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| 02:49 Uhr

"Fischautobahnen" im Spreewald

Das Zerniaswehr nahe Schlepzig ist im vergangenen Jahr saniert und mit einer Fischaufstiegsanlage (rechts im Bild) ausgestattet worden. Die Kosten lagen bei insgesamt 1,3 Millionen Euro. Das Wehr hat zudem einen Borstenpass, den auch Kanuten nutzen können.
Das Zerniaswehr nahe Schlepzig ist im vergangenen Jahr saniert und mit einer Fischaufstiegsanlage (rechts im Bild) ausgestattet worden. Die Kosten lagen bei insgesamt 1,3 Millionen Euro. Das Wehr hat zudem einen Borstenpass, den auch Kanuten nutzen können. FOTO: Jan Gloßmann
Schlepzig. Der Bau von Autobahnen braucht eine langwierige Vorbereitung und viel Geld. Ähnliches gilt wohl für die "Fischautobahnen", die im Spreewald im Entstehen sind. Allein im Unterspreewald werden für diverse Bauvorhaben gut 27 Millionen Euro fällig. Jan Gloßmann

Der Spreewald zeigt sich mal wieder von seiner schönen Seite: Autobahnen müssen nicht nur schnöde A 13 oder A 15 heißen. Zwar wird auch eine Menge Beton verbaut, doch die "Fischautobahnen", die im Spreewald entstehen, heißen Puhlstrom oder Zerniasfließ oder Arche III.

Insgesamt 13 Bauvorhaben hat der Wasser- und Bodenverband "Nördlicher Spreewald" derzeit - in unterschiedlichen Stadien - in der Mache. An manchen Stellen wird gebaut, manches wird gerade genehmigt von den Behörden, anderes im Detail geplant. Wehre werden rekonstruiert oder erneuert, Schleusen umgebaut, Ein- und Auslaufbauwerke errichtet. All diese Vorhaben dienen der Wasserregulierung im Spreewald, aber auch dem Zweck, die Spree und die Fließe ökologisch durchgängig zu machen. Wo möglich, werden Fischaufstiegsanlagen unterschiedlicher Art und Weise mitgebaut - die modernen können schon mal bis zu 70 oder 80 Meter lang werden. Verbandsgeschäftsführer Jörg Wiesner nennt das die "Fischautobahnen". Fische und viele Kleinlebewesen sollen nicht mehr an Wehren oder Schleusen hängen bleiben. Am Sonnabend hat Wiesner auf dem 11. Quappentag einen Überblick gegeben über die Arbeit des Verbandes, der zwischen Lübben und Neuendorfer See Spreewälder Territorium "beackert".

Allein für die in Planung befindlichen und laufenden Arbeiten sind mehr als 27 Millionen Euro veranschlagt. Und der Verband "Nördlicher Spreewald" hat eine weitere Liste mit Vorhaben, die noch anstehen - darunter Wehr- und Schleusenbauten bei Alt Schadow, Groß Wasserburg oder Schlepzig sowie die Optimierung von Fischaufstiegsanlagen an Wehren in Neu Lübbenau und am Strandcafé in Lübben. Geschätzte Gesamtkosten derzeit: nochmals etwa 20 Millionen Euro.

Wiesners Nachbar-Kollege Rainer Schloddarick vom Verband "Oberland Calau" verbaut wohl ähnlich viele Millionen zwischen Hochwald, Lübbenau und dem Spremberger Stausee. Er sagt: "So vielfältig die Spree und die Fließe sind, so vielfältig müssen die baulichen Lösungen sein." Schloddarick würdigt die Zusammenarbeit mit Fischerei-Verband und der -Genossenschaft im Oberspreewald. "Ohne die Fischer wäre die Bewirtschaftung vieler Gewässer gar nicht mehr möglich."

Beim Quappentag meldet sich mit Jürgen Peter vom Landes-Kanuverband ein weitere Interessenvertreter. Der Cottbuser mahnt an, bei den Bauvorhaben die Interessen des Kanu-Tourismus nicht außer Acht zu lassen. Durchgängigkeit für die Fische sei genau so wichtig wie für die Paddler. Basis sei der Masterplan für den Kanu-Tourismus im Spreewald. Borstenpässe wie im Zerniaswehr dienten beiden Interessen. Diese brauchen allerdings bestimmte Wassermengen, die nicht immer und überall gewährleistet sind. Es gebe zudem funktionierende Kanugassen, beispielsweise an Sohlschwellen in der Spree bei Skadow und Sas pow. "Wo solche Bauwerke nicht möglich sind, sollte mindestens an einen Steg als Ein- und Ausstieg gedacht werden", so Jürgen Peter. Der Spreewald brauche sowohl die intakte Flora und Fauna als auch die Voraussetzungen für Einkommen aus dem Tourismus.

Auf ökologische Konkurrenz macht Falkner Schwarz, Chef des Kreisanglerverbandes Lübben, aufmerksam: Die Petri-Jünger begrüßen die vielfältigen Bemühungen um bessere Bedingungen für die Fische. Die dafür nötigen Bauwerke wie Umgehungsgerinne hätten aber bereits Interessenten angelockt, die Standorte für Wasserkraftanlagen suchen. Falkner Schwarz: "Das sollte auch nachträglich nicht gestattet werden."

Zum Thema:
Nach dem Auslaufen des Zweckverbandes Gewässerrandstreifenprojekt Spreewald hat das Biosphärenreservat die Verantwortung für den traditionellen Quappentag übernommen. "Wir werden die Themen weiterführen, denn der Austausch über Probleme und Kenntnisse in entspannter Atmosphäre bleibt wichtig", sagt Biosphärenchef Eugen Nowak. Als Partner für die Vorbereitung wird künftig zudem der Naturschutzbund mit seinem Kreisverband Spreewald zur Verfügung stehen. Das Biosphärenreservat Spreewald besteht im September 25 Jahre und feiert das in Lübbenau.