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Feuerwehr, Fahrrad, Fasching

Die drei Gesichter des Jürgen Lehnigk: Als Träger des Banners des Kreisfeuerwehrverbandes OSL hat er ebenso Bekanntheitsgrad erlangt, wie durch seine Teilnahmen an Triathlon-Wettbewerben oder auf Liptener Karnevalsveranstaltungen. Dort schlüpft er gelegentlich in die Rolle der Louise Koschinsky.
Die drei Gesichter des Jürgen Lehnigk: Als Träger des Banners des Kreisfeuerwehrverbandes OSL hat er ebenso Bekanntheitsgrad erlangt, wie durch seine Teilnahmen an Triathlon-Wettbewerben oder auf Liptener Karnevalsveranstaltungen. Dort schlüpft er gelegentlich in die Rolle der Louise Koschinsky. FOTO: uhd/privat
Bronkow. Wo nimmt dieser Mann nur die Kraft und die Zeit her? Das fragen sich Leute, die Jürgen Lehnigk und dessen Lebensrhythmus kennen. Er bewältigt ehrenamtliche und ehrenhafte Aufgaben als Feuerwehrmann, ist passionierter Ausdauersportler und Karnevalist. Uwe Hegewald /

Strukturiert und alles andere als langweilig zeigt sich der Tagesrhythmus von Jürgen Lehnigk, der von Freunden und Bekannten kurz "Bruno" genannt wird. Ein Überbleibsel aus der Schulzeit, dessen Herkunft bis heute ungeklärt ist. "Unter den familiären Vorfahren gab es keinen Bruno", stellt der 54-Jährige klar. Wohl aber Feuerwehrleute.

Großvater Erich Kurth und Vater Horst Lehnigk leisteten ehrenamtlichen Dienst in den Reihen der Freiwilligen Feuerwehr Bronkow, viele Jahre davon als Ortswehrleiter. Dass Sprössling Jürgen von den Jungen Brandschutzhelfern 1980 in die Einsatzabteilung wechselt, war quasi vorprogrammiert. Im zwischenzeitlichen Wohn- und Nachbardorf Lipten leitete Jürgen Lehnigk von 1993 bis 2001 die Ortswehr, wechselte reibungslos nach Bronkow, wo er 2005 abermals die Spitze der Ortswehrführung übernahm.

Vor allem erfahrene Feuerwehrleute aus dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz dürften ihn als Träger des Banners des Kreisfeuerwehrverbandes OSL kennen, wenn er dieses zu den jährlichen Auszeichnungsveranstaltungen in den Saal der Bronkower Bauernküche trägt.

Doch diese Rolle ist ihm nicht genug. Sein Herz schlägt ebenso für den Feuerwehrsport, wo er seit 2002 die Bronkower Frauen-Mannschaft trainiert. 1979 habe er erstmals an einem Wettbewerb bei den Männern teilgenommen und musste seitdem erst drei Mal passen. "Zwei Mal wegen Abwesenheit durch den Grundwehrdienst und ein weiteres Mal aufgrund des Auskurierens eines Achillessehnen-Risses", erzählt er.

Dass Jürgen Lehnigk mit 54 Jahren noch immer zu den pfeilschnellen Wettkämpfern zählt und auch jede Atemschutzgeräteträger-Prüfung mit Bravour meistert, liegt an seiner Triathlon-Leidenschaft. An den ersten Wettkampf kann er sich noch sehr genau erinnern: "Es war ein spontaner Gaudi-Triathlon in Lipten, wo wir mit Rennrädern zum Ententeich gedüst sind und diesen durchquert haben. Anschließend ging es im Lauf zurück zu Start und Ziel", so der damals Zweitplatzierte. 1999 war das - und Jürgen Lehnigk auf den Geschmack gekommen. An regionalen Wettbewerben wie Briesensee-Triathlon oder Spreewaldmarathon nimmt er regelmäßig teil und hat auch seinen guten Kumpel Bernd Heinrich für den Ausdauersport begeistern können. Ein Trainings- und Ernährungsprogramm wurde eigens für ihn verfasst, beim Beschaffen der Ausrüstung beraten und der Zusammenbau eines Triathlon-Rennrades zugesichert. "Als gelernter Landmaschinenschlosser war das das kleinere Problem", so Coach Lehnigk, der auch seine Räder selbst zusammenschraubt. Schon bald sollte die Unterstützung Früchte tragen. 2011 nahm Bernd Heinrich beim legendären Ironman in Roth teil, 2014 bei den Europameisterschaften in Frankfurt/Main. "Und er hat dank seines Eifers 50 Kilogramm abgenommen", weiß der langjährige Betreuer und Trainingspartner zu berichten.

Nicht unerwähnt bleiben darf das Engagement von Jürgen Lehnigk im Karnevalclub Lipten, wo er seit 1994 mitmischt. Seit 2002 sogar als Programmdirektor, nachdem er sich zuvor bei Moderationen und Sketchen bewährt hatte. Welche Verwandlungsfähigkeit der drahtige Sportler dabei vollzieht, wird immer dann deutlich, wenn er in die Rolle von Luise Koschinsky schlüpft. Beifallsorkane sind dem Karnevalisten sicher, der durchaus keine Mühe hat, zehnminütige Texte auswendig zu lernen.

Wie er das schafft und woher er Kraft und Zeit für Ehrenamt und Hobby nimmt? Vielen Mitmenschen wird das auch weiterhin ein Rätsel bleiben.