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"Es ist unsere Pflicht, Flüchtlingen zu helfen"

Leserbrief. Zum geplanten Flüchtlingsheim im Lübbenauer Ortsteil Kittlitz und der anonymen Bedrohung des Bürgermeisters Helmut Wenzel erreichte die Redaktion Post aus Lübbenau. Simone Brüggemann-Riemer schreibt: Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, bin so geschockt von den Meinungen und Aussagen der Bürger von Kittlitz, und leider auch Lübbenau.

Ich schäme mich.

Hatten die Bürger denn schon je Kontakt mit ausländischen Flüchtlingen oder überhaupt Kontakt mit Ausländern, das sie sich solch eine Meinung bilden können?

In den Medien habe ich nie von Übergriffen der Flüchtlinge auf Einheimische gehört. Im Gegenteil, die Flüchtlinge sind in manchen Heimen nicht sicher vor fremdenfeindlichen Übergriffen.

Ich schäme mich.

Woher kommt die Angst vor Fremden? Ich kann es nicht verstehen, sind die Flüchtlinge doch durch Krieg und Verfolgung heimatlos, und ist es da nicht unsere Pflicht als Menschen, zu helfen. Wo ich das erste Mal von dem Flüchtlingsheim gehört habe, war mein erster Gedanke, was kann ich tun, damit sie sich wohlfühlen. Ich kann mich noch gut an die Arbeit der RAA (Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie) in Lübbenau erinnern.

Viele Projekte für mehr Weltoffenheit wurden organisiert. Einmal durfte ich in Forst in einem Asylbewerberheim bei einer gemeinsamen Weihnachtsfeier, die von der RAA organisiert wurde, dabei sein. Es war ein unvergessenes Erlebnis. So etwas könnte auch zum gegenseitigen Kennenlernen in Kittlitz organisiert werden, da wäre ich dabei. Ich kann es mir nur in der Sicht schlecht vorstellen, wegen mangelnder Infrastruktur in Kittlitz, hoffe, dass das Land dafür eine Lösung hat.

Mein Mann und ich reisen viel und kommen oft auch durch sehr arme Regionen, so wie im Februar im Norden von Indien. Wir waren in der kleinsten Hütte oder Zelt eingeladen. Sie haben so wenig und geben so viel. Das macht demütig. Wir wurden immer herzlich empfangen und hatten nie negative Erlebnisse.

Und wir hier in Deutschland haben so viel und haben nur noch Angst, dieses zu verlieren, vergessen dabei, das andere Hilfe brauchen.

Ich würde gern allen, die Angst vor den Flüchtlingen haben, diese nehmen. Manchmal genügt ein Lächeln, um das Eis zu brechen.

Bitte liebe Kittlitzer, gehen Sie mit anderen Gedanken an die Ankunft der Flüchtlinge heran. Es sind doch nicht alles Verbrecher und Vergewaltiger. Überall in jedem Land gibt es schwarze Schafe.

Denken Sie auch daran, wenn wir zu Flüchtlingen werden würden, aus welchen Gründen auch immer, wünschten wir uns auch Hilfe und möchten nicht vorverurteilt werden. Ich möchte mich nicht mehr schämen.