Von Daniel Preikschat

Dieter Grabitz und seinen Helfern vom Angel Club Petri Heil Vetschau blieb vergangene Woche nicht mehr viel Zeit. Im Mühlenfließ stand das Wasser vielleicht noch 20 Zentimeter hoch in der Lache vor einem Wehr. Die Fische kämpften ums Überleben und schnappten schon nach Luft. Zu viert holten die Angler die Tiere mit Keschern aus dem Wasser. In drei Kunststoff-Fässern ging es dann im Transporter zur ehemaligen Grubenwasserreinigungsanlage nach Wüstenhain, heute ein Gewässer des DAFV (Deutscher Angelfischerverband). Behutsam aber zügig wurden Schlei, Barsch, Brasse und Co. eingesetzt. Grabitz und seine Mitstreiter sahen dann, wie die Fische weggeschwommen sind. Die Rettungsaktion ist geglückt.

30 bis 40 Kilo Weißfisch, schätzt Grabitz, konnte man vor dem Verenden bewahren, auch fünf Hechte. Ein Blick auf die Uferlinie zeigt zwar, dass auch dieses teichähnliche Gewässer am Gräbendorfer See schon mal einen höheren Wasserstand gehabt hat. Doch dürfte es den Fischen hier noch immer gut gehen.

Auf ähnliche Weise, aber in ganz anderer Größenordnung hat auch der Stradower Teichwirt Karl Winkelgrund kürzlich notabfischen müssen. Nun schon das zweite Jahr in Folge, sagt er, sei der Wasserstand in der Teichgruppe vor allem aufgrund anhaltender Trockenheit dramatisch abgesunken. Überwiegend Karpfen beherbergen die insgesamt 160 Hektar Wasserfläche, daneben auch etwas Beifisch wie Hecht und Zander. Die Fische würden mit den niedrigen Wasserständen einigermaßen klarkommen. Zumal der Fischer mit Pumpeneinsatz Strömung und Sauerstoff ins Wasser bringt, sich außerdem die mittlerweile sinkenden Temperaturen günstig auswirken.

Das Problem seien die geschützten Raubvögel, sagt Winkelgrund. Vor allem Silberreiher könnten derzeit bei geringem Wasserstand mühelos Fisch fressen so viel sie wollen. Fisch, den Winkelgrund eigentlich dem Großhandel in der Region verkaufen wollte. „Mir geht ein ganzer Jahresumsatz verloren“, sagt der Teichwirt. So, wie schon im Vorjahr. Drei der elf Teiche habe er mit seinen Helfern bereits notabfischen müssen. An diesem  Wochenende komme der größte Teich dran, der Wiesenteich. Er hat allein 55 Hektar. Die Fische werden in Nachbarteiche umgesetzt, die etwas mehr Wasser führen. Der nördlich gelegene Kossateich beispielsweise sei mit der Spree verbunden.

Dass der Wasserstand derzeit so niedrig ist, liege nicht nur an der Trockenheit allein, so Winkelgrund. Wenn der Biber seine Bauwerke in die Einläufe der Teiche setzt, komme dort natürlich auch weniger Wasser an. Und sehr hoch stehe das Wasser ohnehin nicht in den Teichen. Der Mensch habe sie flach angelegt, damit sie sich gut bewirtschaften lassen.

Karl Winkelgrund hat sich trotz der extremen Einbußen, die seine wirtschaftliche Existenz sowie auch die anderer Teichwirte bedrohen, seine Zuversicht bewahrt. Er glaubt nicht daran, dass es auch in den Folgejahren so heiß und trocken sein wird und erinnert an den Juli 2017, der nasseste Monat innerhalb der vergangenen 30 Jahre. Dennoch müssten Teichwirte in Krisenzeiten und auch generell besser unterstützt werden, findet Winkelgrund. Immerhin erhalte seine Zunft mit ihrer Arbeit wertvolle Kulturlandschaften. Biber, Silberreiher und Kormorane seien schön anzusehen. Doch wer sie geschützt sehen will, der müsse auch für einen Ausgleich der wirtschaftlichen Schäden sorgen, die sie anrichten.

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