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| 19:37 Uhr

Integration
Flüchtlinge jetzt Neu-Lübbenauer

Im Atelier des Gleis 3-Kulturzentrums haben Lübbenauer und Neu-Lübbenauer einen geselligen Abend mit gutem Essen verbracht.
Im Atelier des Gleis 3-Kulturzentrums haben Lübbenauer und Neu-Lübbenauer einen geselligen Abend mit gutem Essen verbracht. FOTO: Initiative Buntes Lübbenau
Lübbenau. Unterstützer in der Spreewaldstadt sind stolz auf die Integrationsleistung beider Seiten. Von Daniel Preikschat

Fatimah ist 2015 mit Eltern und Bruder aus Homs in Syrien geflüchtet. Beschwerliche, mitunter gefährliche Wochen der Flucht überstand die Familie. Im Bus und auf dem Schiff, aber auch im Schlauchboot und zu Fuß ging es über die Türkei, Griechenland, Serbien und Kroatien nach Slowenien und Österreich. Am 18 Dezember 2015 trafen die Flüchtlinge in der Gemeinschaftsunterkunft in Kittlitz ein. Freundlich und hilfsbereit seien die Menschen hier gewesen. Deutschland, das bedeutet für Fatimah „Frieden, Freiheit und Glück“. In Lübbenau lebt die Familie heute und ist größer geworden. Adam wurde geboren und Fatimah besucht die sechste Klasse der Hirschberger-Grundschule. Ärztin möchte sie werden.

Die junge Neu-Lübbenauerin erzählt ihre Geschichte – fast perfekt deutsch sprechend – Sabine Neupötsch von der Inititiative Buntes Lübbenau in einem knapp zehnminütigen Video. Aufgenommen hat es Salah Al Khlaif, ebenfalls aus Syrien. Ein Grundschullehrer, der heute bei McDonalds in Groß Beuchow arbeitet. Das Gemeinschaftswerk von Fatimah, dem Lehrer und der Lübbenauerin wurde kürzlich im Gleis 3 gezeigt. Mitglieder der Bürgerinitiative trafen sich mal wieder mit den Syrern, um zu quatschen, zu essen und sich das Video anzusehen.

„Es gibt für uns“, sagt Sebastian Liedke, Gründungsmitglied der Initiative, heute nicht mehr viel zu tun. Die Flüchtlinge haben Fuß gefasst, können schon recht gut bis ausgezeichnet Deutsch, haben Wohnung, Job oder Ausbildung. „Wir reden nicht mehr von Flüchtlingen, sondern von Neu-Lübbenauern“, sagt denn auch Queenie Nopper vom Projektbüro Lübbenaubrücke und ebenfalls Mitglied der Initiative. Diese neue Bezeichnung zeugt vom Fortschritt der Integration vor allem syrischer Flüchtlinge, von denen heute 90 in Lübbenau gemeldet sind. Im jüngsten Rundschreiben der Initiative an die Mitglieder werden Beispiele genannt: Hamza arbeitet in einem asiatischen Restaurant, Achmed im Schloss, Wael in einem Friseursalon, Sultan in der Wäscherei. Auch Datasript, Tropical Islands, Kaufland und das BestWestern-Hotel in Groß Beuchow beschäftigen Neu-Lübbenauer. Yossef gar hat seine Deutschprüfung auf Hochschulniveau bestanden und studiert demnächst, ihm eifert Mahmut nach, ist in dem Bericht zu lesen. Noch weiter ist Karim. Nach einem halben Jahr als Pfleger in einem Berliner Krankenhaus bewirbt er sich auf eine Facharztstelle.

Queenie Nopper und Sebastian Liedke erinern sich noch gut an Zeiten, in denen die Initiative viel stärker gefordert war. Rund 100 Lübbenauer Helfer engagierten sich in fünf Arbeitsgruppen. Es gab Deutschkurse für Flüchtlinge, Bastelnachmittage für Kinder und Frauen, eine Fahrradwerkstatt. Die Neuankömmlinge wurden zu Behörden begleitet, zu Schulen, später zum Jobcenter, zu Wohnungsvermietern und Firmen, die Jobs anboten. Auch Möbel beschaffte und transportierte man. Mit Faszia Fischer fand sich zudem eine des Arabischen mächtige Lübbenauerin, die Mentalität und Kultur der Syrer kennt. Sie war für sie und viele Deutsche erster Ansprechpartner und von unschätzbarem Wert, so Thomas Fron, ebenfalls Mitglied der Initiative.

Die Hilfsstrukturen, sagen Liedtke und Fron, wurden in Lübbenau schon vor Eintreffen der Flüchtlinge geschaffen. Akteure in Behörden, Gemeinschaftsunterkunft, Schulen, sozialen Trägern, Stadtverwaltung und Kulturzentrum Gleis 3 sprachen sich ab und verabredeten die nächsten Schritte. Begleitung, Treffpunkte und sinnvolle Beschäftigung habe man den zeitweise bis zu 140 Flüchtlingen anbieten können, fasst es Michael Hensel von der Lübbenaubrücke zusammen. Mittlerweile konnte man das Angebot deutlich zurückfahren. Treffs gebe es zwar noch. Wenn es sein muss, werde auch geholfen. In der Regel aber wüssten sich die Neu-Lübbenauer nun selbst zu helfen.