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| 17:12 Uhr

Langzeit-Projekt
Fahrt in die Schrankenfreiheit

Stillgelegter Bahnübergang in der Straße des Friedens in Lübbenau. Künftig sollen Autos durch einen Tunnel auf die Altstadtseite rollen.
Stillgelegter Bahnübergang in der Straße des Friedens in Lübbenau. Künftig sollen Autos durch einen Tunnel auf die Altstadtseite rollen. FOTO: LR / Daniel Preikschat
Lübbenau. Unterlagen für Bau neuer Bahnübergänge in Lübbenau werden im November eingereicht.

Nicht nur Egon hat einen Plan. Doch anders als die Coups der Olsenbande sollte das Unterfangen, in Lübbenau schrankenlose Bahnübergänge zu schaffen, glücken. In der Bürgerinitiative (BI) „Drüber oder Drunter“ mit dem Vorsitzenden Uwe Pielenz hat man jedenfalls keinen Zweifel. Zu akribisch wurde in diversen Planungsbüros an dem großen Wurf gearbeitet, zu viele Absprachen zwischen den beteiligten Akteuren wurden in den mehr als 40 Arbeitstreffen getroffen und auch schon zu viel Geld ausgegeben als dass der Zug jetzt noch aufgehalten werden könnte. Ein Jahre dauernder Prozess sei das gewesen, verbunden mit vielen Überarbeitungen aufgrund sich ändernder gesetzlicher Regelungen im Laufe der Zeit, so der BI-Vorsitzende rückblickend.

Es gibt aber noch mehr gute Argumente, die für einen erfolgreichen Abschluss sprechen. Uwe Pielenz verweist auf das parallel laufende Planungsverfahren für einen zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke zwischen Lübbenau und Cottbus, das im Land Brandenburg politisch gewollt und planerisch ebenfalls schon weit vorangetrieben worden ist. Dabei seien zuerst in Lübbenau die schrankenlosen Bahnübergänge zu schaffen, so Pielenz. Danach erst könne es an den Streckenausbau in Richtung Cottbus gehen. In einem Arbeitstreffen im Juni sei mitgeteilt worden, dass die Trasse für ein zweites Gleis in Lübbenau nun feststeht und entsprechend in der Planung für die schrankenlosen Übergänge berücksichtigt werden kann.

Weiterhin hat auch die Bahn ein großes Interesse an der Schrankenfreiheit in Lübbenau. Sie bringe mehr Sicherheit und weniger Wartungsaufwand mit sich. Die große Investition zahle sich auf lange Sicht aus, verweist Pielenz auf Aussagen von Vertretern der Bahn. Und schließlich seien Bürger und Grundstückseigentümer an den vorgesehenen Baustellen sowie die relevanten Behörden unter anderem für den Naturschutz früh beteiligt worden, sodass Pielenz nicht mit größeren Widerständen rechnet.

Beim Landesamt für Bauen und Verkehr, so berichtete er kürzlich in der BI, werden die aktualisierten Planfeststellungsunterlagen im November eingereicht. Man könne das vergleichen mit einem Bauantrag. Erfahrungsgemäß dauere es zwei Jahre, die Unterlagen zu prüfen, auszulegen und mögliche Stellungnahmen abzuwägen. Im Spätherbst 2020 sollte das Planungsverfahren dann endgültig abgeschlossen sein. Um bei dem Vergleich zu bleiben: Es werde dann die Baugenehmigung erteilt und erste Bauaufträge können ausgeschrieben werden. 2025 rechnet der BI-Vorsitzende mit der Fertigstellung.

Was dann voraussichtlich fertiggestellt sein wird, ist den Lübbenauern schon mehrfach vorgestellt worden. Sogar ein großes Model wurde gefertigt und im Rathaus aufgestellt. An zwei Kreuzungsbereichen werden die Schrankenübergänge überwunden. In der Stadtmitte rollen Autos durch einen Tunnel, am Ortsausgang in Richtung Cottbus über eine Brücke. Zugleich wird die Güterbahnhofstraße zur Landesstraße (L 49), die Bahnhofstraße (jetzige
L 49) zu einer normalen innerstädtischen Straße. Voraussichtlich vier Kreisel sind anzulegen, um die Verkehrsströme durch Lübbenau beziehungsweise in die Neu- und in die Altstadt zu lenken. Kosten laut einer Schätzung von 2016: 28 Millionen Euro. Die Stadt Lübbenau muss voraussichtlich rund sieben Millionen Euro beisteuern, den großen Rest Deutsche Bahn und das Land Brandenburg. Diese Kostenteilung wurde bei einer Kreuzungsvereinbarung Ende März 2013 vereinbart. Für Uwe Pielenz war das genau so ein „Meilenstein“ wie im Spätherbst das Einreichen der Planung.