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| 02:43 Uhr

Forst entthront Finsterwalde

Bronze für Vetschau: Im Jubiläumsjahr des Sommerbades haben die Vetschauer von der ersten Sekunde an auf Wettbewerbsmodus geschaltet – angeführt von Bürgermeister Bengt Kanzler mit einem kerzengeraden Kopfsprung um Mitternacht.
Bronze für Vetschau: Im Jubiläumsjahr des Sommerbades haben die Vetschauer von der ersten Sekunde an auf Wettbewerbsmodus geschaltet – angeführt von Bürgermeister Bengt Kanzler mit einem kerzengeraden Kopfsprung um Mitternacht. FOTO: Hegewald
Lausitz. Als die Uhren um Mitternacht den Samstag ankündigen und gleichzeitig das Kalenderblatt von Juni auf Juli wechselt, sind ruhige Wasseroberflächen passé. Hunderte Schwimmer aus sieben Brandenburger Kommunen wagen sich in ihren Freibädern ins erfrischende Nass. Uwe Hegewald /

Ihre Mission: mitzumachen beim größten Schwimm-Breitensport-Ereignis in Südbrandenburg und dem Heimatort zu einem ordentlichen Ergebnis verhelfen.

In Vetschau wird Bürgermeister Bengt Kanzler unter anderen von Barbara Müller begleitet. Sie ist die erste weibliche Teilnehmerin der Spreewaldstadt und steigt mit einem festen Vorsatz ins Becken: "Zehn Bahnen á 50 Meter sollten es schon sein." Für Stephan Wegner aus Gahlen liegt die Messlatte etwas höher: "Im vergangenen Jahr habe ich mit 16.6 Gesamtkilometern die längste Strecke für unsere Stadt zurückgelegt. Ich hoffe, diese Distanz in diesem Jahr überbieten zu können", so der Feuerwehrmann. Und es sind weitere "Feuerwehrmänner", die den Vetschauern im 90. Jahr ihres Sommerbades zur Hilfe eilen: aktuelle und ehemalige Mitarbeiter von benachbarten Stadtverwaltungen, wie Frank Böttner. Er gilt als der Erfinder des Stundenschwimmens, das in Calau seinen Ursprung hat. Dort ist man zur Ursprungsphilosophie des Wettbewerbs zurückgekehrt. "Jeder einzelne Teilnehmer zählt, uns ist der Volkssportcharakter wichtiger als die Jagd nach Rekorden", stellt Adele Zeiger klar. Die temporäre Schwimmmeisterin im Calauer Erlebnisbad macht den "familiären Charme" an einem Paar aus Mallenchen fest. Steffen Kottler zählt um Mitternacht zu den Calauer Auftaktschwimmern um Bürgermeister Werner Suchner, während Lebensgefährtin Michelle Schneeweiß am frühen Nachmittag eine Bahn nach der anderen schwimmt. Das Betreuen der zwei gemeinsamen Kinder passiert im vorbildlichen Wechsel. Dass in Altdöbern Kinder zwischenzeitlich auszugehen drohen, hat zwei Gründe: Zum einen wetteifern Mädchen, Jungen und Erwachsene beim zeitgleich stattfindenden Altdöberner Amtsfeuerwehrtag in Lipten. Zum anderen fehlen die erst spät hinzugekommene Schwimmathletin Elke Kalz und ihre Nachwuchsschwimmer. "Die sind bei den Lausitzer Meisterschaften in Senftenberg am Start", informiert Tina Engel (21). Die Studentin ist eigens aus Dresden zum 20:17-Stundenschwimmen nach Altdöbern gekommen. Als die einzige Gemeinde zur Halbzeit ins Hintertreffen gerät, korrigiert Bürgermeister Peter Winzer das erklärte Ziel von "Podestplatz" auf "nur nicht Letzter werden".

Dieses Ziel verfolgen auch die Großräschener. "In den Nachtstunden hatten wir eine kleine Flaute. Es wird schwierig, noch irgendwie in die Medaillenränge vorzudrängen", prognostiziert Uwe Schwingeweitzen mit Blick auf die Zwischenstände. Was den Schwimmmeister des Freizeit- und Erholungszentrums erfreut, ist das Zusammenspiel aller Akteure. "Wir sind zum sechsten Mal dabei. Da weiß jeder, was er zu tun hat", so Schwingeweitzen. Zu den elf Grundschülern, die sich jedes Jahr zu Mitternacht als Startschwimmer bewähren, gesellt sich dieses Mal Wolfgang Roick. 66 Bahnen gehen auf das Konto des SPD-Landtagsabgeordneten, der dem heimischen Bad später den Rücken kehrt, um in Potsdam ein Bad in der Menge zu genießen: Die Landeshauptstadt bittet zum "Tag des offenen Landtags", während sich in der Neißestadt Forst eine kleine Sensation anbahnt.

Zwei Stunden vor Wettkampfende weigert sich Bäderleiter Lutz Berbig, bereits Glückwünsche für den Pokalsieg entgegenzunehmen. Um 9 Uhr hat die Neißestadt die Führungsposition übernommen und diese seitdem nicht mehr abgegeben. "Mal schauen, ob die Konkurrenz zum Schluss noch zulegen kann. Wenn nötig, werden wir noch einmal alle Kräfte mobilisieren", kündigt er an.

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Am Ende dürfen die Rosenstädter jubeln. Mit 497,1 Kilometer entthronen die Forster den Sieger der vorangegangenen zwei Jahre, Finsterwalde (449,3 Kilometer). Auf einen achtbaren Bronzerang schwimmt Vetschau (442 km), gefolgt von Altdöbern (439,3 km), Luckau (438,3 km), Großräschen (361 km) und Calau (329.8 km).