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| 16:03 Uhr

Agrarvlies in Vetschau im Fokus
Folienberge sorgen für Unmut

Folienberge in Vetschau auf dem Stradower Weg. Laut OSL-Landkreis muss Spreewaldbauer Ricken seiner Entsorgungspflicht nachkommen.
Folienberge in Vetschau auf dem Stradower Weg. Laut OSL-Landkreis muss Spreewaldbauer Ricken seiner Entsorgungspflicht nachkommen. FOTO: privat
Vetschau/Reuden. Spreewaldbauer Ricken wehrt sich gegen Vorwurf der großflächigen illegalen Abfalllagerung. Von Rüdiger Hofmann

Geschätzte 3000 Kubikmeter Folienreste auf dem Grundstück des Spreewaldbauern Ricken in Reuden, geschätzte 4000 Kubikmeter Agrarvlies auf seinem Firmengrundstück in Vetschau im Stradower Weg. Dieses Bild hatte sich Ende September ergeben, bestätigt die Untere Abfallwirtschafts- und Bodenschutzbehörde des Landkreises Oberspreewald-Lausitz (OSL). Auf den Sachverhalt aufmerksam gemacht hatte Winfried Böhmer, Kreistagsabgeordneter OSL von Bündnis 90/Die Grünen. Er informierte das Amt für Umwelt und Bauaufsicht über „riesige Mengen an Folienresten, die aus dem Gemüseanbau vieler Jahre von Ricken stammen“. Böhmer kritisierte vor allem die Menge der Folien und ihre unsachgemäße Beräumung von den Ackerflächen.

„Durch die Untere Abfallwirtschafts- und Bodenschutzbehörde des Landkreises wurde inzwischen auf dem Grundstück in Reuden die ordnungsgemäße Entsorgung durch Ordnungsverfügung mit Androhung von Zwangsgeld angeordnet“, teilt Marlen Weser, Pressesprecherin des Landkreises, auf Nachfrage der RUNDSCHAU mit. Im Rahmen des „Verwaltungsvollstreckungsgesetzes“ sind weitere Maßnahmen angeordnet worden. Aufgrund der Tatsache, dass durch Spreewaldbauer Ricken weitere Folienreste auf dem Grundstück abgelagert worden seien, ohne dass eine Entsorgung erfolgt ist, wurde eine Ordnungswidrigkeitsanzeige gefertigt und der Bußgeldstelle des Landkreises übergeben, so die Pressestelle.

Auf dem Grundstück in Vetschau, Stradower Weg, wurde im September mit der Entsorgung begonnen. „Entsprechende Nachweise darüber liegen vor“, sagt Weser. Zudem erfolgte durch die Firma die Information, dass weitere Container zur Abfallentsorgung bereitgestellt werden.

„Herr Ricken wurde schriftlich aufgefordert, die Folien vollständig von den Anbauflächen zu beseitigen“, teilt Amtsleiter Bernd König vom Amt für Umwelt und Bauaufsicht mit. Zur Überprüfung der Anforderungen will der Landkreis regelmäßige Kontrollen durchführen. „Die Kosten für die Entsorgung der Abfälle trägt der Abfallverursacher“, so Pressesprecherin Marlen Weser.

Karl-Heinz Ricken wehrt sich gegen den Vorwurf, Abfälle illegal in Größenordnungen zu lagern. Er bestätigt zwar, dass er im Stradower Weg Agrarvlies lagert, jedoch keine 4000 Kubikmeter, sondern etwa 600. „Hinzu kommt, dass wir hier von meinem Privatgelände reden“, so der Landwirt. „Das Vlies benötigen wir zum Abdecken unserer Kulturen“, sagt Ricken. Er beruhigt zugleich die Gemüter: „Die 600 Kubikmeter Vlies werden wir in den kommenden Wochen von einer Firma verladen und beräumen lassen. Wir sind da bereits in der Endphase.“

Im Fall Reuden – auch eigenes Betriebsareal – hat Ricken inzwischen den Auftrag erteilt, die Folien kontinuierlich abfahren und verwerten zu lassen. Der Spreewaldbauer mahnt aber auch zu mehr Sachlichkeit in der Debatte. „Hier geht keine Gefahr für Mensch und Tier aus. Und man sollte bedenken, was wir durch die Dürreperiode für eine harte Saison mit finanziellen Einbußen hinter uns haben. Eine Entsorgung kostet mich mehr als 100 000 Euro.“