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Fachschüler sorgen für Betroffenheit in der Bunten Bühne

Gebannt verfolgten in der Bunten Bühne die Besucher der Aufführung angehender Heilerziehungspfleger der AWO-Fachschule.
Gebannt verfolgten in der Bunten Bühne die Besucher der Aufführung angehender Heilerziehungspfleger der AWO-Fachschule. FOTO: Kunze
Lübbenau. Mit einer couragierten Aufführung in der Bunten Bühne in Lübbenau haben sich Schüler der AWO-Fachschule für Sozialwesen am gestrigen Holocaust-Gedenktag eines düsteren Kapitels der deutschen Geschichte angenommen. Tausende Menschen wurden in der Nazi-Diktatur aus den Familien gerissen und getötet, nur weil sie behindert waren. Daniel Preikschat

Im Zuschauerraum sahen sich viele Schüler vermutlich erstmals mit dem Thema konfrontiert und folgten der Inszenierung ebenso gebannt wie die Erwachsenen. Eingesprochene Texte, ein fiktives Gespräch zwischen einer älteren Frau, deren Schwester Euthanasie-Opfer wurde, und einem Kind sowie Fotos ergaben ein betroffen machendes Gesamtbild. "Sprachlos" angesichts dieses Menschheitsverbrechens zeigte sich Pfarrer Matthias Grzelka. In seinem Redebeitrag umkreiste er den Begriff "Gewissen". Gänzlich verschüttet müsse es gewesen sein bei NS-Schergen und den Ärzten, die das mörderische Euthanasieprogramm seinerzeit umgesetzt haben. Statt dessen folgte man dem Hitlerschen Rassen- und Machbarkeitsswahn.

Ein Gewissen, so der Pfarrer, müsse stetig gebildet und geschärft, hin zum Menschlichen ausgerichtet werden. Wer dies tue, könne Populismus und demokratiefeindlichen Bestrebungen aus innerer Überzeugung entgegentreten.

Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos) zitierte in seiner Begrüßung aus einer Rede des jüngst verstorbenen ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog. Die Erinnerung an die "perverse Perfektion" der Massentötung in Auschwitz, an die Nazi-Willkür, denen Menschen aufgrund "abstruser Kategorien" zum Opfer fielen, dürfe nie enden. Erinnern, so Roman Herzog, helfe, Irrwege zu vermeiden und sich keiner Selbsttäuschung hinzugeben. Eine kollektive Schuld gab es für Herzog nicht. Eine Verpflichtung bestehe aber in Deutschland für ein kollektives Erinnern.

Traditionellerweise an diesem Gedenktag wurden in Lübbenau im Anschluss auf dem städtischen Friedhof in Zerkwitz Blumen niedergelegt.