen durch Max Albert Litta (13) aus Bischdorf . Der Nachwuchspianist rahmte die Ausstellungseröffnung - mit gelegentlicher Unterstützung durch seine Schwester Marie Antoinette (11) an der Violine.