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Fabelwesen verzaubern die Fließe

Aus dem Dunkel der Nacht schälen sich beim "Traumstaken" seltsame Wassergeschöpfe.
Aus dem Dunkel der Nacht schälen sich beim "Traumstaken" seltsame Wassergeschöpfe. FOTO: Daniel Preikschat
Lübbenau. Kahnfährmann Kai hatte es am Mittwochabend nicht ganz leicht. Er stakte einen von zwei Kähnen durch Hauptspree und Bürgerfließ. Daniel Preikschat

An sich kein Problem für jemanden aus dem Kahnfährmannsverein der Spreewaldfreunde am Kleinen Hafen in Lübbenau. Zur echten Herausforderung wird die Fahrt jedoch, wenn im Stockdunkeln gleich zwei Kähne auf engem Raum schwierige Fahrmanöver absolvieren müssen - und das, ohne sich in die Quere zu kommen.

Genau das musste am Abend vor der Premiere der zweiten poetischen Kahnfahrt "Traumstaken" durchexerziert werden. Immer wieder, an sieben Uferbereichen von Hauptspree und Bürgerfließ. So lange wurde dort jeweils hin und hergestakt, bis alle Fahrgäste einen guten Blick hatten auf das Geschehen am Ufer. Mal bildeten beide Kähne dabei eine V-Formation, mal lagen sie parallel im Wasser.

Das Kommando dabei hatte Bille Behr vom Berliner Theater Anu. War die energische Regisseurin zufrieden, hieß es: "Und weiter." Mit in den Kähnen saßen auch Queenie Nopper und Jürgen Othmer vom Projektbüro Lübbenaubrücke, das hilft, das Theaterspektakel im Spreewald zu organisieren, zu vermarkten und umzusetzen. In diesem Jahr ohne Fördermittel, so Othmer. Weshalb für die Tickets statt der 22 Euro voriges Jahr nun 39 Euro verlangt werden müssen.

Was jedoch dem Vorverkauf keinen Abbruch getan habe, wie von der Spreewald Touristinformation zu erfahren ist. Nur noch Restkarten seien für die Kahnfahrten heute und morgen Abend zu bekommen. Das heißt: Insgesamt dürften sich erneut rund 600 zahlende Fahrgäste das "Traumstaken" ansehen. Queenie Nopper und Jürgen Othmer zeigten sich am Mittwoch verzückt von leuchtenden Bühnenbildern, ausdrucksstarkem Spiel, poetischen Texten und visuellen Effekten. Dazu eine passende Hintergrundmusik, Sterne am Nachthimmel und im Wind stimmungsvoll raschelndes Blattwerk und Schilf. Eine gut kalkulierte Gesamtwirkung, die noch kurz vor Mitternacht jede Müdigkeit vertrieb.

Und auch Anstoß gab zum Nachdenken. Bille Behr und ihr Ensemble wollen schließlich nicht nur überwältigend inszenieren, sondern auch Geschichten erzählen. Da ist der Fischer, den die unerfüllte Liebe zu einer Nixe halb wahnsinnig macht, da ist die verführerisch tanzende Wasserfrau und der König, der seinen Schatz versenkt.

Für Kahnfährmann Matthias Kuhn ist das "Traumstaken" ein besonderes Angebot. Die ungewöhnliche Allianz von Kahnfährleuten und Theatermachern ermögliche es, Gästen eine ganz andere Seite des Spreewalds zu zeigen.

Abfahrt heute und morgen am Kleinen Hafen in Lübbenau viertelstündlich ab 19.30 Uhr.