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Erste Zentralschule und jetzt Jenaplanhaus in Lübbenau

Die Jenaplanschule in Lübbenau. Für das Gebäude wurde 1955 der Grundstein gelegt, 1957 war Einweihung. Foto: E. Lungwitz/elz1
Die Jenaplanschule in Lübbenau. Für das Gebäude wurde 1955 der Grundstein gelegt, 1957 war Einweihung. Foto: E. Lungwitz/elz1 FOTO: E. Lungwitz/elz1
Lübbenau. In der heutigen Poststraße ist am 3. April 1955 der erste Spatenstich für den ersten Schulneubau in Lübbenau gesetzt worden. Im Mai wurde der Grundstein gelegt. Zwei Jahre später feierten die Lübbenauer die Eröffnung. Das war am 15. April 1955. Evelyne Lungwitz hat die Geschichte des jetzigen Jenaplan-Hauses aufgearbeitet. elz1

Die sehr große Bemühungen des damaligen Magistrats der Stadt Lübbenau um einen Schulneubau hatten nie Erfolg, war in der Lokalpresse 1955 zu lesen. Das änderte sich am 3. April 1955, als in der damaligen Ernst-Thälmann-Straße (Poststraße) der erste Spatenstich für einen 16-klassigen-Schulneubau getätigt wurde. Das Projekt wurde vom Staat mit einer Bausumme von 1,7 Millionen DM unterstützt.

Der VEB Kreisbaubetrieb Lübben errichtete das Gebäude. Der Grundstein wurde am 8. Mai 1955 gelegt. Genosse Schaer vom Rat des Kreises hielt die Festrede, Bürgermeister Manasse verlas die Urkunde, die zusammen mit weiteren Dokumenten in einer Kupferhülse eingemauert wurde. Schulleiter Karl-Heinz Geyer betonte in seinem Trinkspruch: "Wir wollen alles tun, um unsere Kinder in diesem Bau zu namhaften Patrioten des deutschen Volkes zu erziehen".

Knapp zwei Jahre später wurde der Schulneubau feierlich eingeweiht. Schüler und Lehrer marschierten in einem Festzug zum Gebäude. In einer Feierstunde sang der vereinigte Schüler-Lehrer-Chor und die Kapelle des Patenbetriebes musizierte. Der Ernst des Lebens begann für die Schüler am 24. April mit dem ersten Unterricht. Im Erdgeschoss befanden sich ein Klassenraum, der Werkraum, das Lehrerzimmer, Direktorat, u. a. Räume sowie die Turnhalle. In den oberen Stockwerken waren die Klassenräume der vierten bis zehnten Klasse untergebracht. Auch spezielle Fachräume wie Chemie- und Physikraum gab es. Die Kinder der Klassen eins bis drei wurden weiterhin in der Schule der Schulstraße unterrichtet.

Zeitzeugin Johanna Lubkoll (geb. 1926) schloss die Schule im Jahr 1940 ab. Sie ging gern zur Schule und war ein begabtes Kind. Der damalige Lehrer Weißhaar schlug ihr vor, Lehrerin zu werden. Diesen Rat befolgte sie und absolvierte eine Lehrerausbildung von 1940 bis 1945 in Oberschlesien, dazu gehörte auch ein Praktikum in Tarnowitz (Ost-Oberschlesien). Die Junglehrerin, Johanna Lubkoll, stand in Lübbenau im Mai 1945 das erste Mal vor ihrer Klasse. Es war in der Knabenschule an der Kirche. Ab September unterrichtete sie in der Mädchenschule, in der Schulstraße. Im Jahr 1952/53 konnte sie ihre zweite Lehrerprüfung ablegen und bekam das schriftliche Zeugnis als Lehrerin.

Die heute 86-jährige Rentnerin schwelgt in Erinnerungen: "Wir Lehrerinnen und auch Lehrer mussten damals sehr viel machen, nicht nur unterrichten. Wir mussten das Vieh bei den Bauern zählen, die Schulkinder auf Läuse untersuchen. Bis 1946 gab es keinen regelmäßigen Verdienst.

Ende April 1957 bin ich dann mit meiner Klasse in die neue Schule umgezogen. Die Klassenstärke betrug damals nicht selten 30 Kinder. Teilweise wurde am Nachmittag unterrichtet. An der neuen Schule unterrichteten wir jährlich etwa 1000 Schüler."

Nach einigen Jahren wurde aus der 1. Zentralschule die 1. Polytechnische Oberschule (POS). Einen Namen bekam die Schule im Jahr 1970. Am 22. April wurde sie auf "Lenin-Oberschule" getauft. Diesen Namen trug sie bis 1991. Anfang der 90er-Jahre bezog die Realschule dieses Schulgebäude. Schüler der 6. bis 10. Klasse wurden bis 2005 unterrichtet.

2005 bezog die Jenaplanschule mit Kindergarten das heutige Jenaplanhaus in der Poststraße. Die Jenaplanschule besuchen 140 Kinder und im Kindergarten werden etwa 30 Kinder betreut.

Der ehemalige Lehrer Heiner Müller unterrichtete an der damaligen Lenin-Oberschule Biologie und Chemie. Fotos von ihm dokumentieren die Geschichte des Hauses. Schulleiter an dieser Schule waren Karl-Heinz Geyer (ab 1957), Günther Penschke, Michael Luther (kommissarisch), Klaus-Dieter Biernat, Hans Kruk, Siegfried Motschmann, Bernd Nowotny und Siegfried Wagner (bis zur Wende).

Viele Erinnerungen und Geschichten sieht Heiner Müller vor seinen Augen lebendig werden. "Ende der 50er-, Anfang der 60er-Jahre wurden rund um das Schulgebäude Maulbeersträucher gepflanzt. Lehrer und Schüler hatten das Ziel, eine Seidenraupenzucht aufzubauen. Ein Klassenraum wurde genutzt. Wir bestellten Seidenraupeneier und verfolgten mit Spannung die weitere Entwicklung", so Müller. Ein unliebsames Ereignis habe nicht lange auf sich warten lassen. Kurz vor der Verpuppung der Raupen waren diese nicht mehr satt zu kriegen. "Sie suchten im gesamten Schulgebäude nach Fressen. Einen zweiten Anlauf zur Seidenraupenzucht gab es bei uns nicht mehr", so Müller.

Lehrer Wolfgang Langosch unterrichtete von 1957 bis 2002 und erinnert sich, wie die Schüler in die neu errichtete Lübbenauer Schule kamen. Aus den umliegenden Dörfern sorgte seinerzeit der Kraftverkehr mit Schulbussen für den kostenlosen Transport. Schüler aus Leipe kamen mit dem Schulkahn nach Lübbenau. Eine unentgeltliche Hortbetreuung sowie eine warme Mittag-Mahlzeit für 55 Pfennig erhielten die Kinder.

Im Jahr 1958 wurden das Fach UTP (Unterrichtstag in der Produktion) sowie das Fach TZ (Technisches Zeichnen) und PA (Produktionsarbeit) ab 7. Klasse eingeführt.

Die 1. Oberschule in Lübbenau war eine der ersten Schulen der DDR, bei der das Kabinettsystem (FURS) eingeführt wurde. Die Schüler lernten in Fachunterrichtsräumen.

Festumzug mit Musik zur Einweihung: Der Schulneubau wurde vor 55 Jahren eröffnet. Foto: privat
Festumzug mit Musik zur Einweihung: Der Schulneubau wurde vor 55 Jahren eröffnet. Foto: privat FOTO: privat