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| 16:56 Uhr

Feuerwehrübung
Jede Minute zählt

Chlorgas-Austritt auf der Baustelle! Zum Glück nur fiktiv. Bei einer Übung am Freitag trainierten Feuerwehrleute von Boblitz bis Zerkwitz für den Fall der Fälle. Damit es erst gar nicht zu so einem Unfall kommt, sind die Chlorgasflaschen in einem abgetrennten Raum speziell gesichert.
Chlorgas-Austritt auf der Baustelle! Zum Glück nur fiktiv. Bei einer Übung am Freitag trainierten Feuerwehrleute von Boblitz bis Zerkwitz für den Fall der Fälle. Damit es erst gar nicht zu so einem Unfall kommt, sind die Chlorgasflaschen in einem abgetrennten Raum speziell gesichert. FOTO: LR / Liesa Hellmann
Lübbenau. Chlorgas-Alarm bei den Spreewelten: Die Freiwilligen Feuerwehren proben für den Ernstfall. Von Liesa Hellmann

Es ist 16.17 Uhr, als das Telefon von Stadtwehrführer Hartmut Wassermann zu klingeln beginnt. Es ist ein Alarm von der Baustelle am Spreeweltenbad eingegangen: Mehrere Personen klagen über Atembeschwerden, eine gelbe Wolke soll gesichtet worden sein. Der Verdacht steht schnell fest: Chlorgas, das in jedem Schwimmbad zur Desinfektion eingesetzt wird, soll ausgetreten sein. Jetzt zählt jede Minute, denn Chlorgas ist extrem gefährlich.

Hartmut Wassermann bleibt trotzdem entspannt – er ist bereits mit seinen Stellvertretern vor Ort, und von der gelben Wolke ist weit und breit nichts zu sehen. Es handelt sich nämlich um eine Übung für die Freiwilligen Feuerwehren in und um Lübbenau. Der Stadtwehrführer erklärt den Ablauf der Übung: „Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr erhalten jetzt eine Alarmierung und fahren von zu Hause los zur Wache. Dort sammeln sie sich und sehen in der Alarmierung, dass bei den Bauarbeiten am Spreeweltenbad ein Gas ausgetreten ist. Dann fahren sie zum Einsatzort.“

Es dauert nur wenige Minuten, bis die ersten Einsatzwagen vor der Baustelle vorfahren. Die Feuerwehrleute steigen aus und legen Atemmasken mit Flaschen an, in der sich bei einem echten Einsatz Atemluft befinden würde. Das ist ein Muss, denn Chlorgas kann die Atemwege schwer verletzen. Chlor reagiert  mit Wasser – also auch mit der Feuchtigkeit in Schleimhäuten und Lunge – und bildet dabei hypochlorige Säure und Salzsäure. Die Säuren verätzen dann das Gewebe, was je nachdem wie lange und wie stark man dem Gas ausgesetzt ist, von Schleimhautreizungen bis zum Atemstillstand führen kann. Umso wichtiger ist also eine Übung der Feuerwehr, wie sie am Freitag durchgeführt wurde.

Wasser marsch! Im Ernstfall soll ausgetretenes Chlorgas mit Wasser niedergekämpft werden. Säure entsteht dabei nur wenig.
Wasser marsch! Im Ernstfall soll ausgetretenes Chlorgas mit Wasser niedergekämpft werden. Säure entsteht dabei nur wenig. FOTO: LR / Liesa Hellmann

„Im Katastrophenfall müssten wir das gesamte Umfeld evakuieren, je nachdem, wie der Wind steht“, sagt Wassermann. Bei der Übung ginge es aber vorrangig darum, dass die Feuerwehrleute „sehen, was passieren kann, wo man an das Gebäude heranfahren kann und was man machen muss". Die Feuerwehrmänner mit Atemschutz machen als nächstes das imaginäre Gasleck ausfindig und sperren den Bereich großräumig ab. Dann wird ein Wasserschlauch in Stellung gebracht. Das Wasser hat zwei Aufgaben: Es kühlt den Austrittsbereich und soll das Gas niederschlagen. „Salzsäure entsteht dabei nur zu einem geringen Teil“, erklärt der stellvertretende Wehrführer Andreas Pohl, „Chlorgas wird von Wasser überwiegend physikalisch gebunden, nicht chemisch.“

Um 17 Uhr rücken die ersten Einsatzfahrzeuge wieder ab. Einige Kameraden müssen noch zu einer weiteren Übung mit schwerem Atemschutzgerät. Insgesamt waren 45 Feuerwehrmänner und -frauen mit  acht Fahrzeugen an der Übung beteiligt. Sie gehören zu den Freiwilligen Feuerwehren von Zerkwitz, Lübbenau (Altstadt und Neustadt), Krimnitz und Boblitz. Einzig ein organisatorisches Manko habe es gegeben: „Die Leitstelle in Cottbus hat nicht von allen Fahrzeugen Rückmeldung bekommen, ob sie am Einsatzort angekommen sind“, sagt Andreas Pohl. Stadtwehrführer Hartmut Wassermann und sein Stellvertreter sind aber „im Großen und Ganzen zufrieden“ mit dem Verlauf der Übung. Und sie hoffen, dass dieses Szenario niemals Wirklichkeit wird.

Jetzt muss alles schnell gehen: Ein Feuerwehrmann mit dem obligatorischen Atemschutz bringt Schläuche zum Einsatzort.
Jetzt muss alles schnell gehen: Ein Feuerwehrmann mit dem obligatorischen Atemschutz bringt Schläuche zum Einsatzort. FOTO: LR / Liesa Hellmann