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"Finkenhain" verschenkt Gärten

Klaus-Michael Schwarz schaut im Winter in seinem Garten öfter nach dem Rechten. Seit fünf Jahren bewirtschaftet er 250 Quadratmeter in der Anlage "Finkenhain". Dort finde er Erholung und könne kreativ werden, wie er sagt.
Klaus-Michael Schwarz schaut im Winter in seinem Garten öfter nach dem Rechten. Seit fünf Jahren bewirtschaftet er 250 Quadratmeter in der Anlage "Finkenhain". Dort finde er Erholung und könne kreativ werden, wie er sagt. FOTO: Kuschy
Vetschau. Wenn anderswo die Schlangen Gartensuchender nicht kürzer werden – in Vetschau gibt es sie nicht. Die älteste Vetschauer Kleingartensparte "Finkenhain" verschenkt jetzt sogar Gärten. Denn die leeren Parzellen belasten den gesamten Verein. Hannelore Kuschy

Schnee und Frost lassen die Erdbeerpflanzen, Kräuter und Blumen in Winterruhe verharren. Klaus-Michael Schwarz schaut nur öfter mal nach dem Rechten in seinem 250 Quadratmeter großen Garten der Anlage "Finkenhain" am Vetschauer Stadtrand. Der Vetschauer kann den Frühling kaum erwarten, wenn alles wieder zu blühen beginnt und er sich in seinem kleinen Paradies betätigen und kreativ sein kann.

Der "Finkenhain" am Ortsausgang Richtung Calau mit seinen knapp 100 Gärten ist die älteste Anlage ihrer Art in der Stadt. Den Vorstand treibt gerade ein Problem um: Ehemalige Pächter sind verstorben, andere können ihre Gärten aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr bewirtschaften. Das hat über Jahre dazu geführt, dass nicht einmal mehr 80 Gärten belegt sind. "Unser Verein muss dennoch für die Pacht dieser Gärten aufkommen", sagt die stellvertretende Vereinschefin Hannelore Schiller. Wenn es auch nur zehn Cent pro Quadratmeter seien, so summiere es sich im Laufe der Zeit doch. Aus dieser Not geboren reifte die Idee, doch Gärten an Interessierte zu verschenken. Die Gärten sind 250 bis 500 Quadratmeter groß, teils wachsen dort Obstbäume und Sträucher, auch Lauben stehen hier und da.

Klaus-Michael Schwarz möchte seinen kleinen Garten nicht mehr missen. Genug Rasen zum Erholen wachse, eine Laube habe er sich so gut es gehe eingerichtet, Kräuter, ein bisschen Gemüse, Obst und Blumen dürften nicht fehlen. Klein, aber fein, sagt er sich. "Jedes Jahr im Herbst bezahle ich dafür 120 Euro - darin sind alle Unkosten enthalten", erzählt der Vetschauer.

Hannelore Schiller, stellvertretende Vereinsvorsitzende, und ihr Mann Peter haben ihren Garten schon an die 40 Jahre. "Es ist so toll und gibt ein gutes Gefühl, das selbst Gesäte oder Gepflanzte zu ernten. Ich habe jetzt noch Feldsalat im Garten. Und die neuen Kartoffeln jedes Jahr erst!" "Die reichen manchmal bis Weihnachten", ergänzt ihr Mann. Beide finden sie es schade, wenn das Obst in den nicht belegten Gärten jedes Jahr vergammeln soll. In drei Gärten dieser großzügigen Anlage wird Gemüse für die Tafel angebaut. Das frisch Geerntete wird Bedürftigen zu günstigen Preisen abgegeben.

"Gerade auch für kleine Familien eignen sich die Gärten bestens", sagt Hannelore Schiller. Vetschauer Pächter seien in der Sommerzeit fast jeden Tag draußen. Und es gebe sogar Gartenfreunde aus Berlin, die an den Wochenenden Ruhe und Entspannung in der Vetschauer Anlage fänden.

Wer sich ebenfalls für einen Garten interessiert, kann sich bei Hannelore Schiller, Telefon 035433 2234, melden.