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| 02:42 Uhr

Fenster sind mit Blechen vernagelt

Verrammelt und vernagelt: das einstige Schützenhaus.
Verrammelt und vernagelt: das einstige Schützenhaus. FOTO: elz1
Lübbenau. Es ist ein Gebäude mit einer langen Geschichte und vielen Traditionen. Doch es hat einmal bessere Zeiten erlebt und kümmert gegenwärtig so vor sich hin: Das Schützenhaus in der Lübbenauer Straße des Friedens. Evelyne Lungwitz

Bis vor 65 Jahren gehörte der Bereich zur Güterbahnhofstraße. Unter der Hausnummer 1 steht dort seit mehr als 160 Jahren das einstige Schützenhaus, das später Kulturhaus der Eisenbahner und Kulturhaus "Neues Leben" hieß.

Drei Namen stehen für ein Haus mit einer sehr interessanten Geschichte und vielleicht auch einer spannenden Zukunft.

Schon Paul Fahlisch schrieb in seiner Stadtchronik, die Schützengilde sei der älteste Verein in Lübbenau. Sein Stiftungsdatum war der 24. Juni 1655. In einer Festschrift der Schützengilde aus dem Jahre 2005 heiß es: "Bereits 1787 soll der damalige Standesherr Graf zu Lynar den Schützen von Lübbenau das Bauland am Weg nach Eisdorf, damals außerhalb der Stadt, zur Verfügung gestellt und zusätzlich noch 100 Reichstaler beigesteuert haben." Wie dieses alte Schützenhaus aussah, ist nicht überliefert.

Später wurde ein Neubau geplant. Im Frühjahr 1849 sollten sich diejenigen Darlehensgeber bei den Schützenältesten Klepsch und Nabbat einfinden, um für den Neubau eines Schützenhauses die Bausumme aufzubringen." Der Pächter des Schützenhauses im Jahre 1889 beispielsweise war Carl Richter und das Schützenhauslokal wurde 1899 an Hermann Lehmann weitergegeben.

Christian Balke, Vorsitzender der Schützengilde (1991), weiß, dass sein Onkel Otto Trüstedt um 1912 der Pächter des Schützenhauses war. Das Haus war bis 1945 im Besitz der Schützengilde. Als die russischen Truppen das Haus übernahmen, warfen sie das Mobiliar alles aus den Fenstern und verbrannten wertvolles Hab und Gut der Schützen sowie wertvolle Erinnerungsstücke. 1946 wurde die Schützengilde enteignet.

Bis 1954 wurde das Schützenhaus als Notunterkunft für geflüchtete Familien genutzt. Anschließend wurde es der Deutschen Reichsbahn in Trägerschaft übergeben und ab 1956 als Kulturhaus der Eisenbahner genutzt.

Das Leben von Edith Schulz ist auf besondere Weise mit dem historischen Gebäude verbunden. "Meine Eltern und ich, 14-jährig, kamen 1947 als Flüchtlinge nach Lübbenau. Wir wohnten im damaligen Schützenhaus. Im Jahr 1948 wurde ich von Pfarrer Heimbach konfirmiert und 1949 verließ ich Lübbenau, um schon 1950 wieder zurückzukommen. Wieder fand ich im Schützenhaus in der Güterbahnhofstraße 1 Unterkunft. Nach einigen Arbeitsstellen in Lübbenau fand ich 1960 als Klubverwalterin im dann Kulturhaus Neues Leben eine interessante Arbeit. Es begann für mich eine schöne und erfüllte Zeit. Nach einem dreijährigen Fernstudium übernahm ich 1976 die Leitung des Lübbenauer Kulturhauses Neues Leben. Die Arbeit machte mir sehr viel Spaß. Ich lernte sehr viel, verschiedene Menschen kennen, vor allem auf kulturellem Gebiet." Im Jahr 1992 ging Edith Schulz schweren Herzens in den Ruhestand.

Der Schützenverein hatte 1992 einen Antrag auf Rückübertragung gestellt. Die ehemaligen Hausherren erhielten jedoch einen abschlägigen Bescheid.

Am 4. November 1996 schlossen sich die Türen dieses Lübbenauer Kulturzentrums, und zwar bis heute. Inzwischen gleicht das einstige Schützenhaus einer Ruine, viele Fenster wurden von außen mit Blech vernagelt.

Im Jahr 2003, kaufte der Immobilienmakler Erhard Schneider das Haus mit knapp 4000 Quadratmeter Land von der Bahn. Schneider war dort aufgewachsen. Bis 1971 wohnte er im gegenüberliegenden Eisenbahnerhaus. Seine Kinder- und Jugendzeit verbrachte er überwiegend auf dem Gelände rund um das Schützenhaus. Heute erinnert er sich: "Es war im Jahr 1964, ich feierte meine Jugendweihe im Kulturhaus Neues Leben. Ach ja, gleich unten links, wenn man das Haus betritt, war die Gaststätte, in der ein Fernsehapparat stand. In den 1960er-Jahren betrieb die Gaststätte Frau Berte Scholz. Im ersten Obergeschoss, im Saal, gab es ein Kino. Später, etwa im Jahr 1969, war es ein Kino-Café."

In einstige Schützenhaus kam im Jahr 1967 aus Berlin eine der ersten Rockbands der DDR, das Diana-Show-Quartett. Auch der kürzlich verstorbene Achim Mentzel sang dort. Es war eine berüchtigte Band, und sie bekam schließlich Auftrittsverbot", erinnert sich der heute 65-jährige Erhard Schneider. "In den 1970er-Jahren traten die Blue-Stars aus Lübbenau auf und die Wiremans Rockband aus Lübben. In dieser Band spielte ich am Schlagzeug mit.

Schneider hatte die Immobilie einst gekauft, um sie in ein modernes Kulturzentrum zu verwandeln. Im Jahr 2003 gab es keinen großen Saal für kulturelle Veranstaltungen in ganz Lübbenau. Inzwischen ist das einstige Schützenhaus aber baurechtlich mit einer Veränderungssperre belegt. Aktuelle Baugenehmigungen gibt es nicht.

Und so bleibt am Ende nicht vielmehr als Hoffnung, wenn es um die Zukunft des Gebäudes mit der einst so lebendigen Geschichte geht.