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Ort des Gedenkens
Feuerwehr Neupetershain ehrt die Verstorbenen

Eine Tafel mit vier schwarzen Rosen lädt nahe des Neupetershainers Depots zum Gedenken an die verstorbenen Kameraden ein.
Eine Tafel mit vier schwarzen Rosen lädt nahe des Neupetershainers Depots zum Gedenken an die verstorbenen Kameraden ein. FOTO: Uwe Hegewald / Hegewald Uwe
Neupetershain. Neupetershain Bei strömenden Regen ist am Vorabend des Nationalfeiertages vor dem Neupetershainer Feuerwehrdepot ein Gedenkstein eingeweiht und gesegnet worden. „Zum Gedenken an die verstorbenen Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr Neupetershain“, steht auf der rund 40.Mal.40 Zentimeter großen Tafel geschrieben, die auf einem kleinen Findling befestigt ist. Von Uwe Hegewald

Seit mehreren Jahren tragen sich die Neupetershainer Feuerwehrleute mit dem Gedanken, einen solchen Gedenkstein zu errichten. „Als in den ersten vier Monaten des Jahres drei Kameraden der Alters- und Ehrenabteilung verstarben, rückte das Vorhaben erneut in den Fokus. Der Tod der zwei Feuerwehrleute während des Einsatzes auf der BAB.2, vor wenigen Wochen bei Brandenburg an der Havel, forcierte die Umsetzung“, erklärte René Vergin, Mitglied der Ortsfeuerwehr und Altdöberner Amtsbrandmeister.

Vier schwarze Rosen zieren die Tafel, die das Signet der Feuerwehr symbolisieren: Retten, Löschen, Bergen, Schützen. „Wir haben uns bewusst für diesen Standort entschieden. Er ist nur wenige Schritte vom Fassadenbild unseres Depots, dem Heiligen Florian, entfernt und für alle frei zugänglich“, so René Vergin. Franz Wolf zündete ein Grablicht an und platzierte es am Fuß des Gedenksteins.

Mit 84.Jahren ist er Dienstältester in den Reihen der Neupetershainer Wehr und Hüter zahlreicher Erinnerungen – darunter auch schmerzliche. „1973 bin ich bei einer Brandstätten-Beräumung durch ein Dach gestürzt und habe mir die Kniescheibe gebrochen“, erzählt er und fügt ein „Glück im Unglück“ hinzu. „Es hätte auch schlimmer ausgehen können.“ Feuerwehrleute wüssten nicht, was sie erwartet, wenn sie zu Einsätzen dem Ruf der Sirenen folgen.

„Löscheinsätze in Waldgebieten, in denen massenhaft Weltkriegsmunition schlummerte, galten immer als heikle Mission. Im Raum Neupetershain war das aufgrund des Frontverlaufs im April. 1945 besonders ausgeprägt“, berichtet Franz Wolf. Trotz der berechtigten Bedenken, bei Einsätzen verletzt zu werden, hätte aber keiner der Feuerwehrleute einen Rückzug erwogen, so das Feuerwehr-Urgestein.

Dr..Thomas Olickal, Pfarrer der Pfarrkirche St..Antonius in Großräschen, führte an, dass durch den Gedenkstein die Taten der Neupetershainer Feuerwehrleute auch nach deren Tod lebendig blieben. Sein Gebet schloss er mit den Worten: „Möge der Herr dazu beitragen, dass junge Menschen den Weg in die Feuerwehr finden und möge er bei Einsätzen die schützende Hand über alle Helferinnen und Helfer legen.“ Teilnehmer der Einweihung des Gedenksteins sahen im prasselnden Regen ein Stück Symbolkraft. Die Tropfen stünden für die vielen Tränen, die nach dem Verlust eines Mitglieds der Feuerwehr die Kameradinnen, Kameraden oder Angehörigen vergießen.

In der 110-jährigen Geschichte der Ortswehr soll es Ende der 1920er-Jahre während eines Einsatzes zu einem Unfall mit Todesfolge gekommen sein. Deren Umstände sind jedoch nicht bekannt. „Wir haben jetzt einen würdigen Standort, um an Personen zu erinnern, die sich dafür eingesetzt haben, Menschenleben, Hab und Gut zu retten“, fasst Marco Kara zusammen. „Eines Tages sind auch wir Teil des Gedenksteins“, so der stellvertretende Ortswehrführer.