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Forschung in der Antarktis
Erste Gemüseernte im Packeis

Stolz präsentiert der Lübbenauer Wissenschaftler Paul Zabel vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme das erste geerntete Gemüse auf der Forschungsstation in der Antarktis.
Stolz präsentiert der Lübbenauer Wissenschaftler Paul Zabel vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme das erste geerntete Gemüse auf der Forschungsstation in der Antarktis. FOTO: DLR
Lübbenau/Antarktis. Die Arbeit des Lübbenauer Forschers Paul Zabel in der Antarktis trägt nun Früchte. Von Rüdiger Hofmann

Während die Temperaturen in der Antarktis langsam auf Werte unter minus 20 Grad Celsius fallen und auch die Sonne nur noch flach über dem Horizont steht, wächst und gedeiht die Pflanzenzucht im Versuchsgewächshaus EDEN-ISS. Nach den ersten drei Wochen hat Paul Zabel vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bis in die vergangenen Tage hinein die ersten Früchte im eisigen Umfeld geerntet. 3,6 Kilogramm Salat, 70 Radieschen und 18 Gurken hielt er bei der ersten Ernte jeweils in der Hand. Was nun den Speiseteller der Überwinterer bereichert, zeigt, wie sich zukünftig auch Astronauten auf Mond und Mars mit frischer Nahrung versorgen könnten. Dafür haben mehrere Forscher, die zur Überwinterungscrew der vom Alfred-Wegener-Institut betriebenen Antarktisstation Neumayer III gehören, ein Gewächshaus entwickelt, in dem Gemüse und Kräuter ohne Tageslicht gedeihen.

„Nachdem die Saat Mitte Februar ausgebracht war, hatte ich mit einigen unerwarteten Problemen zu kämpfen, wie kleineren Systemausfällen und dem stärksten Sturm seit mehr als einem Jahr“, sagt der Wissenschaftler vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme. „Glücklicherweise ließen sich all diese Dinge beheben und überstehen.“ Projektleiter Daniel Schubert ergänzt: „Wir haben in den vergangenen Wochen vieles über die autarke Pflanzenzucht gelernt. Es zeigt sich, dass die Antarktis ein ideales Testfeld für unsere Forschung ist.“ Mittlerweile wachsen alle geplanten Pflanzen im Gewächshaus, darunter Radieschen, verschiedene Salate, Tomaten, Gurken, Paprika sowie Gewürze wie Basilikum, Petersilie, Schnittlauch und Koriander. „Nur bei der Erdbeerzucht muss man sich noch etwas gedulden“, so Schubert. „Hier warten wir noch auf die erfolgreiche Aussaat.“ Im Mai erwarten die DLR-Forscher dann den vollen Betrieb des Container-Gewächshauses. Dann sollen pro Woche rund vier bis fünf Kilogramm Frischgemüse geerntet werden.

An der Neumayer-Station III des Alfred-Wegener-Instituts sind derzeit zehn Überwinterer untergebracht. Frisches Gemüse der letzten Lieferung Ende Februar ist mittlerweile aufgebraucht, so dass sich die Bewohner über die frische Ergänzung auf ihrem Speiseteller freuen. „Es war etwas Besonderes, den ersten frischen Salat der Antarktis vor Augen zu haben“, sagt Stationsleiter Bernhard Gropp. „Er hat geschmeckt, als hätten wir ihn frisch im Garten geerntet.“

Paul Zabel, der seit seinem Studium zum Luft- und Raumfahrtingenieur an der Technischen Universität Dresden in der im Jahr 2011 gegründeten Forschungsgruppe EDEN arbeitet, verbringt derzeit rund drei bis vier Stunden täglich mit der Pflege und Zucht der Pflanzen im Gewächshaus, das rund 400 Meter entfernt von der Neumayer-Station III steht. „Dabei bin ich hauptsächlich mit der Überprüfung der technischen Systeme und typischen Gärtnertätigkeiten wie dem Beschneiden der Pflanzen beschäftigt“, sagt der Forscher.

Inzwischen steht er auch in regelmäßigem Kontakt mit dem Kontrollzentrum im DLR-Institut für Raumfahrtsysteme in Bremen, von wo aus die Pflanzenzucht aus der Ferne überwacht wird. An besonders stürmischen Tagen – wie zuletzt am 21. März – überwachen Projektleiter Daniel Schubert und sein Team um Matthew Bamsey und Conrad Zeidler das Gewächshaus vollständig aus Bremen, bis Paul Zabel wieder zurück gelangen kann. Diese Überbrückung ist für bis zu drei Tage möglich. Keine ungewöhnlichen Wetterkapriolen in einer Gegend, wo der Kälterekord bei minus 50,2 Grad Celsius liegt.