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| 13:06 Uhr

Schützengilde und Kriegsgräberfürsorge
Flinte noch nicht ins Korn werfen

Kurz vor dem Volkstrauertag gab es im Lübbenauer Rathaus eine Sonderführung durch die aktuelle Ausstellung zum Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren. Dazu eingeladen hatte die Schützengilde zu Lübbenau 1655/1991 e. V. die auch von der CDU-Bundestagsabgeordneten Jana Schimke (r.) besucht wurde.
Kurz vor dem Volkstrauertag gab es im Lübbenauer Rathaus eine Sonderführung durch die aktuelle Ausstellung zum Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren. Dazu eingeladen hatte die Schützengilde zu Lübbenau 1655/1991 e. V. die auch von der CDU-Bundestagsabgeordneten Jana Schimke (r.) besucht wurde. FOTO: Uwe Hegewald
Lübbenau. Schützengilde zu Lübbenau verschafft sich bei Ausstellung Gehör für angestrebtes Mahnmal. Von Uwe Hegewald

Drei Worte genügen Oliver Breithaupt, Landesgeschäftsführer des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK), um die aktuelle Ausstellung im Lübbenauer Rathaus zu bewerten: „Ich bin beeindruckt.“ Am späten Freitagnachmittag zählte er zu einem erlesenen Personenkreis, die sich die Galerie „100 Jahre Ende Erster Weltkrieg – Lübbenau, Cüstrin, Verdun“ anschauten.

„Ich kann Lübbenau zu dieser Ausstellung nur gratulieren. In diesem Format und Umfang würde man diese nur in Metropolen wie Berlin oder Potsdam erwarten“, so Breithaupt. Bei den Vertretern der Schützengilde zu Lübbenau 1655/1991 e.V. gehen diese Worte sprichwörtlich runter wie Öl. Sie waren es, die den brandenburgischen VDK-Geschäftsführer und weitere Gäste zu einer Sonderführung eingeladen hatten, obwohl das Verwaltungsgebäude zu dieser Zeit eigentlich geschlossen ist.

Sie waren es auch, die mit ihrem Vorschlag zu einer Ausstellung an die Stadt Lübbenau herangetreten sind. „Unsere Grundidee beinhaltete, zuerst eine Ausstellung zum Thema 100 Jahre Ende Erster Weltkrieg zu gestalten und mit dieser für unser Vorhaben von der Wiedererrichtung eines Mahnmals für die Opfer des zerstörerischen Krieges zu werben“, erklärt Hans-Joachim Molle, Mitglied der Arbeitsgruppe (AG) Mahnmal.

„Wie stehen denn die Lübbenauer zu ihrem Vorhaben?“, wollte Bundestagsabgeordnete Jana Schimke (CDU) wissen. „Zu Anfang war es nicht so einfach, die Leute zu sensibilisieren. Inzwischen erfahren wir wachsenden Zuspruch, was wohl auch auf die sehr gelungene Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Stadt und der Lübbenaubrücke zurückzuführen ist“, entgegnet Molle. So stünden die hiesigen Feuerwehrleute und die Kahnfährmänner nahezu geschlossen hinter dem Projekt.

AG-Leiter Dr. Siegfried Stadelmayer verweist auf die Kompromiss-Bereitschaft der Schützengilde: „Das Mahnmal müsse nicht die Ausmaße des 1962 abgerissenen Kriegerdenkmals haben“, sagt er. Auch hinsichtlich eines Standortes und der ausführenden Steinmetz-Firma zeige sich die Gilde gesprächsbereit. „Wir haben den Kostenvoranschlag einer renommierten Firma in Polen, die rund 18 000 Euro veranschlagt hat. Ein Fachbetrieb in Dresden würde etwa das Doppelte verlangen“, so Stadelmayer.

Dass die Mitglieder des Schützenvereins bei ihrem Vorhaben Mahnmal so schnell die Flinte nicht ins Korn werfen, ist den Worten ihres Präsidenten Reinhard Krieg zu entnehmen: „Wir sind zuversichtlich“, erklärt er. Aus Jüterbog hatte sich Raban von Studnitz auf den Weg nach Lübbenau gemacht, der die Aktion der Lübbenauer Gilde sehr gut nachvollziehen kann. In der Flämingstadt leistet er derzeit selbst Überzeugungsarbeit für das Errichten eines Mahnmals für Opfer des Zweiten Weltkrieges. Dieses soll an alle Opfer erinnern – die auf den Schlachtfeldern ihr Leben ließen, für getötete und verschleppte Zivilisten, für Heimatvertriebene, die es nach Jüterbog verschlug oder jene Einwohner, die bei Kriegsende Selbstmord begingen. „Rund Dreiviertel der Stadtverordneten haben bereits ihre abstrakte Zustimmung erteilt“, so Raban von Studnitz, der mit seiner Familie erst seit 2016 in Jüterbog lebt. Hawaii, New York, Moskau, Ankara zählten zu den Stationen des deutschen Diplomatensohnes, der mit seinen Kindern und der aus New York stammenden Ehefrau Tracie Williams von Studnitz das beschauliche Südbrandenburg zum Lebensmittelpunkt gemacht hat.

Warum er sich für ein Mahnmal so stark und den Jüterboger Ausschüssen bereits konkrete Vorschläge unterbreitet hat, dürfte auch an eigenen Erfahrungen liegen. In New York und in Moskau hatte das Paar Terroranschläge hautnah miterlebt – und ist somit Zeuge, geworden, wie unschuldige Personen in den Tod gerissen wurden. Wie millionenfach in den beiden Weltkriegen, die von deutschem Boden ausgingen und an denen in vielen Orten mit Mahnmalen gedacht wird.

Kurz vor dem Volkstrauertag gab es im Lübbenauer Rathaus eine Sonderführung durch die aktuelle Ausstellung zum Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren. Dazu eingeladen hatte die Schützengilde zu Lübbenau 1655/1991 e. V. die auch von der CDU-Bundestagsabgeordneten Jana Schimke (r.) besucht wurde.
Kurz vor dem Volkstrauertag gab es im Lübbenauer Rathaus eine Sonderführung durch die aktuelle Ausstellung zum Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren. Dazu eingeladen hatte die Schützengilde zu Lübbenau 1655/1991 e. V. die auch von der CDU-Bundestagsabgeordneten Jana Schimke (r.) besucht wurde. FOTO: Uwe Hegewald