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| 17:27 Uhr

Fällen im Akkord zu Wasser und zu Land

Marco Storch (l.) und Rene Schubert zerlegen im Fließ einen gefällten Baum. Stammteile und Äste werden am Ufer abgelegt.
Marco Storch (l.) und Rene Schubert zerlegen im Fließ einen gefällten Baum. Stammteile und Äste werden am Ufer abgelegt. FOTO: Daniel Preikschat
Lübbenau. Jedes Jahr müssen an Lübbenauer Fließen hunderte alte und kranke Bäume zu Fall gebracht werden. Eine harte und gefährliche Arbeit. Daniel Preikschat

Motorsägenlärm durchdringt die Stille in der Spreewald-Idylle. Ein Knirschen ist zu hören, das Geräusch abbrechender Äste, ein lautes Krachen. Der nächste Baum liegt am Boden. Am Eschenfließ, nahe der Hauptspree bei Leipe, stand die Pappel. Dort wuchs sie, bis sie fast einen Meter Stammdurchmesser hatte. Ein Blick auf den Stumpf aber zeigt Frank Pötzschick und seinen Kollegen vom Wasser- und Bodenverband "Oberland Calau": Das Holz ist porös und schon leicht faulig. Dieser Baum war krank.

"Es wird immer schlimmer", sagt Vorarbeiter Pötzschick. Vor ein paar Jahren noch waren es "nur" etwa tausend Bäume die zwischen Lübbenau und Burg entlang der Spreewaldfließe gefällt werden mussten, weil sie umzustürzen drohten. Im Sommer vergangenen Jahres haben Fachleute unter anderem von Naturschutzbehörden, Biosphäre sowie Wasser- und Bodenverband schon knapp 3000 Erlen, Eschen, Pappeln und Birken markiert. Pötzschick zeigt einen Packen Zettel. Für jedes Fließ sind die "Gefahrenbäume" mit Nummer, Art und Stammdurchmesser aufgelistet. Pötzschick und seine Kollegen arbeiten das nun ab.

Und das schon seit Ende September. "Einen Monat brauchen wir wohl noch, dann sind wir durch", sagt der gelernte Forstwirt. Gerade in den Wintermonaten sei das schon hart: Früh am Morgen bei Minusgraden in den Kahn, mit ausreichend dickem Stullenpaket, um Bäume zu fällen. Die Kleinen mit nur 40, 50 Zentimeter Stammdurchmesser seien dabei nicht das Problem. Anders sehe das schon aus bei Bäumen wie der Pappel, auf die Pötzschick vom Kahn aus zeigt. Der gefällte Riese mit zwei Meter Durchmesser habe vier Leute einen halben Tag lang beschäftigt. Als er fiel, habe er vier kleinere Bäume mit umgerissen. "Da muss man höllisch aufpassen", spricht Frank Pötzschick aus Erfahrung. Wegbrechende oder zurückschnellende starke Äste können zur Gefahr werden. Ebenfalls unberechenbar: Bäume mit ähnlich dicken Stämmen fielen dennoch unterschiedlich leicht um. Je nachdem, wie stark das Holz schon angegriffen ist. Der Grad der Beschädigung beeinflusse auch die Fallrichtung. "Bei einigen Bäumen", sagt Pötzschick, "wundere ich mich, dass sie nicht schon längst von selbst umgefallen sind."

Motorsäge und Motorseilwinde, das Krautboot mit montierter Hebegabel sind die wichtigsten Hilfsmittel für das Team, das von der Lübbenauer Niederlassung des Wasser- und Bodenverbandes in der Nähe des Schlossparks aus agiert. Mitunter, steht ein Baum ungünstig, müssten auch schon mal Leitungen abmontiert oder Baumkletterer beauftragt werden. "Die tragen den Baum von oben nach unten ab", erklärt Pötzschick. Asthaufen und Holzstapel neben Baumstümpfen zeugen an den Fließen von den Fällaktionen.

Natürlich zeigten sich Touristen mitunter empört und betroffen, wenn sie die vielen gefällten Bäume sehen. "Dann müssen wir ihnen erklären, warum das nötig ist", sagt der Spreewälder. Es sei erschreckend, wie sehr der Phytophthora-Pilzbefall Erlenbestände schädige. Einheimische wüssten das meist schon und fragen gar nicht mehr. Aufgrund der immer größer werdenden Zahl kranker Bäume, die umsturzgefährdet sind, schaffe es der Wasser- und Bodenverband nicht mehr, mit den Fällungen von Anfang Oktober bis Ende Februar durchzukommen. So wie es das Naturschutzgesetz eigentlich vorsehe. "Gefahrenbäume", erklärt Pötzschick, dürften aber auch außerhalb dieses Zeitraums gefällt werden. Schließlich sollen Touristen die Fließlandschaft weiter sicher erkunden können.

Frank Pötzschick macht seinen Job in freier Natur gern. Trotzdem sei er ganz froh, wenn mit dem anstrengenden Baumfällen bald erst mal wieder Schluss ist.