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| 02:32 Uhr

Ex-Junkie beeindruckt Oberschüler

Dominik Forster diskutierte in der Ehm Welk-Oberschule mit Schülern über Crystal Meth-Missbrauch.
Dominik Forster diskutierte in der Ehm Welk-Oberschule mit Schülern über Crystal Meth-Missbrauch. FOTO: Daniel Preikschat
Lübbenau. 80 Zuhörer im Kulturhof, noch einmal 40 in der Oberschule hatte crystal.klar-Autor Dominik Forster. Sein Selbsterfahrungsbericht vermittelte authentisch, wie verlockend Speed und Crystal für einen Jugendlichen sind – und wie verheerend in der Wirkung. Daniel Preikschat

Man sieht ihm nicht an, was er hinter sich hat. Unauffällig und trotz Kinnbart recht jungenhaft wirkt der 28-jährige Nürnberger. Nur seine tätowierten Unterarme lassen aufmerken. Und dann vor allem das, was Dominik Forster zu erzählen hat. Durchaus hörenswert gerade auch in einer Stadt wie Lübbenau. Hat doch die hochgefährliche Modedroge Crystal Meth, in Tschechien hergestellt, längst Südbrandenburg erreicht.

Immerhin rund 120 Zuhörer bei zwei Veranstaltungen hatte der angereiste Ex-Junkie, der seine Drogengeschichte in dem Buch "crystal.klar" verarbeitet hat und auch regelmäßig unter anderem in Schulen vorträgt. Allein 80 Interessierte kamen am Montag in den Kulturhof des Gleis 3. Unter ihnen Evelyn Kalz, die mit 20 weiteren Azubis des AWO-Bildungszentrums Dominik Forster zuhörte. Erschreckend anschaulich, findet sie, sei der Weg zum Drogenmissbrauch mit all seinen Folgen beschrieben worden. Aus dem Prügelknaben in der Schule, von dessen Problemen keiner etwas hören wollte, wurde der coole Typ, der Drogen nimmt und mit Lügengeschichten Eindruck schindet.

Beeindruckend für Evelyn Kalz war auch, wie schonungslos ehrlich Forster darüber berichtete, welchen Preis er für seinen Höhenflug bezahlen musste. Der körperliche Verfall, die verätzten Nasenschleimhäute und der Ausschlag im Gesicht, waren noch das geringere Übel. Albtraumhafte Zwangsvorstellungen plagten den jungen Mann, die er nicht mehr loswurde. Dominik Forster fand in seinem Vortrag dafür das Bild vom Ende des Regenbogens.

Haft und Ersatzdroge

"Absolut drastisch" anzuhören waren dann auch die Erfahrungen des Drogenabhängigen im Jugendgefängnis, so Elisabeth Jente von der Stadtverwaltung, die Forster nach Lübbenau eingeladen hatte. Allerdings sei Forster auch Beispiel dafür, wie man sich dem Zugriff von Crystal wieder entziehen kann. Ein Sozialarbeiter wies ihm nach Haftentlassung und Therapie auf einen Verein für Drogenprävention hin, der auf begleitetes Wandern und Klettern in den Bergen setzt. Für Forster wurden die intensiven Naturerlebnisse zur Ersatzdroge.

Dominik Forsters zweiter Auftritt in Lübbenau am Dienstag in der Ehm Welk-Oberschule beeindruckte die Zuhörer nicht minder. Regelrecht "geschockt" seien die Neuntklässler gewesen und sehr nachdenklich in die Pause gegangen, so eine Deutschlehrerin. Danach sei mit dem Gast lebhaft diskutiert worden. Wie denn heute sein Verhältnis zu den Eltern sei, ob er noch Kontakt zu seinen alten Freunden aus der Drogenszene habe, was man Freunden oder Bekannten raten könnte, um von Drogen wieder loszukommen - das waren einige der Fragen. Fragen, die er bei seinen nunmehr fast 200 Vorträgen vor allem an Schulen immer wieder höre, so Forster. Aus seiner Sicht spreche es für die Lübbenauer Schule, dass sie sich diesem unangenehmen Thema öffne.

Eltern sensibilisieren

Davon ist auch Schulleiterin Gabriela Lehmann überzeugt. Sie war vor drei Wochen in der Bunten Bühne schon bei einer Info-Veranstaltung zum Thema Crystal Meth mit Expertenbeteiligung, initiiert von Elisabeth Jente und der SPD-Stadtverordneten Carola Krahl. Nach Dominik Forsters Vorträgen in dieser Woche sollen sich weitere Veranstaltungen anschließen und auch die Eltern stärker für das Thema sensibilisiert werden. "Wir können davor nicht die Augen verschließen", so die Schulleiterin.

Zum Thema:
Dominik Forster wurde 1988 in Nürnberg geboren. Nach der mittleren Reife lernte er Kaufmann für Bürokommunikation. Seit 2013 ist er ehrenamtlicher Mitarbeiter in der Suchtprävention. Er hat den Mountain Activity Club, einen Verein für Prävention, mitbegründet. Sein Roman "crystal.klar" erschien 2016 im duotincta Verlag. Auf 280 Seiten verarbeitet der Autor seine Drogen- und Hafterfahrungen, Entzug und Therapie. In Rezensionen wurde das Buch mit "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" verglichen.