"Panoramablick", dieses Wort hat Karlheinz Nowotny in diesem Jahr wohl am häufigsten gesagt. Zahlreich bot sich solche Ausschau den 42 Teilnehmern der fast fünfstündigen Tour. Sie konnten ihre Blicke über glitzernde Wasserflächen, bewachsene und gestaltete Ufer, Wiesen und Wälder schweifen lassen sowie Landmarken der Region entdecken. Inmitten der entstehenden neuen Landschaft zeugten die in Betrieb befindlichen Rütteldruckverdichter, Bagger und Muldenkipper von der weiteren Sicherung der geschütteten Abraumflächen auf der Innenkippe des Schlabendorfer Sees. "Was in Nachterstedt passiert ist, wird hier nicht passieren. Denn in Brandenburg wird auf geschütteten Flächen nicht gebaut", erklärte der engagierte Dokumentarist der Landschaftsumgestaltung im ehemaligen Tagebau Schlabendorf-Süd. Rutschungsgefahr bestehe im Lausitzer Revier noch immer, auch wenn schon sehr viele Bereiche verdichtet worden seien. Erst im Januar dieses Jahres habe es im einstigen Tagebau Seese-West eine Rutschung auf einem 27 Hektar großen Areal gegeben, führte er ein Beispiel an. Im Schlabendorfer Revier habe vor einigen Jahren die Straße von Zinnitz nach Fürstlich Drehna aufgrund von Rutschungen gesperrt werden müssen.Einen anschaulichen Überblick über die Veränderungen im einstigen Tagebaugebiet zeigte der von Karlheinz Nowotny zu Beginn der Tour gezeigte Film. Der anschließende Rundgang entlang des im vergangenen Jahr eingeweihten Seglerhafens in Schlabendorf am See brachte die Dimensionen des Landschaftswandels sehr anschaulich nahe. Noch bis 1990 vom Abrissbagger bedroht, sehe dieser Ort heute einer touristisch geprägten Zukunft mit Wassersport-, Bade- und Naturerlebnissen entgegen, erläuterte Karlheinz Nowotny. Letztere boten sich den Teilnehmern während der Fahrt entlang der Uferkante zum Aussichtspunkt nahe dem Naturparkzentrum der Heinz-Sielmann-Stiftung. Hunderte Wasservögel entdeckten sie in den Flachwasserbereichen zwischen Schilf und noch vorhandenen kleinen Inseln. Tausende Kraniche würden in den nächsten Wochen hier allabendlich zur Rast einfliegen, erläuterte Naturparkzentrum-Mitarbeiterin Sybille Hartnick. Über 3000 Hektar der Bergbaufolgelandschaft habe die Stiftung erworben, damit sich die Natur hier individuell entfalten könne. Weitere Flächenkäufe seien geplant, insbesondere wertvolle Moorflächen, um sie naturschutzfachlich zu betreuen und zu erhalten, ergänzte sie. Ruderboote und Solarboote sowie eine Solarfähre sollen in der Zukunft von der geplanten Steganlage am Naturparkzentrum über den See fahren, blickte sie voraus. In der Naturschule könnten Kinder zahlreiche Zusammenhänge von Lebensbedingungen und Artenvielfalt der Fauna und Flora kennenlernen, erläuterte Sybille Hartnick. "Das finde ich gut, denn viele Kinder wissen nicht mehr viel über die Natur", stellte Rosemarie Hofer während der kurzen Wanderung entlang von Bienenlehrpfad, Naschgarten und grünem Klassenzimmer fest. 1979 habe sie mit ihrer Familie Presenchen verlassen müssen. Heute befinde sich dieser Ort mitten im Schlabendorfer See.. "Hier hat sich wirklich vieles zum Positiven entwickelt, und es ist beeindruckend, was noch alles entstehen soll. Vielleicht könnte der Stein zur Erinnerung an unser Dorf ja doch einmal auf einer Insel aufgestellt werden", äußerte die ehemalige Presenchenerin ihren Wunsch. Nach einem Blick auf den Stiebsdorfer See, der auch künftig ein Natursee bleiben werde, schaute Karlheinz Nowotny auf dem Rodelberg am Drehnaer See in dessen Zukunft. Sanfter Tourismus werde hier einst möglich sein, eine Bungalowsiedlung entstehen und ein Restaurant mit Aussichtspunkt.